Umstrittener AfD-Politiker Björn Höcke vor 140 Zuhörern in Höxter – Ausnahmezustand am Hindenburg-Wall
„Wir wollen so schnell wie möglich an die Macht“

Höxter -

Björn Höcke verfolgt eine historische Mission. Der Thüringer AfD-Chef hat bei seinem Auftritt in Höxter eine klare Parole ausgegeben: „Wir wollen so schnell wie möglich an die Macht!“

Sonntag, 06.12.2020, 15:57 Uhr aktualisiert: 06.12.2020, 21:54 Uhr
Björn Höcke hat in der Stadthalle Höxter vor 140 Zuhörern gesprochen. Foto: Harald Iding

Er sei gerne Landespolitiker, weil die AfD nur über Einfluss und Regierungsmacht in den Bundesländern auch in Berlin in die Bundesregierung kommen könne. Der Ex-Lehrer, auch in Höxters Stadthalle vor den zugelassenen 140 Zuhörern im Dauer-Kampfmodus, gerät in Rage, wenn er an Teile des Bundesvorstands seiner Partei und an die Attacken von AfD-Bundessprecher Jörg Meuthen gegen das flegelhafte Auftreten und den Nazi-Sound des rechten Flügels beim jüngsten Parteitag in Kalkar denkt. Kaum ein Jahr vor der Bundestagswahl zeichnet sich in der AfD ein neuer Lagerstreit ab. Im Machtkampf kündigte Björn Höcke für seinen Höxter-Auftritt eine strategische Antwort auf die Wutrede von AfD-Parteichef Meuthen an . Die Replik kommt.

Björn Höcke (AfD) in der Stadthalle Höxter

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  • (von links) Björn Höcke, Rüdiger Lucassen und Elia Sievers (Höxter)

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  • Rüdiger Lucassen, Sprecher der AfD in NRW

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„Wir müssen aufhören, die Rohstoffe zu liefern, aus denen Munition gegen uns gemacht wird“, fordert er die Parteispitze mit Blick auf das verheerende Medienecho auf, es zu unterlassen, parteiinterne Gegner öffentlich zu disziplinieren. Das lähme die AfD. Er selbst habe auf dem Parteitag bewusst nicht gesprochen, um nicht Öl ins Feuer zu gießen. Er sei kein „Hasenfuß“, wie er von manchen gescholten worden sei, so der Kopf des rechten AfD-Flügels. Der Thüringer als Friedensfürst und Deeskalierer im friedlichen Advent?

Manchmal sind es die kleinen Dinge am Rande, die einen politischen Wolf wie Höcke mit seiner im Saal zeitweise zu Schau gestellten adventlichen Friedfertigkeit und auffälligen Sachlichkeit demaskieren und das umgelegte weiße Schafsfell entreißen: Da liegt doch auf dem Bücher-Tisch im Stadthallenfoyer ein schwarzbraun eingebundenes Höcke-Werk direkt neben Bänden über Adolf Hitler, Donald Trump, Putin, Kaiser Wilhelm II., Panzerschlachten aus dem Zweiten Weltkrieg und blonde „Deutsche Frauen“. Nette Gesellschaft. Auffallend viele junge schwarz gekleideten Männer mit strenger Scheitelfrisur, ältere Herren in Landhausstilmode, die Medien angreifenden „Lügenpresse“-Aktivistinnen, aber auch normal wirkende Zuhörer mit weißem Hemd und Pullover wollen Björn Höcke in Höxter hören. Nicht alle, aber viele feiern ihren Helden mit „Höcke, Höcke“-Rufen. Von draußen ist der Krach von 750 Gegnern bei der Demo auf dem nahen Hindenburg-Wall zu hören.

Provokationen

Björn Höcke feuert sein Arsenal sorgfältig geplanter Provokationen vor dem zu 100 Prozent Gesichtsschutz tragenden Publikum aus ganz Deutschland ab: Die AfD sei ein Händler politischer Ideen und müsse ihre Ware besser präsentieren, so eine Forderung. Die AfD sei ein politischer Faktor und sitze in allen deutschen Parlamenten. Höcke fordert Einfluss der AfD in den Rundfunkräten und wünscht sich AfD-Innenminister. Die CDU lasse der AfD rechts immer mehr Platz. Die Union werde sich der AfD noch anpassen. Gemünzt auf die Regierungskrise in Sachsen-Anhalt sagt Höcke, die AfD müsse die Union vor sich hertreiben.

Der gebürtige Westfale Höcke (Jahrgang 1972) will die Unzufriedenheit der Deutschen aufnehmen und in Wählerstimmen umwandeln. Flüchtlingspolitik, EU, Globalisierung, Corona-Pandemie: Wo Ärger aufkomme, da sei die AfD zur Stelle, grinst er vielsagend. Wählerschichten der Mitte will Höcke, den Bundesparteichef Meuthen samt seinen Gefolgsleuten offensichtlich schnell loswerden möchte, einsammeln. Er sei nicht bereit, sein Deutschland aufzugeben, gibt der Thüringer AfD-Fraktionschef pathetisch den „totalen Höcke“.

Sympathie für Querdenken-Bewegung

Der Thüringer beschreibt die Globalisierungssackgasse und den angeblichen Machtanspruch von kosmopolitischen Eliten in Wirtschaft und Politik weltweit. Parlamente und die nationalen Regierungen würden bald dauerhaft aufgeschaltet, so seine Weltverschwörungstheorie. Die Staaten sollten vielmehr alle selbstständig bleiben und sich wieder auf ihre historischen Stärken zurückbesinnen. Die Entnationalisierungsstrategie der Globalisierer sei gefährlich. Das sei eine Krake. Höcke lobt US-Präsident Donald Trump , der gegen all das angetreten sei.

Der Rechtsaußen geißelt auch, dass man sich heute ständig für oder gegen etwas bekennen müsse. Das sei ja wie in der DDR. Die „unsägliche Kanzlerin“ muss wenigstens einmal erwähnt werden; ebenso kündigt er als erste Maßnahmen einer AfD-Regierung das Ende der EU-Integrationspolitik und den Kampf gegen „Eliten mit Allmachtsfantasien“ an.

Sympathie äußert Rechtsausleger Höcke für die Querdenken-Bewegung : Die sei zwar erst grün gewesen, passe jetzt aber gut zur AfD. „Wir sind Parlamentspartei und Bewegungspartei, die die Straßenprotestkultur unterstützt“, stellt der umstrittenste deutsche Politiker fest. Für die AfD sei die Straße wichtiger denn je und ein Riesenwählerpotenzial – auch lokal. Er fordert eine Kooperation aller relevanten Bürgerbewegungen in Deutschland. „Stil und Tonfragen sind da bei der Lage sekundär“, sagt Höcke, der zuletzt Lehrer in Hessen war, einen kryptischen Satz.

Brandmarkungen und Querschüsse

Und dann kommen sie noch einmal, die wilden Brandmarkungen und Querschüsse: Das Establishment mobilisiere und stelle einen Kriegszustand her, zum Beispiel im Kampf gegen die Corona-Leugner. Überall will Höcke Merkmale von Diktatur und Unfreiheit in Deutschland erkennen. Die AfD sei die einzige rechtsstaatliche deutsche Partei – eine mutige Aussage. Weitere Attacken gibt es gegen den politisch motivierten Verfassungsschutz, den er „Antifa“ tauft. In Thüringen sei der so links und verfassungsfeindlich, „dass der selbst überwacht werden muss“. Die Höcke-Stunde erreicht die Fans. Die singen trotz Corona-Auflagen zum Abschluss die Nationalhymne. Viele wollen Autogramme auf Fotokarten, machen Selfies; es gibt ein Gruppenbild der Jungaktivisten. AfD-Chef Elia Sievers freut sich über „Höxter im Ausnahmezustand“. Hoffentlich bleibt das Polit-Spektakel eine Ausnahme!

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