Schüler und Schulleiter berichten über ihre Erfahrungen und Eindrücke zum Thema: Abschluss im Corona-Jahr
Tablet statt Tafel

Warburg -

Corona macht alles komplizierter. Auch für Schüler ist es eine harte Zeit, vor allem für jene, die in diesem Jahr vor ihrem Abschluss stehen. Doch sowohl Schüler als auch Schulleiter lassen sich von der Situation nicht entmutigen.

Mittwoch, 17.02.2021, 05:01 Uhr aktualisiert: 17.02.2021, 05:10 Uhr
Timo Rohpeter, ehemaliger Schülersprecher am Warburger Gymnasium Marianum, macht in diesem Jahr Abitur. Trotz erschwerter Bedingungen fühlt sich der 17-Jährige gut vorbereitet. Im Gegensatz zum ersten Lockdown laufe der digitale Unterricht fast reibungslos „Wir sind alle technisch versiert genug, um auch diese Hürden zu meistern, ganz nach dem Motto: Es gibt keine Probleme, sondern nur Lösungen.“ Foto: Privat

So wie Timo Rohpeter, ehemaliger Schülersprecher am Gymnasium Marianum. Der 17-Jährige macht in diesem Jahr Abitur und fühlt sich – trotz erschwerter Bedingungen – gut vorbereitet. „Im Gegensatz zum ersten Lockdown läuft der digitale Unterricht fast problemlos“, berichtet der Schüler.

Bis zu acht Stunden am Tag hätten die Schüler Unterricht. Dadurch, dass kaum Unterricht ausfalle, liege man gut im vorgegebenen Lehrplan. Und auch die technischen Voraussetzungen hätten sich dank Glasfaser erheblich verbessert. „Allerdings scheinen wir hier in Warburg echt Glück zu haben, denn ich habe gehört, dass es von Schule zu Schule große Unterschiede gibt“, erzählt er.

Anstatt Nachteile sieht Timo Rohpeter eher die Vorteile des Distanzlernens. „Wir mussten in kurzer Zeit deutlich selbstständiger werden und wissen jetzt, wie Onlinekonferenzen laufen oder welche Tools verwendet werden“, sagt der 17-Jährige, der nach seinem Abitur zunächst eine Ausbildung zum Industriemechaniker bei der Deutschen Bahn machen will. Einen Wer­muts­trop­fen gibt es für ihn allerdings. „Dass die Abifeiern und auch die 18. Geburtstage nicht groß gefeiert werden könnten, sei sehr traurig, aber es ist sinnvoll“.

Das bedauert auch Nathalie Fritze, Jahrgangsstufensprecherin am Hüffertgymnasium. „Keine Schulausflüge, Abschlussfahrten, Abi­party oder Abiball. Dabei sind das ja alles Dinge, auf die man sich nach zwölf Jahren Schule freut und an die man sich später erinnert“, erzählt die 17-Jährige. Auch bei der Planung von Alternativen seien den Schülern die Hände gebunden, weil nicht vorhersehbar wäre, wie sich die Pandemie entwickle. Sorge, dass ihr Abitur in diesem Jahr weniger wert wäre, habe sie nicht. Im Gegenteil.

„Ich denke, dass unser Abitur sogar mehr wert ist, da von uns viel mehr Selbstorganisation gefragt ist und die Abi-Klausuren gleich bleiben“, betont sie. Allerdings sieht Nathalie Fritze die Situation bei den Abiturienten auch kritisch. Mit der geforderten Selbstinitiative kämen einige ihrer Mitschüler besser zurecht, andere schlechter. Und auch bei den Lehrern gäbe es Unterschiede. „Die werden aber von Woche zu Woche fitter, vor allem was die Technik anbelangt“, fügt sie schmunzelnd hinzu.

Diese Auffassung teilt auch Susanne Krekeler, Schulleiterin des Hüffertgymnasiums. „Unsere Schule ist digital gut aufgestellt. Alle Schüler haben Zugang zum Office-Paket, und der Unterricht klappt reibungslos“, schildert sie ihre Erfahrungen der vergangenen Wochen. Eine große Herausforderung sei in den mündlichen Videokonferenzen aber, dass die Lehrer darauf achten müssen, dass auch jeder zu Wort kommt. Da sei große Sorgfalt gefragt. Außerdem rät sie Schülern, von den Lehrern zeitnah eine Leistungsrückmeldung anzufordern, um sich selbst einschätzen zu können.

Wie im vergangenen Jahr werden die 106 Abiturienten ihre Abiturklausuren im Pädagogischen Zentrum schreiben, da dort der Abstand und das Lüften der Räumlichkeiten gewährleistet werden kann. Damit sich die Schüler an die Umgebung gewöhnen, werden auch die Vorabiklausuren dort stattfinden. Anders als üblich endet der Unterricht auch nicht mit Beginn der Osterferien. Damit die Schüler in ihren vier Abiturfächern noch unterrichtet werden können, beginnen die Abiturprüfungen erst am 23. April.

Außerdem hat das Land NRW aufgrund der Schulschließungen im Frühjahr und des bis zu den Sommerferien reduzierten Präsenzunterrichts entschieden, die Vorgaben für die zentralen schriftlichen Abiturprüfungen zu ändern und den Schülern eine größere Auswahl an Aufgaben zu bieten. „Dadurch ist das Abitur in diesem Jahr aber nicht weniger wert. Diese Schülergeneration ist sehr viel selbstständiger und musste große Herausforderungen bewältigen“, betont Susanne Krekeler. Außerdem hätten die Schüler in den vergangenen Monaten bereits mit Tools gearbeitet, die im Studium und in der Wirtschaft gefragt seien.

Auch Hartmut Peter, Schulleiter des Theresia­Gerhardinger-Berufskollegs ist davon überzeugt, dass seine 120 Schüler gut auf das Berufsleben vorbereitet sind. „Wir haben unsere Schüler mit unseren digitalen Formaten auch während ihrer Berufspraktika unterstützt, um eine qualitativ gute Anleitung zu gewährleisten“, erklärt er. Während der Zeit des Präsenzunterrichts habe die Schule im Schichtbetrieb gearbeitet.

Ein Teil der Schüler sei vormittags unterrichtet worden, der andere nachmittags bis 18 Uhr. Auch, wenn der Praxisanteil der jetzigen Berufskolleg-Abgänger geringer sei, ist Hartmut Peter zuversichtlich, dass sie ihren Weg gehen werden. „Der Bedarf im heilpädagogischen Bereich ist groß, und Menschen, die sich für einen sozialen Beruf entschieden haben, sind von sich aus sehr motiviert“, schildert er seine Erfahrungen.

„Da die Abschlussprüfungen ganz normal stattfinden und eine qualifizierte Notengebung möglich ist, sind die Zeugnisse gleichwertig“, sagt Claudia Güthoff, Leiterin der Sekundarschule Warburg mit Teilstandort Borgentreich. Zwar hätten die für Sekundarschüler so wichtigen Berufspraktika auf die Zeit vor den Herbstferien verschoben werden müssen. Zudem hätten sie in verkürzter Form stattgefunden.

Dennoch habe trotz Corona für alle jetzigen Zehntklässler ein Praktikumsplatz gefunden werden können. Nicht zuletzt deswegen ist sich Claudia Güthoff sicher, dass die zukünftigen Arbeitgeber die 104 Schüler, die in Warburg ihren Abschluss machen werden, und die 48 Schüler aus Borgentreich mit offenen Armen empfangen werden.

Dieser Meinung ist auch Jürgen Behlke, Geschäftsführer und Leiter der Zweigstelle Paderborn und Höxter der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen. „Die Arbeitgeber hegen keine Zweifel an den Abschlüssen, da die Anforderungen der bundeseinheitlichen Prüfungen identisch in den Anforderungen sind“, betont er. Der Ausbildungsanteil in den Unternehmen habe viel Kreativität gefordert, besonders in Branchen wie der Gastronomie. Dennoch gäbe es keinen Grund, schwarz zu malen.

„Natürlich ersetzen digitale Informationen ein Praktikum nicht, aber es lohnt sich, auf den entsprechenden Plattformen mal genauer hinzugucken“, weiß Jürgen Behlke. Er rät Berufsanfängern, die momentan nicht die klassischen Wege gehen können, sich online auf www.connectausbildungsmesse.de oder www.step1ausbildungsmesse.de zu informieren. Dort würden etwa Workshops zu verschiedenen Berufen angeboten und es gebe Beratungsangebote – für Schüler, aber auch für Eltern.

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