Nach ihrer Hochzeit in Ghana leben Patricia und Jürgen Becker glücklich vereint in Menne
Wenn Liebe keine Grenzen kennt

Warburg-Menne -

Die Geschichte von Patricia und Jürgen Becker klingt wie ein modernes Märchen. Mit einem schönen Happy End. Dass die beiden wie selbstverständlich jeden Morgen am Frühstückstisch in ihrer Wohnung in Menne sitzen können, sich in die Arme schließen und ihre gemeinsame Zukunft planen können, war lange ungewiss. Nicht nur 7000 Kilometer lagen zwischen ihnen, sondern auch die Bürokratie.

Sonntag, 10.01.2021, 20:41 Uhr aktualisiert: 11.01.2021, 13:52 Uhr
Bei ihrer Hochzeit im März 2019 in Ghanas Hauptstadt Accra tragen Patricia und Jürgen Becker traditionelle Kleidung. Foto: Alice Koch

Kennengelernt haben sich Jürgen Becker und Patricia Afia, damals noch Kumi, die in Ghanas Hauptstadt Accra lebte, Anfang 2018 über das Internet. Und es hat sofort gefunkt. „Wir haben uns E-Mails geschrieben, Fotos geschickt und jeden Tag per Videotelefonie Kontakt gehabt“, erinnert sich der 55-Jährige. Schnell war klar: „Wir wollen uns sehen.“

Nachdem alle Formalitäten erledigt und ein Einreisevisum beantragt waren, war es am 8. März 2019 endlich soweit: Jürgen Becker reiste von Frankfurt nach Ghana. Nach einem zehnstündigen Flug mit einem Zwischenstopp in Lissabon näherte sich endlich der Moment, auf den beide so lange gewartet hatten. Ein Moment, an den sich Jürgen Becker noch ganz genau erinnert: „Als ich Patricia am Flughafen gesehen habe, dachte ich sofort: Was für eine tolle, schöne Frau. Es war Liebe auf den ersten Blick.“

Sie fühlte genauso, und schnell fiel das Wort „Hochzeit“. Und so heiratete das Paar – keine sieben Tage nach Jürgen Beckers Ankunft in Ghana – am 14. März, erst im Familienkreis auf einheimische Art und anschließend im Standesamt in Accra.

In den darauffolgenden Tagen lernte Jürgen Becker Patricias Heimat kennen. „Ich war sofort fasziniert von Ghana, von den Menschen, der Kultur und von der einheimischen Küche“, erzählt er. Die Trennung fiel schwer, aber Jürgen Becker, der als Zollbeamter in Paderborn arbeitet, musste zunächst zurück nach Deutschland. Dort angekommen, staunte seine Familie nicht schlecht, denn Jürgen Becker hatte weder erzählt, dass er via Internet eine Frau kennengelernt hatte, noch dass er heiraten würde. „Meiner Familie habe ich nur gesagt, dass ich in den Urlaub fliege. Als ich als verheirateter Mann nach Hause gekommen bin, sind sie fast aus allen Wolken gefallen“, erzählt er schmunzelnd. „Aber wir haben uns kennen und lieben gelernt, und so dachte ich mir: Jetzt oder nie.“

Im Juli 2019 reiste er erneut nach Ghana, und schnell war klar: Patricia zieht zu ihm nach Deutschland. Es folgten einige Hürden der Bürokratie: Dokumente mussten eingereicht, Formalitäten wie der Steuerklassenwechsel erledigt werden, und Patricia musste den A1-Sprachtest absolvieren.

„Durch Corona hat sich das alles noch einmal verzögert“, sagt der Menner, der froh ist, dass nun alles geregelt ist. Seit September vergangenen Jahres wohnt das frisch vermählte Ehepaar in der gemeinsamen Wohnung in Menne, seit Dezember ist auch ihre Ehe in das deutsche Eheregister eingetragen.

Doch Corona behindert Patricia und Jürgen Becker nach wie in ihren Plänen. Aufgrund der Pandemie kann die 30-Jährige keinen Integrationskurs besuchen. Ein Problem, denn die Sprache ist „die größte Herausforderung“, sagt Jürgen Becker, der sich mit seiner Frau auf Englisch verständigt. „Natürlich vermisse ich manchmal meine Familie in meiner Heimat, aber am meisten fehlt es mir zu arbeiten“, sagt Patricia Becker, die in Ghana als Erzieherin in einer Kindertagesstätte beschäftigt war. Auch in Deutschland möchte sie gerne wieder mit Kindern arbeiten, aber bis sie die Sprache gut genug kann, könnte sie sich auch andere Jobs vorstellen.

Was sie ebenfalls sehr vermisst, ist ihr Kirchenchor in ihrer Heimat. „Die Gottesdienste in Deutschland sind mit denen in Ghana nicht zu vergleichen. Dort wird laut gesungen und viel getanzt“, erzählt Patricia Becker. Gerne würde sie sich einem Gospelchor in der Region anschließen, aber das ist coronabedingt derzeit nicht möglich. Zu Glück gibt es eine große Leidenschaft, die Patricia und Jürgen Becker, der in Sportlerkreisen unter dem Namen „La Boe“ bekannt ist, verbindet: Fußball. Als bekannter Radfahrer, Langstreckenläufer, Tennisfan, Fußballspieler und -Trainer der E-Jugend in Menne trifft es sich gut, dass auch seine Frau begeisterte Fußballspielerin ist. „Wir haben schon gemeinsam gekickt, und ich habe ihr natürlich schon ein paar Sehenswürdigkeiten wie den Desenberg und den Diemelsee gezeigt“, erzählt Jürgen Becker.

Im Gegenzug möchte er zumindest die Grundlagen in ihrer Heimatsprache Twi lernen, um sich bei Besuchen in Patricias Heimat ein bisschen verständigen zu können. Diese sind fest geplant, sobald es wieder möglich ist, ebenso wie ein großes Willkommensfest für Patricia in ihrer neuen Heimat. Jürgen Becker kann sich sogar vorstellen, nach seiner Pensionierung mit seiner Frau nach Ghana zu ziehen, auch Kinder sind nicht ausgeschlossen.

„Vielleicht halten uns mache für ein wenig verrückt, aber was solls. Wir sind glücklich.“

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