Warburger Verein für Geschichte und Denkmalschutz kürt mit der Villa Berg das Denkmal des Monats
Nur das Baby überlebte die Nazi-Zeit

Warburg -

Der Warburger Verein für Geschichte und Denkmalschutz hat das Denkmal des Monats März gekürt: die Villa Berg an der Kasseler Straße 26.

Donnerstag, 04.03.2021, 23:56 Uhr aktualisiert: 05.03.2021, 00:00 Uhr
Die Villa Berg an der Kasseler Straße 26 in Warburg hat eine wechselvolle Geschichte. Der Warburger Verein für Geschichte und Denkmalschutz hat sie zum „Denkmal des Monats“ erklärt. Foto: Jürgen Vahle

 

Anfang des Jahres hatte der Vorstand seine Mitglieder und Interessierte darum gebeten, mögliche Gebäude für die Bewertung vorzuschlagen. Nach dem Glockengießerhaus im Januar fiel das Votum für Februar auf die Burgkapelle auf dem Burgfriedhof mit der romanischen Krypta.

Die Villa Berg wurde vom Vorstand vor dem Hintergrund der Landesinitiative „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ gekürt. Es handele sich um eine in Formen des späten Jugendstils errichtete Villa aus der Zeit um 1910. Das Haus sei eine anspruchsvolle, romantische Mischung aus englischem Landhausstil, belgischem Art Nou­veau und deutscher Reformarchitektur. Eine hohe Detailqualität zeichne das Gebäude aus.

Assimilierte jüdische Kaufmannsfamilien

„Bauherren und erste Bewohner des Hauses waren der damals 31-jährige Kaufmann Hugo Berg und seine vier Jahre jüngere Frau Mary Berg geb. May, die beide aus assimilierten jüdischen Kaufmannsfamilien stammten. Hugo Berg war Juniorchef im von seinen Eltern Max Berg und Fanny Block gegründeten Modekaufhauses ‚Block & Berg‘ am heutigen Gebrüder-Warburg-Platz“, erklärt der Warburger Verein für Geschichte und Denkmalschutz in einer Pressemitteilung.

Die Familie habe über beste Beziehungen zu den Betreibern einiger der bekanntesten Modekaufhäuser Europas verfügt. Sie alle hätten zudem auch westfälische Wurzeln gehabt. Zwei Kinder habe das Paar bekommen: Am 7. Oktober 1911 Richard Werner und am 20. August 1914 Berta Lilly, die in dem Hause mit seinem großen, bis an den Warburger Mühlengraben reichenden Hang-Garten aufgewachsen seien.

Antisemitismus auch in Warburg

„Doch nur wenig später machte der Erste Weltkrieg, zu dem auch Hugo Berg als Kavallerist eingezogen wurde, dem europäischem Aufbruch ein Ende“, schreibt der Verein weiter. „Es folgten die wirtschaftlich schwieri­gen Zeiten der 20er-Jahre mit politischen Unruhen, Reparationslasten, Inflation, Arbeitslosigkeit und dem Er­starken von Nationalsozialismus und Antisemitismus auch in Warburg.“

1925 habe der Landwarenhandel der Eltern von Mary Berg Insolvenz anmelden müssen. 1934 sei die Villa dann für 17.500 Reichsmark an den stellvertretenden Warburger Amtsarzt Walter Cerwionka verkauft worden. Im Jahr 1936 sei das Kaufhaus Block & Berg an die Gebrüder Schnorbus aus Hallenberg verkauft worden. Im Folgejahr sei Hugos Cousin und Mitgeschäftsführer Karl Block über Mailand nach Peru ausgewandert.

Am 29. März 1939 hätten auch Hugo und Mary Berg mit den Kindern ihre Heimatstadt Warburg verlassen. Das Ziel: Amsterdam. Vor den Nazis rettete sie dieser Schritt aber nicht, erklärt der Verein: Richard Werner sei am 30. September 1942 in Auschwitz gestorben.

Harry Davids lebt heute in Los Angeles

Berta Lilly hatte 1941 den deutschen Flüchtling Alfred Davids geheiratet und mit ihm den Sohn Harry bekommen. Alfred und Lilly starben am 2. April 1943 im Vernichtungslager Sobibor. Hugo Berg starb am 24. August 1943 im Durchgangslager Wes­terbork. Seine Frau Mary Berg starb am 14. Oktober 1944 im KZ Auschwitz.

Nur Baby Harry Davids überlebte. Heute lebt er in Los Angeles, arbeitet ehrenamtlich für das „Los Angeles Museum of the Holocaust“ und hat einige Videos und ein Zoom-Webinar zu seiner Famili­engeschichte produziert, schildert der Warburger Verein für Geschichte und Denkmalschutz.

Nach 1934 habe die Villa Berg mehrfach den Eigentümer gewechselt. Sie sei ab den 1980er-Jahren schrittweise in Zusammenarbeit mit den Denkmalschutzbehörden saniert worden.

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