Höxter: Beratungsstelle für Arbeit und Beruf hilft mehr als 1300 Menschen im Jahr – Finanzierung gesichert
„Unsere Hilfe wird gebraucht“

Kreis Höxter -

Zeit seines Lebens war Hans für sich selbst verantwortlich – mit Erfolg. Er kann richtig anpacken, seine Arbeitgeber sind mit seinen Leistungen zufrieden, stellen ihm immer besonders positive Zeugnisse aus.

Mittwoch, 09.12.2020, 04:00 Uhr
Seit fast zehn Jahren gehört die Beratungsstelle für Arbeit und Beruf zum Angebot der VHS. Über die Verlängerung der Finanzierung für weitere zwei Jahre durch den Europäischen Sozialfonds freuen sich (von links) Agnes Flach, Dr. Claudia Gehle (stellvertretende VHS-Leiterin) und Danuta Küppers. Foto: Ralf Brakemeier

Mit Ende 40 erleidet Hans plötzlich einen Herzinfarkt, vier Jahre braucht er, bis er wieder „auf die Beine“ kommt. An harte körperliche Arbeit ist nun nicht mehr zu denken, in dem kleinen Dorf bei Warburg ist Hans inzwischen isoliert, vier Jahre fehlen in seinem Lebenslauf. Einen Ausweg bietet ihm die Beratung bei Agnes Flach. Die Diplom Pädagogin ist neben Danuta Küppers eine von zwei Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle für Arbeit und Beruf mit Büros in Höxter und Warburg.

Hans (der Name wurde von der Redaktion selbstverständlich geändert) fährt heute Kleinbusse, verdient sein eigenes Geld, hat Kontakt zu Nachbarn und Vereinen. Er hat sein Leben wieder im Griff. Die gute Nachricht für alle, die wie Hans oft unverschuldet in eine Notlage geraten: Die Arbeit der Beratungsstelle wird für weitere zwei Jahre vom Europäischen Sozialfonds (ESF) finanziert.

32 Beratungen pro Woche

32 Beratungen führen Danuta Küppers und Agnes Flach in Höxter und Warburg im Durchschnitt pro Woche durch. Vor wenigen Jahren waren es noch 20. 847 Beratungen für Erwerbslose, von Arbeitslosigkeit Bedrohte, EU-Ausländer oder Asylbewerber gab es 2016. „In diesem Jahr waren es bis Anfang Dezember schon 1299“, berichtet Dr. Claudia Gehle, stellvertretende Leiterin der VHS, unter deren Dach die Beratung im VHS-Seminarhaus, Albaxer Straße 5, in Höxter kostenlos durchgeführt wird. Termine gibt es nur nach Vereinbarung unter Telefon 05271/9634922 (Danuta Küppers) oder 05271/9634923 (Agnes Flach).

„Viele Beratungen – in diesem Jahr waren es mehr als 800 – nehmen Menschen mit Migrationshintergrund in Anspruch. In diesen Corona-Zeiten sind Menschen, die die deutsche Sprache kaum beherrschen, stark verunsichert“, sagt Danuta Küppers. Auch eine fehlende oder minderwertige Berufsausbildung mache sich nun besonders negativ bemerkbar. Einfache Tätigkeiten in der Industrie oder im Handwerk und vor allem der Gastrobereich seien von Kündigungen und Kurzarbeit besonders betroffen. Frauen, die in der Einzelpflege tätig sind, LKW-Fahrer und vor allem Männer, die in großen Firmen mit ausbeuterischen Werkverträgen arbeiten, suchen oft die Beratungsstelle auf. Hier wird ihnen in rechtlichen Fragen, beim Umgang mit Behörden oder bei Bewerbungen geholfen. Flach und Küppers können auch Sprachkurse und Weiterbildungen vermitteln, arbeiten eng mit dem Jobcenter, anderen Beratungsstellen (zum Beispiel Schuldner- oder Rentenberatung), Behörden und Anwälten zusammen. Auch Seminare zu unterschiedlichen Themen werden veranstaltet.

Jugendliche haben es im Augenblick schwer

„Für Jugendliche ist es in diesen Zeiten besonders schwer, eine Ausbildungsstelle zu finden“, sagt Agnes Flach. Persönliche Gesprächstreffen, Praktika oder Info-Seminare fallen aus, Institutionen schließen wegen des Lockdowns. Auch hier springen die Diplom-Pädagoginnen, die sich im Laufe von vielen Jahren in zahlreichen Gebieten fortgebildet haben, gerne ein – nur: „Aufgrund des Andrangs müsste der Stellenschlüssel eigentlich verdoppelt werden“, sagt Dr. Claudia Gehle.

„Wenn ein Mensch arbeitslos wird, ist das oft nicht nur eine Frage des Geldes. Er verliert die zentrale Aufgabe in seinem Leben, bekommt soziale Probleme. Oft sind Scheidung und Obdachlosigkeit die Folgen“, erzählt Danuta Küppers aus der langjährigen Praxis und stellt, auch angesichts der weiter steigenden Anfragen, fest: „Unsere Hilfe wird wirklich gebraucht.“

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