„Cineplex“ bereitet sich auf das Autokino vor – „Central“ hat in die Technik investiert
Alarmstufe Rot in den Kinos

Warburg/Borgentreich -

Die Zeichen stehen auf Alarmstufe Rot. Seit Anfang November dürfen die Kinos in Deutschland coronabedingt nicht öffnen. Mit der Aktion „Das Kino leuchtet für dich“ haben die Betreiber am Sonntag bundesweit das Scheinwerferlicht auf sich selbst gerichtet.

Montag, 01.03.2021, 19:00 Uhr aktualisiert: 02.03.2021, 13:54 Uhr
Das „Cineplex“ ist am Sonntag signalrot angestrahlt worden. In Warburg und in Borgentreich wurde mit der Aktion auf die Situation der Foto: Jürgen Vahle

Mit dabei waren auch das „Cineplex“ der Familie Schlinker in Warburg und das „Central“ der Familie Dohmann in Borgentreich. Mit rotem Scheinwerferlicht strahlten sie die Gebäude an und machten auf ihre Notlage im derzeitigen Lockdown aufmerksam.

Sie hoffen auf eine sichere Wiedereröffnung (von links) Dr. Heribert und Judith Schlinker sowie Bürgermeister Tobias Scherf.

Sie hoffen auf eine sichere Wiedereröffnung (von links) Dr. Heribert und Judith Schlinker sowie Bürgermeister Tobias Scherf. Foto: Jürgen Vahle

Dr. Heribert Schlinker, Seniorchef des Warburger Kinos, kann nur mit dem Kopf schütteln. So lange wie in der Corona-Krise war das Kino in Warburg nicht einmal im Zweiten Weltkrieg geschlossen. „Die Amerikaner hatten unsere alte Spielstätte in der Stadt für drei Monate besetzt. Aber da liefen zumindest englischsprachige Filme für die Soldaten.“ Dr. Schlinker hält die Maßnahmen für überzogen und verweist auf die Hygienekonzepte in den Kinos. „Wir können zwischen den Besuchern mehrere Reihen freilassen. Das ist kein Problem.“

Junior-Chefin Judith Schlinker richtet den Blick nach vorne. Sie ist zuversichtlich, dass der Betrieb sicher mit dem „tollen Hygienekonzept“ wieder aufgenommen werden könnte. Sobald das Wetter wärmer wird, soll – wie bereits im ersten Lockdown im März und April 2020 – das Autokino in Betrieb gehen. „Das wollen wir relativ kurzfristig umsetzen“, berichtet sie.

Derzeit befinden sich drei feste Mitarbeiter und 15 450-Euro-Kräfte des „Cineplex“ in der Warteschleife. Und selbst nach einer teilweisen Öffnung werde es noch lange dauern, bis das Kino wieder das ist, was es einmal war. Denn es fehlten derzeit auch neue Filme. Ein paar deutsche und internationale Produktionen seien aber in der Warteschleife. Darauf setzt auch die Familie Schlinker.

Bundesweit einheitliche Öffnung ist wichtig

Für 2021 hat die Branche Filme wie den neuen James Bond, „Monster Hunter“ mit Milla Jovovich, Top Gun 2 mit Tom Cruise oder Matrix 4 angekündigt. Es sei dafür aber eine bundesweit einheitliche Öffnung der Kinos wichtig, sagt Judith Schlinker.

Sollte das Kino wieder starten können, will auch die Stadt Warburg „helfen, so gut es geht“, machte Bürgermeister Tobias Scherf deutlich. Auch er hoffe, dass durch eine Kombination aus Impfen, Schnelltests und Hygienemaßnahmen Kinos eine Perspektive bekämen. „Davon hängt nicht nur viel für die Familie Schlinker, sondern auch für die Stadt ab“, machte Scherf auf die Wichtigkeit der Kultureinrichtung Kino aufmerksam.

Wollen nicht mehr „nur“ Popcorn am Kinofenster verkaufen: Rolf und Maria Dohmann aus Borgentreich.

Wollen nicht mehr „nur“ Popcorn am Kinofenster verkaufen: Rolf und Maria Dohmann aus Borgentreich. Foto: Silvia Schonheim

In Borgentreich rollte Familie Dohmann am Sonntagabend für die Aktion sogar den roten Teppich aus und schmiss die Popcorn-Maschine an. Veranstaltungstechniker Pascal Bannenberg brachte das Kino zum Leuchten. Kino sei mehr als Filmkonsum. „Wir wollen endlich wieder für die Menschen da sein“, sagt Rolf Dohmann, Inhaber des „Central“. „Wir können das nicht länger aushalten. Seit vier Monaten ist das Kino geschlossen.“

Dabei könne das „Central“ seinen Zuschauern ein sicheres Filmerlebnis bieten. Rolf Dohmann: „In den Sälen können wir bis zu 70 Prozent Frischluft pro Stunde zuführen. Seit mehr als 20 Jahren gibt es bei uns eine virenabsorbierende Filtertechnik. Die Räume sind sechs Meter hoch.“

Unter #kinoliebe wollen die Kinos derzeit zeigen, dass sie sehnsüchtig auf ihre Zuschauer warten. Am Sonntagabend durften sich Besucher, unter ihnen auch Bürgermeister Nicolas Aisch, im Kino 3 in Borgentreich bereits Trailer von „James Bond“ und „Ostwind“ anschauen. Jeweils ein Hausstand konnte den Saal gemeinsam nutzen.

Viel Geld in 4K-Laserprojektoren investiert

Die Zuschauer dürfen sich in Borgentreich nach der Wiedereröffnung auf eine neue Filmqualität freuen. „Wir müssen besser sein als das Heimkino“, so Rolf Dohmann. „Deshalb haben wir mit Hilfe der Filmstiftung NRW und dem Zukunftsprogramm Kino der Filmförderanstalt investiert.“ Nutzen konnte Familie Dohmann die 4K-Laserprojektoren allerdings noch nicht, bedauert der Inhaber. „Am 1. November mussten wir schließen, am 8. November wurde die neue Technik installiert.“

Mit der Teilnahme an der Aktion „Das Kino leuchtet für dich“ möchte Familie Dohmann zeigen, dass sie startklar ist, wenn es wieder losgeht. Wie alle Kinobetreiber fordert auch Rolf Dohmann von der Politik eine verlässliche Wiedereröffnungsperspektive: „Die Kinos sind mit ihren erprobten Hygienekonzepten sehr sichere Orte.“

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