Als Maler Adolf Erbslöh seine Frau Adeline Erbslöh geb. Schuchard heiratete
Ein Wegbereiter der Moderne

Warburg -

2016 erschien ein Werkverzeichnis der Gemälde des Malers Adolf Erbslöh (1881-1947). In der deutschen Kunstgeschichte gilt er als Wegbereiter der Moderne. Von ihm und seiner Frau Adeline handelt die nächste Folge unserer Serie „Ein Bild – und seine Geschichte“.

Freitag, 08.01.2021, 17:53 Uhr
Am 9. Juli 1907 stellte sich das frisch getraute Ehepaar Adolf Erbslöh und Adeline Erbslöh geb. Schuchard im Park von Burg Calenberg dem Fotografen. Foto: Privatbesitz, Repro Stadtarchiv Warburg

Als Mitbegründer der „Neuen Künstlervereinigung München. V:“ gab Adolf Erbslöh entscheidende Wegweisung für den Aufbruch der modernen Kunst im 20. Jahrhundert. Unter den Hunderten von Gemälden Erbslöhs sind rund 50 Arbeiten, die Motive aus Calenberg und dem Warburger Land umsetzen. Die Beziehung des Malers, dessen Lebensmittelpunkt viele Jahre München war, zur heimischen Region ist biografisch begründet: Er war mit Adeline Schuchard verheiratet, die bis 1907 auf Burg Calenberg lebte.

Die Trauung von Adolf Erbslöh und Clara Adeline Schuchard fand in Calenberg am 9. Juli 1907 statt. Die Verlobung war bereits im Vorjahr in Calenberg gefeiert worden. Das Calenberger Heiratsregister gibt als Beruf des Bräutigams „Kunstmaler“ an. Adolf Erbslöh war am 27. Mai 1881 in New York als Sohn einer Kaufmannsfamilie geboren worden. 1887 kehrte die Familie nach Barmen zurück.

Dort war Adeline Schuchard am 7. März 1880 geboren worden. Ihre Eltern waren der Kaufmann und Unternehmer Hugo Schuchard (1825-1886) und seine Ehefrau Luise (1849-1927). 1868 hatte Hugo Schuchard die Burg Calenberg mit dem landwirtschaftlichen Betrieb gekauft. Ab 1869 ließ er Neu-Calenberg erbauen und von 1880 bis 1884 durch den Kölner Architekten Heinrich Wiethase die Reste der Burg restaurieren und zur heutigen Gestalt ausbauen. Das Ehepaar Schuchard hatte außer der späteren Frau Erbslöh noch drei weitere Kinder, Elisabeth (1873-1947), Hugo (1879-1969) und Paula (1882-1975).

Das Hochzeitsfoto zeigt die Braut in einem schlichten, hochgeschlossenen Kleid mit imponierend langer Schleppe und einem Schleier, der weit bis auf den Boden reicht. Zwei Sträußchen schmücken die Frisur und das Kleid. Erbslöh hält die Hand seiner Ehefrau. Sein Hemd unter dem Frack ist ebenso hoch geschlossen wie der Kragen des Kleides seiner Ehefrau. An der Frackjacke ist ein Sträußchen zu erkennen.

Die Speisekarte der Hochzeitsfeier im Jahre 1907 ist erhalten geblieben. Das Festmahl begann mit Kaviar. Dann folgten eine Kraftbrühe mit Markklössen, Forellen aus der Twiste mit Butter und Kartoffeln, Geflügelragout mit Champignons, Erbsen und Trüffelkotellets, Rehrücken, Salat und Kompott und zum Abschluss Eis, Früchte und Dessert.

Das junge Ehepaar nahm seinen Wohnsitz in München. Die Sommerfrische und die Weihnachtszeit verbrachten Erbslöhs immer wieder in Calenberg. Das beweisen nicht zuletzt die ab 1907 entstandenen Arbeiten mit Motiven aus dem Ort und der Umgebung. Adeline Erbslöh führte ein Tagebuch, das für die Chronologie der Werke ihres Mannes von hoher Bedeutung ist.

So entstand etwa das Landschaftsbild „Schneelandschaft“ nach Adeline Erbslöhs Aufzeichnungen am 31. Dezember 1907 in Calenberg. Und immer wieder war sie Modell für Portraitarbeiten ihres Ehemannes.

Im Juni 1909 war die erste Einzelausstellung mit Werken Erbslöhs in Barmen. Im Laufe der Zeit veränderte sich der Stil des Malers. 1931 beschrieb Erbslöh den Wandel so: „Meine künstlerische Entwicklung geht wohl vom Expressionismus über eine Periode des vom Kubismus beeinflussten strengen, fast starren Bildaufbaus zu einem neuen Naturgefühl.“

Bis 1943 stellte Erbslöh mehr als einhundert Mal allein oder zusammen mit anderen Künstlern aus. Fast ebenso hoch ist die Anzahl der posthumen Ausstellungen. Werke des Künstlers sind nicht nur in Privatbesitz, sondern auch in den Sammlungen bedeutender Museen vertreten.

Zwei unverwechselbare Motive aus dem Warburger Landes führte Erbslöh in die deutsche Kunstgeschichte ein: Den Desenberg malte er mindestens neun Mal, hinzu kommen diverse Zeichnungen und mindestens eine Lithografie, die dem Wahrzeichen gewidmet sind. Der Desenberg war das zentrale Thema der Westfalenbilder Erbslöhs.

Die Warburger Zuckerfabrik war mindestens dreimal Motiv, eine Ausführung erwarb die Yale University Art Gallery in den USA. 1937 wurde Erbslöh dann als „entarteter“ Künstler bezeichnet, sein Bild „Fabrik hinter den Bäumen“ von 1915, das die Warburger Zuckerfabrik zeigte, wurde 1937 in Düsseldorf beschlagnahmt und ist nur durch eine Schwarz-Weiß-Fotografie überliefert.

Adolf Erbslöh starb am 2. Mai 1947 in Irschenhausen im Isartal, wohin das Ehepaar 1934 übergesiedelt war. Seine Ehefrau Adeline „Addy“ starb 1974. Ihr Kontakt zur Familie in Calenberg, ihr Bruder Hugo starb 1969, ist nie abgerissen.

Die biografische und künstlerische Beziehung Adolf Erbslöhs zu Warburg war der Grund dafür, dass die Ausstellung „Adolf Erbslöh – Gemälde“ außer in Wuppertal, Bremen und Bad Homburg auch Im Jahr 1992 im Museum im „Stern“ gezeigt wurde.

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