Das WB öffnet Türen: Blick in den Hochbehälter Uhlenbreite und die Druckerhöhungsanlage am Kreisel
Warum der Delphin eigentlich ein Wels ist

Warburg -

Zwei Türen zu sonst verschlossenen Gebäuden öffnet das WESTFALEN-BLATT an diesem Wochenende. Und es sind Türen, die für die Warburger in der Kernstadt immens wichtig sind. Denn ohne diese Gebäude käme aus ihren Hähnen nicht ein Tropfen Wasser: der Hochbehälter Uhlenbreite und die Druckerhöhungsanlage Delphin.

Samstag, 05.12.2020, 03:00 Uhr
Sebastian Maicher ist Netzmeister der Stadtwerke – und hat die Schlüsselgewalt für Gebäude der Trinkwasserversorgung. Foto: Jürgen Vahle

Sebastian Maicher (43), Netzmeister der Stadtwerke, ist einer der wenigen, der alle passenden Schlüssel hat. Auch den zum ersten Gebäude. Das liegt nur schwer einsehbar einige Meter entfernt von der Uhlenbreite und der Mozartstraße. Doch wer in den Hochbehälter will, muss zuvor nicht nur zwei Zäune und eine Alutür, sondern auch eine scharfe Alarmanlage passieren.

Pieksauber ist es im Inneren, und „Besucher stülpen sich Überzieher über die Schuhe“, berichtet der Netzmeister. Unter den unscheinbaren und begrünten Hügeln des Geländes befinden sich seit dem Jahr 1973 zwei geflieste Speicher voll mit reinstem Trinkwasser. Und das darf auf keinen Fall verunreinigt werden. Deshalb sind die Becken nicht nur nahezu luftdicht abgeschlossen und liegen im Dunkeln, sie haben auch eine eigene Be- und Entlüftung, die Bakterien und Viren aus der Umgebungsluft filtern.

1000 Kubikmeter Wasser fasst jedes dieser Becken, 600 bis 700 Kubikmeter werden täglich von der Uhlenbreite aus vor allem in das Warburger Industriegebiet gepumpt. Pro Jahr fließen von dort aus 250.000 Kubikmeter Wasser durch die Leitungen.

Wasser aus Tiefbrunnen in den Diemelauen

Gewonnen wird das Trinkwasser der Kernstadt übrigens in Tiefbrunnen in den Diemelauen unterhalb des Waldbades. Größere Orte wie Scherfede haben eigene Brunnen, auch manch kleineres Dorf wie Germete erhält das Trinkwasser aus einem eigenen Brunnen. Vernetzt sind die Leitungen alle, sodass bei Rohrbrüchen durchaus auch einmal Scherfeder Wasser in Warburg oder umgekehrt fließen könnte.

Das Wasser der Warburger Kernstadt stammt aus zwei vier Meter tiefen und zwei sieben Meter tiefen Brunnen. Es wird nach oben gepumpt, in einer UV-Anlage von Keimen und Mikroben befreit und unter anderem in die riesigen Speicher der Uhlenbreite als Zwischenspeicher gepumpt.

Er ist der mit Abstand größte Hochbehälter der Stadt. Der einzige ist es aber nicht. Weitere gibt es am Hilgenstock und am Breunaer Weg. Von dort aus fließt auch Wasser in die angrenzenden Dörfer.

Druckerhöhungsanlage am Paderborner Tor

Eine etwas andere Funktion hat die Druckerhöhungsanlage am Paderborner Tor, die den meisten unter dem Namen Delphin-Häuschen bekannt ist. Das kleine Gebäude aus dem Jahr 1925 steht unter Denkmalschutz. Und den steinerne Fisch, der den Springbrunnen zur Straße hin ziert, halten viele für einen solchen Delphin. Aber Irrtum: Es ist ein stilisierter Wels. Seinen Namen hat das Gebäude von der speziellen Pumpentechnik, die das Unternehmen Scheven aus Düsseldorf im Jahr 1925 eingebaut hatte. Die trägt den Namen „Delphin“.

Wie bei allen achteckigen Gebäuden, wirkt es von außen klein, ist aber im Inneren sehr geräumig – und sogar unterkellert. Durch eine gesicherte Doppeltür geht es ins Innere. Die Ausstattung wirkt für den Laien etwas spartanisch. Ein paar Rohre, ein grüner Behälter, eine Lucke, die in den Keller führt, wo sich wiederum dicke, blaue Rohrleitungen kreuzen.

Die Ausstattung ist eher etwas für Experten wie Sebastian Maicher. Er berichtet, dass Trinkwasser aus der Diemelaue ohne Umweg über einen Hochbehälter direkt zum Delphin-Häuschen gepumpt wird. Dann hat es aber nicht mehr genügend Druck, „es würde höchstens noch aus den Leitungen tröpfeln“, berichtet Maicher.

Im Delphin-Häuchen werde dem Wasser noch einmal ordentlich Druck mitgegeben, sodass es dann mit 3,5 bar aus der Leitung kommt. 44.000 Kubikmeter Trinkwasser sind 2019 durchs Delphin-Häuschen gelaufen, 54.000 Kubikmeter werden es wohl 2020 werden. Etwa 5 Kubikmeter Wasser pro Stunde können am Kreisel Paderborner Tor pro Stunde unter Druck gesetzt werden. Und wenn die Warburger mehr duschen, wir eben auf 8 erhöht.

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