Belgische Schüler bereiten sich in Schloss Willebadessen auf ein Hilfsprojekt vor 15 Tage mit den »Unberührbaren«

Willebadessen (WB). In der Mitte einer zweijährigen Vorbereitungszeit auf einen humanitären Einsatz in der südindischen Stadt Puducherry befinden sich derzeit 16 Schülerinnen und Schüler des Colleges du Sartay aus Chaudfontaine-Embourg in Belgien, die jetzt im Schloss Willebadessen zu Gast waren. Im kommenden Februar starten sie zu ihrem Aufenthalt auf dem indischen Subkontinent.

Von Verena Schäfers-Michels
16 Schüler des College du Sartay aus Chaudfontaine-Embourg in Belgien bereiten sich derzeit auf ein humanitäres Projekt in Indien vor. Sie waren zu Gast im Schloss Willebadessen, das Konstantin von Wrede (oben 3. von links) seiner Schwester Philippine della Faille (oben links mit rotem Schal) zur Verfügung gestellt hatte. ­
16 Schüler des College du Sartay aus Chaudfontaine-Embourg in Belgien bereiten sich derzeit auf ein humanitäres Projekt in Indien vor. Sie waren zu Gast im Schloss Willebadessen, das Konstantin von Wrede (oben 3. von links) seiner Schwester Philippine della Faille (oben links mit rotem Schal) zur Verfügung gestellt hatte. ­ Foto: Verena Schäfers-Michels

Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt unter einer Plane in der Nähe des Viadukts zu zelten, hört sich nur bedingt nach Spaß an. Aber den jungen Belgiern aus Chaudfontaine-Embourg ging es auch nicht um Spaß. Was ihnen in zehn Monaten bevorsteht, wird sie weitaus größere körperliche und seelische Kraft kosten.

Schulung sozialer Kompetenzen

Teambildung und die Schulung sozialer Kompetenzen standen bei ihrem Besuch in Willebadessen im Vordergrund. Sie hörten Vorträge, unternahmen Wanderungen und übten sich im Bogenschießen. Die Idee, die Egge für die Exkursion zu nutzen, hatte die Belgierin Philippine della Faille, geborene von Wrede, die in Willebadessen geboren und aufgewachsen ist.

Zu diesem Anlass stellte ihr Bruder Konstantin von Wrede gern das Schloss Willebadessen zur Verfügung. »Ich trete dafür ein, die mehr als 850-jährige Tradition des Schlosses in einer modernen und zeitgemäßen Interpretation fortzusetzen und den Ort durch das Schloss wieder zu beleben«, so von Wrede.

Leben mit der untersten Kaste der indischen Gesellschaft

Das Projekt »Inde Sartay« bietet jungen belgischen Schülern zwischen 16 und 17 Jahren die Möglichkeit, zu einem authentischen Erlebnis. 15 Tage leben sie als Volontäre mit der untersten Kaste der indischen Gesellschaft, den Unberührbaren, zusammen. Das sind Prostituierte, AIDS-, Tuberkulose- und Leprakranke.

Sie betreuen aber auch Waisenkinder und Kleinkinder, die von ihren Eltern nicht versorgt werden können. Während ihres Aufenthalts kümmern sich die Mädchen und Jungen um die Babys, wickeln und füttern sie, aber sie arbeiten auch bei großer Hitze auf den Feldern mit und helfen allgemein dort, wo die Not groß ist.

In einer Dokumentation zeigte Lehrer David Lemoine im Saal des Schlosses Willebadessen, welche Aufgaben die jungen Menschen zu bewältigen haben. Seit zehn Jahren betreut Lemoine seine Schüler beim Projet »Inde Sartay«.

»Sehr viele junge Leute wollen an dem Projekt teilnehmen, aber es gibt nur 16 Plätze. Diese werden nach einem Punkteverfahren vergeben«, weiß Philippine della Faille, deren Töchter vor drei Jahren selbst nach Puducherry, französisch Pondichéry, reisten. Damals fing auch die Mutter Feuer. »Ich werde dieses Projekt auch weiterhin unterstützen und habe schon mehrere Ideen, Aktionen ins Leben zu rufen«, sagt sie.

Vorbereitung dauert zwei Jahre

Innerhalb der zwei Jahre dauernden Vorbereitungszeit müssen die Jugendlichen verschiedene Fähigkeiten wie Opferbereitschaft, Kreativität und Durchhaltevermögen entwickeln. Zudem ist die Organisation von Events wie Fotoausstellungen, Konzerten, Festivitäten aller Art wichtig, um Geld zu sammeln.

55 000 Euro konnten 2016 als Scheck für spezifische Projekte gesammelt werden, eine doppelt so hohe Summe wie im Jahr 2014. Zurzeit sind bereits 35 000 Euro im Topf.

Das Volontariat in Puducherry wurde vor mehr als 50 Jahren von der Belgierin Madeleine Hermant de Blic aus Lüttich gegründet, die im Alter von 20 Jahren Indien besuchte, ein Hilfsprojekt gründete und noch heute in Indien lebt.

Not der Menschen lindern

Das Volontariat der Schüler ist auf vielen Bereichen in der Region in und um die 240 000-Einwohnerstadt tätig. Ziel ist, die Not der Menschen zu lindern, die in großer physischer, psychischer, ökonomischer und sozialer Armut leben. So wurden ein Hof für Waisen und eine Webwerkstatt für geheilte Leprakranke eingerichtet.

Zudem wurde ein Dorf für misshandelte Frauen errichtet, in dem sie mit ihnen zugewiesenen Waisenkindern in einem familienähnlichen Milieu leben. Auch Straßenkinder werden aufgenommen. Weiteres Ziel des Hilfsprojektes ist es, armen Kindern eine Schulausbildung zu ermöglichen.

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