Ossendorfer Baugebiet „Kleine Worth“
Zuerst kommen die Archäologen

Warburg -

Mit dem Beschluss des Rates im Dezember hat das neue Warburg-Ossendorfer Baugebiet „Kleine Worth“ die letzte politische Hürde genommen. Wenn das Wetter mitspielt, soll schon nächste Woche mit dem Bau der Straßen begonnen werden. Allerdings nur ganz vorsichtig. Denn erst sind Archäologen dran.

Donnerstag, 07.01.2021, 05:43 Uhr aktualisiert: 07.01.2021, 06:24 Uhr
Die Vermessungstechniker waren schon da, jetzt kommen die Archäologen. Liegt im Baugebiet „Kleine Worth“ die Keimzelle Ossendorfs? Foto: Jürgen Vahle

Experten der Fachfirma „Denkmal 3D“ aus Vechta sitzen sozusagen mit auf dem Bagger und halten Ausschau nach Funden oder Befunden (Bodenspuren), wenn die obere Bodenschicht abgetragen wird. Der für Warburg zuständige Altertums-Experte Dr. Sven Spiong vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hält es für möglich, dass das neue Baugebiet „in vollem Umfang eine Fläche von archäologischem Belang“ tangiert. Er vermutet eine mittelalterliche Wüstungsfläche unter der Erde, also die Reste eines verlassenen und später untergegangenen Ortes.

Grundlage der Vermutung sind zum einen Oberflächenfunde, die sich grob in den Zeitraum des 11. bis 14. Jahrhunderts datieren lassen. Zum anderen liege das Planungsgebiet im Bereich einer „Worth“-Flur. Und der Begriff „Worth“, den man modern mit Hof/Hofstelle übersetzen könne, sei bei Flurnamen westfalenweit als Grundsatzindikator für Wüstungsflächen anzusehen, berichtet Dr. Spiong in einem Schreiben an die Stadt.

Bei „Worth“-Fluren sei eigentlich nur die Frage, ob im Erdreich Spuren von einzelnen Höfen oder sogar um ganze Orte handelt. „Da es in Ossendorf, dessen Name als Ossenthorpe bereits in den Corveyer Quellen des 9. Jahrhunderts überliefert ist, gleich zwei „Worth“-Flure gibt, steht zu vermuten, dass sich die Ortsstruktur im Frühmittelalter und dem beginnenden Hochmittelalter anders dargestellt haben dürfte und sich nach und nach in Richtung der Kirche verlagert hat“, vermutet Dr. Sven Spiong. In diesem Baugebiet biete sich daher die seltene Möglichkeit, über den archäologischen Befund derartigen Veränderungen in der Siedlungsstruktur auf die Spur zu kommen.

Auch Ossendorfs Ortsheimatpfleger und Geschichtsexperte Erwin Dübbert hält es für möglich, dass die Keimzelle des Ortes dort zu finden ist: „Das Baugebiet liegt nah am Ohmebach. Und an solchen Gewässer haben sich die Menschen angesiedelt.“

Längere Grabungen möglich

Dr. Spiong macht daher darauf aufmerksam, dass in sämtlichen Bereichen des Baugebietes unter Umständen umfassende und womöglich längerfristige Flächengrabung im Vorfeld vonnöten sind, die von ei-ner archäologischen Fachfirma vorgenommen werden müssten. Zudem müsse für die Dokumentation möglicher Bodendenkmäler ein entsprechendes Zeitfenster eingeräumt werden.

Das will die Stadt Warburg mit Beginn des neuen Jahres auch realisieren. Die Tiefbauabteilung der Bauverwaltung sowie das Kommunalunternehmen seien informiert und werden die erforderlichen stratigraphischen Flächengrabungen (eine Methode der Archäologie, die bei der relativen Altersbestimmung von Ablagerungen hilft) mit der archäologischen Fachfirma „Denkmal 3D“ angehen.

Ob und in wieweit dies das Zeitfenster für die Häuslebauer verändert, steht noch nicht fest. „Durch die Grabungen kann es vielleicht eine kleinere Zeitverschiebung geben, gefährdet ist das Baugebiet nicht. Für uns Ossendorfer ist aber auf jeden Fall interessant, welche Erkenntnisse dort gewonnen werden“, sagt Ortsvorsteher Walter Güntermann. Die Experten von „Denkmal 3D“ stehen bereit. „Und falls tatsächlich Spuren einer alten Siedlung gefunden werden, sind wir schnell mit einem größeren Team vor Ort“, macht Geschäftsführer Falk Näth deutlich.

Viel Platz entsteht

Zunächst sollen auf einer Fläche von einem Hektar 19 Bauplätze angeboten werden, die auf bislang städtischer Fläche ausgewiesen werden. In einer zweiten Phase bis Ende 2022 könnten noch einmal zwölf Bauplätze (Fläche: 0,9 Hektar) hinzukommen. Diese Flächen befinden sich aber noch in Privatbesitz. Verhandlungen sollen zügig aufgenommen werden. Das gesamte Wohnquartier hätte dann 31 Baugrundstücke.

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