Schlager- und Partysänger André Thiel gibt einen Einblick in die Branche und plant für 2021
„Das ist durchweg ein Fiasko“

Warburg -

Im vergangenen März wollte der Warburger Schlager- und Partysänger André Thiel gemeinsam mit Casting-Star Mike Leon Grosch auf der Bühne stehen. 150 Tickets hatte für seine Show „Schlagergold“ verkauft. Es wurde die erste größere Veranstaltung in Warburg, die im ersten Lockdown in der Corona-Krise abgesagt wurde.

Dienstag, 05.01.2021, 05:25 Uhr aktualisiert: 05.01.2021, 05:30 Uhr
Den Warburger André Thiel kennen viele unter seinem Künstlernamen als Schlager- und Partysänger Andre Gold. Er hofft, dass es 2021 weitergeht, ist aber skeptisch.

Jetzt plant André Thiel, das Konzert im November nachzuholen. Die Karten haben weiter Gültigkeit, ohnehin ist kaum ein Ticket zurückgegeben worden. Für die Musikbranche sieht der junge Vater aber weiter schwarz.

Mike Leon Grosch war Finalist der dritten Staffel der bekannten Casting-Show „Deutschland sucht den Superstar“ mit Dieter Bohlen. Für Warburg hatte er nur zugesagt, weil André Thiel gute Kontakte zu ihm hat. Thiel, von Beruf eigentlich Standesbeamter in Volkmarsen, ist in der Musikbranche als „Andre Gold“ bekannt.

20 bis 25 Auftritte pro Jahr

Mehrere eigene Songs hat er eingespielt, stand regelmäßig mit den Größen der Party-Schlager-Branche auf der Bühne, seine Lieder finden sich auf vielen Samplern. Nach einem privat wie gesundheitlich schwierigen Jahr 2019 wollte er 2020 wieder durchstarten. Und „Schlagergold“ im März in der Tanzschule Klann sollte der Auftakt sein. „Doch Corona hat alles zunichte gemacht“, sagt er.

20 bis 25 Auftritte pro Jahr hat Andre Thiel normalerweise. Er singt auf den Party-Bühnen am Ballermann auf Mallorca ebenso wie bei großen Schlagerfestivals in Deutschland – übrigens immer vor mehreren hundert, manchmal tausend Zuschauern.

Das Konzert in Warburg sollte ein kleines, feines Event für seine Freunde und Anhänger aus der Region werden. Doch alles fiel flach – darunter auch zwei geplante Auftritte auf dem Libori-Fest sowie sein Engagement beim „Schlager Summer“ in Bad Driburg, zu dem auch Ross Antony und die Gruppe „Voxxclub“ vor 3000 Leuten spielen wollten. Auch die Haupt-Locations am Ballermann auf Mallorca hatten ihn für Auftritte gebucht.

„Null Auftritte, null Einnahmen“

André Thiel ist froh, dass er ausgestattet mit einem festen und krisensicheren Job, „weich fällt“ und seine Leidenschaft Schlagermusik immer nur ein „ganz gut bezahltes Hobby“ geblieben ist. Aber viele Bekannte, die er hat, stünden jetzt „ganz dumm daher“. „Im Musikbusiness gab es schon immer mehr Schein als Sein. Aber jetzt ist auch noch der Schein weg“, beschreibt er die Situation.

Vor allem denkt André Thiel an die vielen Künstler, Techniker und Veranstalter, die von dieser Arbeit leben müssen. „Die 20 Sänger, die man immer bei Silbereisen sieht, haben sicher kein Problem. Aber für alle anderen ist es hart – null Auftritte, null Einnahmen, null Perspektive für die kommenden Monate. Das ist durchweg ein Fiasko“, bringt es Thiel auf den Punkt.

Der Warburger Schlagersänger hofft und glaubt zwar, dass die Impfstoffe in der zweiten Jahreshälfte vieles besser machen werden. Aber er befürchtet, dass die Party-Szene mit dem Dreh- und Angelpunkt Mallorca über Jahre nicht mehr florieren wird. „Der Insel und der Szene ist der Stecker gezogen worden. 1500 Leute, die schwitzend auf engem Raum tanzen, ist derzeit gar nicht vorstellbar.“

Hoffen auf den Herbst

Und im Windschatten von Corona hätten die spanischen Behörden auf Mallorca auch aufgeräumt. Selbst Größen wie Micky Krause oder Peter Wackel, die 8000, 9000 Euro die Stunde verdient hätten, könnten solche Summen nicht mehr erlösen. Veranstalter haben kein Geld mehr und dann bekommen die Plattenfirmen irgendwann auch keine neuen Songs.

Übrigens auch keinen von André Thiel. Der hat zwar viele Ideen, aber „ich kann sie im Moment ja nirgendwo rauslassen“. Seine Musik sei etwas für Feiern, zumindest müssten einmal sechs, sieben Leute gesellig beisammensitzen. Da es das im Moment nicht gibt, werde er sich auch davor hüten, mehrere tausend Euro für die Produktion eines neuen Songs zu investieren.

Wie es in der Branche weitergeht, weiß André Thiel auch nicht. „Die einen ziehen sich zurück und haben Angst, die anderen werden zu Verschwörungstheoretikern. Wieder andere verlagern ihr Geschäftsfeld auf andere Spielwiesen wie Bulgarien.“ Er selbst lässt das Jahr auf sich zukommen und plant weiter das „Warburger Schlagergold“ für den hoffentlich virenfreien Herbst.

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