Theodor Hartmann (1841-1932) war ein hoch angesehener Schlossermeister aus der Altstadt
Grabkreuz für den Sohn geschmiedet

Warburg -

Am 19. März 1932 starb im hohen Alter der Warburger Schlossermeister Theodor Hartmann. Von diesem Ur-Altstädter handelt die nächste Folge unserer Serie „Ein Bild – und seine Geschichte“.

Samstag, 05.12.2020, 04:00 Uhr
Dieses Foto zeigt Schlossermeister Theodor Hartmann aus der Josef-Kohlschein-Straße. Erschienen ist es zu seinem 90. Geburtstag im Warburger Kreisblatt vom 19. Juli 1931.  Foto: Stadtarchiv Warburg

In einem Zeitungsartikel aus Anlass seines 90. Geburtstages heißt es unter anderem: „(…) und groß ist die Zahl junger Menschen, gewesen, die sich freuten, bei ihm die Lehrzeit durchmachen zu können. Sie sind durchweg gute Meister in ihrem Fach oder tüchtige Beamte beim technischen Fahrpersonal der Reichsbahn geworden. Am öffentlichen Leben seiner Vaterstadt hat der Jubilar immer regen Anteil genommen.“

Geboren wurde Theodor Hartmann am 20. Dezember 1841 in der Warburger Altstadt als jüngstes von sieben Kindern des Tischlermeisters Johannes Hartmann und dessen Ehefrau Wilhelmine Berke. Sein Elternhaus stand in der Eisenhoitgasse.

Zunächst besuchte er die Volksschule in Warburg und zog dann zu seinem Bruder Friedrich Hartmann, der in Lippspringe Pfarrer war. Dort absolvierte er seine restliche Schulausbildung. 1856 trat er in Paderborn bei dem Schlossermeister Hasse in die Lehre. An die ersten Gesellenjahre, die er in Paderborn verbrachte, schloss sich die traditionelle Wanderschaft an. Dabei wandte sich Theodor Hartmann auch für einen Schlosser ungewöhnlichen Arbeitsfeldern zu. Über längere Zeit arbeitete er zum Beispiel in der Werkstatt des Mechanikers und Uhrmachers Johann Ignaz Fuchs in Bernburg im heutigen Sachsen-Anhalt.

In Kriegen als Waffenschmied tätig

Der in Welda geborene Fuchs war ein Cousin von Theodor Hartmann, in seiner Werkstatt entstanden zahlreiche Turmuhren und mechanische Instrumente. Auf der Weltausstellung in Wien 1873 war dann Fuchs mit einem Uhrwerk vertreten, das er zwei Jahre später seiner Heimatgemeinde Welda für die dortige Kirche schenkte.

In Magdeburg wurde Theodor Hartmann 1862 zum Militärdienst eingezogen. Nach der Grundausbildung kam er in die Waffenmeisterei. In den Kriegen von 1866 und 1870/71 diente er wiederum als Waffenschmied.

1869 machte sich Theodor Hartmann in Paderborn selbstständig. Am 5. Mai des nächsten Jahres ging er die Ehe mit Therese Kohlschein aus Warburg ein. 1874 siedelte das Ehepaar nach Warburg über. Wohnung und Werkstatt fanden sie im Kohlschein-Haus in der Altstadt, dem Geburtshaus seiner Ehefrau. In diesem Haus war ebenfalls sein Schwager Joseph geboren worden, der sich als Kupferstecher und Professor an der Kunstakademie Düsseldorf einen bedeutenden Namen machte.

In Ämtern und Vereinen hoch engagiert

Schon ein Jahr nach der Eröffnung des Betriebes lief das Geschäft laut Gewerbesteuerliste „besser als mittelmäßig“, Hartmann beschäftigte drei Gehilfen. In der Ehe mit Therese Kohlschein wurden 10 Kinder geboren, von denen sieben das Kindesalter überlebten. Der Sohn Theodor studierte an der Kunstakademie Düsseldorf und verstarb am 19. Dezember 1902 im Alter von nur 29 Jahren. Das Kirchenbuch gibt als Beruf „Kunstmaler“ an. Sein Werk würdigte das Warburger Museum im „Stern“ im Jahr 2000 mit einer Ausstellung.

1889 starb Theodor Hartmanns Ehefrau Therese. Nach acht Jahren als Witwer ging er dann am 20. Februar 1897 mit Maria Rotthof aus Warburg eine zweite Ehe ein, in der fünf Kinder geboren wurden. Im Alter von 83 Jahren übergab er schließlich seinen Betrieb an seinen Sohn Anton.

In Ämtern und Vereinen war Theodor Hartmann hoch engagiert: 1885 war er in das Stadtverordnetenkollegium gewählt worden. Wiederholt war er Mitglied im Kirchenvorstand der Altstadt und er gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Gesangvereines „Cäcilia“. Von 1900 bis 1926 war er Obermeister der Schlosserinnung. Über viele Jahrzehnte zählte er zu den Mitgliedern des Schützenvereins und des Krieger- und Landwehrvereins.

Wer sich heute ein Bild von der Handwerkskunst Theodor Hartmanns machen möchte, kann das im Saal des Rathauses zwischen den Städten machen. Die beiden großen Kronleuchter wurden von ihm geschaffen. Auch das geschmiedete Grabkreuz für seinen früh verstorbenen Sohn Theodor auf dem Altstädter Friedhof stammt aus seiner Werkstatt.

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