„Ein Bild – und seine Geschichte“: Mit Kunstlehrer Gottfried Beyer ging es zum Haus Thöne
Zeichenstunde in der Mittelstraße

Warburg -

In den Jahresberichten des Warburger Gymnasiums heißt es wiederholt über den Zeichenunterricht, er habe bei gutem Wetter im Freien vor den Bau- und Kunstdenkmälern der Stadt stattgefunden. Bei einer dieser Unterrichtsstunden entstand dieses Foto, das Thema in der nächsten Folge unserer Serie „Ein Bild – und seine Geschichte“ ist.

Freitag, 05.02.2021, 22:07 Uhr aktualisiert: 05.02.2021, 22:10 Uhr
Warburger Gymnasiasten in einer Zeichenstundenpause vor dem Haus Thöne in den 1920er-Jahren. Foto: Stadtarchiv Warburg

Das Foto wurde an der damaligen Mittelstraße in der Neustadt, der heutigen Josef-Wirmer-Straße, vor dem Haus Nummer 28 aufgenommen. Der Zeichenlehrer Gottfried Beyer steht rechts, links stehen vermutlich die Eigentümer des Hauses, das Ehepaar Temme. In der vorderen Reihe in der Mitte ist zwischen den Schülern ein kleiner Junge zu erkennen, der sich wohl die Gelegenheit, fotografiert zu werden, nicht entgehen lassen wollte und sich den 32 Gymnasiasten zugesellt hat.

Die Aufnahme ist als Ansichtskarte überliefert, der Druck dürfte wohl auf Initiative des Lehrers entstanden sein. Das Entstehungsjahr des Fotos lässt sich nicht eindeutig ermitteln, anhand der Kleidung darf man aber auf die zwanziger Jahre schließen: Die Schüler tragen zum Teil noch den so beliebten Matrosenanzug.

Aus England stammend, hatte ihn in Deutschland zuerst der spätere Kaiser Wilhelm II. getragen. Nicht zuletzt dadurch wurde er vor allem in bürgerlichen Kreisen sehr beliebt und „signalisierte deren elitär-nationales Bewusstsein“. Erst in der NS-Zeit wurde er von offizieller Seite als „bürgerlich-dekadent“ abgelehnt.

An den Schülermützen kann man die Jungen als Gymnasiasten erkennen. Das Schuhwerk ist fest, die Hosen reichen bis zum Knie, die meisten tragen lange Strümpfe.

Der Zeichenlehrer Gottfried Beyer (1889 Coesfeld – 1968 Warburg) hatte 1920 seinen Dienst in Warburg angetreten. Außer am Gymnasium unterrichtete er auch an der Höheren Töchterschule, dem heutigen Hüffertgymnasium. 1936 wurde Gottfried Beyer vorzeitig pensioniert.

Die Stadt Warburg und ihr Umland waren ihm in den langen Jahren seines weiteren künstlerischen Schaffens immer wieder Motiv für Ölgemälde und Zeichnungen. Von Haus Thöne war er so beeindruckt, dass er es mehrfach gezeichnet hat, auch schon, als das Haus längst verschwunden war.

Nicht ohne Grund hatte sich Gottfried Beyer mit seinen Schülern auf den Weg zu diesem Haus gemacht. Die Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Warburg, die 1939 erschienene Bilanz der kunst- und baugeschichtlichen Kostbarkeiten der Region, zählt dieses Haus aus dem 16. Jahrhundert zu den bedeutendsten Bürgerhäusern der alten Hansestadt. Hinter der ursprünglich rundbogigen Einfahrt öffnete sich eine zwei Geschosse hohe Deele. An der linken Hausseite schloss sich ein großes tonnengewölbtes Steinwerk an. Zeittypisch war der Fachwerkschmuck: Fächerrosetten, Perlschnüre und geschnitzte Füllbretter. Ein Teil dieses Schmucks ist auf dem Foto deutlich zu erkennen.

Die Inschrift über der Einfahrt nannte das Erbauungsjahr und den Bauherrn: 1578 ließ es ein Mitglied der Familie Thöne errichten. Hier wurde am 7. März 1693 als Sohn eines Schmiedes Johann Heinrich Krumpipe geboren. Er starb, wohlhabend, hochgeehrt und in den Adelsstand erhoben, am 21. Mai 1769 als Staatsrat der österreichischen Niederlande in Brüssel.

Beim Einmarsch amerikanischer Truppen am 31. März 1945 geriet das Haus in Brand. Auch einige weitere Häuser in der Nachbarschaft waren betroffen, so das Haus des Kaufmanns Fischer gegenüber am Rotthof, das Haus Otte (Rotthof 20), das Haus des Malermeisters Hartmann an der Verbindungsgasse zwischen Josef-Wirmer-Straße und Hauptstraße und die Häuser des Friseurs Schmidt (Hauptstraße 83) und des Gastwirt Koppenberg (Hauptstraße 87). Seit 1952 steht anstelle des Hauses Thöne ein von dem Warburger Architekten Martin Rose entworfener Neubau, in dem die AOK untergebracht ist

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