Förster helfen Wald von Warburg-Hardehausen nach den Krisen auf die Sprünge – 20 Hektar Fläche bearbeitet
13,6 Tonnen Eicheln per Hand gesät

Warburg -

Eine Pflanzaktion dieser Größe hat Förster Oliver Sielhorst noch nicht erlebt: In seinem Revier, dem Wald von Warburg-Hardehausen, wurden 13,6 Tonnen Eicheln eingesammelt und auf Brachflächen eingesetzt. Die Experten wollen dem Forst nach Hitze, Käfern und Trockenheit weiterhelfen.

Samstag, 09.01.2021, 05:48 Uhr aktualisiert: 09.01.2021, 07:32 Uhr
Die Forstwirt-Azubis Anton Weltken (links) und Louis Kloke zeigen, wie es geht: Ein Arbeiter zieht eine Furche, dort setzt ein Kollege die Eicheln ein. Foto: Oliver Sielhorst

Die Eicheln wurden auf zwei Flächen eingesät, die insgesamt 20 Hektar groß sind. Die Brachen liegen in der Nähe des alten Forsthauses Mittelwald. „Irgendwas wächst auf kahlen Flächen immer. Dort entsteht auch wieder Wald“, erklärt Sielhorst. Vor allem wäre aber wohl die Birke wiedergekommen – und die sturm- und käfergeplagte Fichte.

Langfristig wollte der Förster aber einen breit aufgestellten Mischwald haben. Denn der kommt etwa mit Wetterextremen besser klar als eine Monokultur. Das hat das Fichtensterben der letzten Zeit deutlich gemacht. „Wir hoffen, der Natur so einen Schub in eine Richtung geben zu können.“

--- Eicheln sturmresistenter ---

Eichen kämen mit Trockenheit gut klar. Durch ihre langen Pfahlwurzeln seien sie zudem deutlich sturmresistenter als Fichten, die flach wurzeln. „Die Kippen bei Sturm reihenweise um“, erklärt Sielhorst. Obendrein sei die Eiche als robuste und heimische Baumart seit Ewigkeiten bekannt.

Da es im Hardehausener Wald viele Eichen gibt, nur eben nicht in der Nähe der Brachen, entstand die Idee, etwas nachzuhelfen. Bereits im Frühsommer rückten die Fachleute den Bäumen daher mit Armbrusten zu Leibe. Denn eine größere Eichelernte, die auch für diese Pflanzaktion ausgereicht hätte, sei nur alle zwei bis drei Jahre zu erwarten, erklärt Sielhorst. Daher habe der Fruchtansatz überprüft werden müssen.

„Nur ist der leider sehr klein und sehr weit oben in der Krone zu finden. Den kann man auch nicht mit dem Fernglas sehen“, sagt der Förster. Daher habe man einzelne Äste herunterschießen müssen. Der Aufwand lohnte sich. Die Prognose für die Ernte war gut. Das Problem: Die Eicheln mussten im Wald per Hand eingesammelt werden.

--- Maschinen scheitern ---

Das Forstamt schrieb die Arbeit aus und vergab den Auftrag. Eine Fachfirma zog daraufhin Ende Oktober mit ihren Arbeitern durch 200 Hektar Wald, um Pflanzmaterial zu sammeln. „Auf den Knien haben die gearbeitet“, erinnert sich Sielhorst. Dieselbe Firma kam danach auch beim Einpflanzen zum Zug. Eine mühsame Arbeit, die ebenfalls per Hand erledigt werden musste.

Per Hand wurden die Eicheln in vorgefertigte Furchen im Boden gelegt.

Per Hand wurden die Eicheln in vorgefertigte Furchen im Boden gelegt. Foto: Oliver Sielhorst

Schwere Maschinen konnten die Fachleute vor Ort nicht zum Säen nutzen. Auch ein Test mit einer Sämaschine und Rückepferden scheiterte. „Das klappte nicht, da auf unseren Flächen noch viele Holzreste liegen und die Böden nicht eben sind. Die Maschine kippte immer um“, schildert der Förster.

Also zogen die Arbeiter mit Eimern und Hacke in den Wald: Einer zog eine Furche in den Boden, der nächste setzte dort Eicheln ein. „Eicheln müssen tief in den Mineralboden. Sonst werden die nichts“, erklärt der Förster. Danach wurde der Boden wieder verschlossen. Vor Weihnachten war die Aktion abgeschlossen.

--- Eicheln keimen schon ---

Und nun? „Die Eicheln keimen jetzt schon wie verrückt“, freut sich Oliver Sielhorst. Gebannt wartet er darauf, wie die Flächen im Frühjahr aussehen. Dann dürften aus den ersten Eicheln schon 30 Zentimeter lange Wurzeln wachsen – wenn das Wild sie lässt. „Unsere Hoffnung ist, dass die Rehe da nicht gegen anfressen können. Im Wald sprießt es zurzeit nämlich überall. Auch sind die beiden Flächen viel zu groß, um sie einzuzäunen.“

Das Entstehen von Eichen-Monokulturen brauche indes keiner befürchten: Sielhorst rechnet damit, dass bis zum Frühjahr nur 20 Prozent der Eicheln überlebt haben. Noch deutlich weniger dürften zu größeren Bäumen heranwachsen. „Für die Eichen sind solche Flächen dennoch die Chance, da die Pflanze viel Licht benötigt. Daher war das nun die Gelegenheit.“

Im Frühjahr soll eine Zwischenbilanz gezogen werden, sagt der Förster. „Und wenn es gut gelaufen ist, dann können wir uns vorstellen, die Aktion im nächsten Herbst zu wiederholen.“

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