Archäologen entdecken 7000 Jahre alte Siedlung – Öffentliche Führungen am Sonntag
Studenten graben Steinzeithaus aus

Willebadessen/Borgentreich (WB). Reste einer 7000 Jahre alten Siedlung werden zurzeit zwischen Willebadessen-Eissen und Borgentreich ausgegraben. Die Westfälische Wilhelms-Universität Münster (WWU) und der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) nutzen den Standort für eine Lehrgrabung.

Freitag, 06.09.2019, 18:17 Uhr aktualisiert: 06.09.2019, 18:20 Uhr
Über die Grabungen freuen sich (vorne, von links) Maria Hahne, Prof. Dr. Michael Rind (beide LWL), Willebadessens Bürgermeister Hans Hermann Bluhm, Dr. Sven Spiong, Dr. Hans-Otto Pollmann und Dr. Kerstin Schierhold (alle drei LWL). Foto: Daniel Lüns

Die Siedlung wurde bereits im Jahr 2016 gefunden. Luftbilder hatten erste Hinweise darauf gegeben. Mithilfe eines Gerätes, das Störungen und Ungleichmäßigkeiten im Erdreich erkennt, konnte die Position exakt bestimmt werden. Auf einen sogenannten geomagnetischen Messbild wurden mehrere rechteckige Hausgrundrisse sichtbar. Punkte deuten dabei auf Hauspfosten hin.

Haus war 25 Meter lang

Als schwarze Bänder wurden zwei ovale Gräben sichtbar. Seit der Jungsteinzeit wurden Siedlungen durch Grabenanlagen geschützt. Die Anlagen bestehen jeweils aus mehreren Häusergruppen. Vor etwa 7000 Jahren wurden in Europa die ersten Menschen sesshaft. Sie begannen, Ackerbau zu betreiben. Damit sind in Sichtweite des Desenbergs nun vier größere Siedlungen bekannt, erklärt Dr. Sven Spiong, Leiter der Außenstelle Bielefeld der LWL-Archäologie für Westfalen.

Für die Lehrgrabung wurde nun der Grundriss eines Hauses freigelegt. Es ist etwa 25 Meter lang und sieben Meter breit und beherbergte jungsteinzeitliche Bauern. Die Forscher haben sie bereits in die Epoche der sogenannten Linearbandkeramik eingeordnet. »Die Studenten lernen hier das Ausgraben«, erklärt Prof. Dr. Michael Rind, Direktor der LWL-Archäologie für Westfalen. Acht Studenten der WWU sind dabei sechs Wochen lang vor Ort im Einsatz. Ende September sollen die Arbeiten beendet sein.

Kommunen unterstützen

Die Studenten stießen zum Beispiel auf Holzkohlereste, erklärt Rind: »Die können wir auch datieren.« Auch Mittel des täglichen Gebrauchs seien zutage befördert worden. Dazu zählten etwa steinzeitliche Messer (behauener Feuerstein) oder Teile eines Mahlsteins, auf dem Getreide zu Mehl verarbeitet worden war.

Bei den Arbeiten werden die Forscher von den umliegenden Kommunen unterstützt. Im Auftrag der Stadt Willebadessen hatte ein Bagger der Stadt Borgentreich das Feld grob freigelegt, damit die Studenten an die Arbeit gehen konnten. Die Stadt Willebadessen stellte den Forschern zudem Wasser zur Verfügung, angeliefert wurde es durch die Helfer der Feuerwehr.

Weitere Grabungen folgen

Für den LWL steht bereits fest, dass dies nicht die letzte Lehrgrabung sein wird. »Wir wollen weiterhin mit Universitäten in dieser Region forschen«, betont Dr. Sven Spiong. Erst vor wenigen Wochen hatte der LWL gemeinsam mit der Christian-Albrechts-Universität Kiel (CAU) in Borgentreich eine Lehrgrabung organisiert. Dabei waren Überreste der mittelalterlichen Stadbefestigung freigelegt worden. Seit Jahren sind LWL und CAU auch an der Alten Eisenbahn bei Willebadessen aktiv.

Nach dem Abschluss der Arbeiten soll die Fläche als Bodendenkmal eingetragen werden. »Aber die künftige landwirtschaftliche Nutzung wird das nicht beeinflussen«, erklärt Spiong. Ein Bagger soll das Areal dann wieder mit Erde verfüllen.

Öffentliche Führungen

Die Forscher präsentieren am Sonntag, 8. September, beim Tag des offenen Denkmals vor Ort ihre Ergebnisse. Um 11 und um 15 Uhr sind öffentliche Führungen. Zufahrt über Eissen: Vom Schönthaler Weg geht es nach rechts auf den Mühlenweg. Die Grabungsstätte liegt am Ende der Straße. Auch eine Zufahrt über die K 37 ist möglich.

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