Der letzte Teil der Serie „Im Herbst durch die Heimat“ führt nach Hardehausen
Träumen vom Wald der Wisente

Warburg -

Natur erleben, Idylle genießen und außergewöhnliche Tiere beobachten: Das mehr als 170 Hektar große Wisentgehege in Hardehausen ist ein Naherholungsgebiet der besonderen Art.

Montag, 30.11.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 01.12.2020, 15:48 Uhr
Emilia (links) und Lotta sind begeistert von dem großen Holzwisent, der zum Klettern und Hineinkrabbeln einlädt. Foto: Alice Koch

Auch die beeindruckenden Flachland- und Berg-Wisente, Wildpferde sowie Wildschweine und Rotwild leben dort. Wir stellen es im letzten Teil unserer Serie „Im Herbst durch die Heimat“ vor.

Das Hammerbachtal erreicht man von vielen Seiten.

So geht es etwa vom Parkplatz an der Walme über einen kleinen Rundweg in Richtung Wisentgehege. Eine gute Wahl für einen Ausflug mit zwei Fünfjährigen. „Hier geht‘s lang“, erkennen Lotta und Emilia auf einem großen Wegweiser.

Erstes Ziel ist der zum 50. Geburtstag des Geheges 2008 errichtete, zwölf Meter hohe Wildbeobachtungsturm. Seine beidseitig begehbare Treppe schraubt sich in Form einer Doppelhelix in die Höhe.

Zunächst geht es auf asphaltierter Straße in Richtung Wald.

Nach etwa 30 Minuten Fußweg geht es scharf rechts in Richtung Wisentturm. Dorthin führt nun ein kleiner Waldweg, auf dem es steil bergauf geht.

Die Anstrengung lohnt sich, schon bald taucht das imposante Bauwerk auf. Doch vor Ort macht sich Enttäuschung bei den Kindern breit: Coronabedingt ist der Turm gesperrt.

Immerhin entschädigt das mitgebrachte Picknick für den entgangenen Ausblick aus zwölf Metern Höhe über das Hammerbachtal und auf die Flachlandwisente. Da aufgrund der Pandemie auch das Café am Waldinformationszentrum geschlossen hat, empfiehlt es sich, Wegzehrung einzupacken.

Frisch gestärkt geht es weiter zu dem großen Holzwisent, der zum Klettern und Hineinkrabbeln einlädt.

Das im Mai 2018 aufgestellte Spielgerät ist für die kleinen Besucher eine spannende Herausforderung. Manche Erwachsene dürften es sicher als eine ästhetische Installation aus Holz wahrnehmen, die ihresgleichen sucht: Mit 100 Knüppeln, Stammstücken und Brettern aus Robinienholz wurde ein zwei Tonnen schwerer, liegender Wisent gestaltet.

Weiter geht die Tour Richtung Wildpferdegehege. Nach einer kurzen Wanderung durch den Herbstwald taucht die Herde auf.

Die mausgrauen Tiere, die eine Rückzüchtung des Tarpans sind, schauen neugierig. Die Mädchen sind begeistert, als sie sogar ein Fohlen entdecken, das sofort das Prädikat „so niedlich“ bekommt.

 

Die Bergwisente genießen die Herbstsonne. 60 Hektar Wald und Wiese stehen der Herde zur Verfügung.

Die Bergwisente genießen die Herbstsonne. 60 Hektar Wald und Wiese stehen der Herde zur Verfügung. Foto: Alice Koch

Nicht weit entfernt befindet sich das Gehege der Bergwisente. Auch dort liegt die Herde der gemächlich wiederkäuenden Pflanzenfresser mit dampfenden Nüstern gemütlich beieinander und strahlt eine tiefe Gelassenheit aus. Ein Anblick, der nicht selbstverständlich ist, denn vor 100 Jahren existierten weltweit nur noch 54 Berg- und Flachlandwisente.

Die Gefahr des Aussterbens schien unabwendbar zu sein, wie auf einer großen Infotafel steht. Auch Dank des unermüdlichen Einsatzes des Wisentgeheges Hardehausen zum Artenerhalt gibt es nun weltweit wieder 8000 Tiere. Genau 222 sind in den 62 Jahren des Bestehens des Wisentgeheges Hardehausen dort geboren.

Stattliche 60 Hektar Wald und Wiese stehen hier seither dem größten heimischen Landsäugetier zur Verfügung. So viel Platz bietet kaum ein anderes Gehege in Deutschland.

Das muss auch so sein, denn Wisente sind ausgesprochene Waldtiere und ernähren sich während der Vegetationszeit hauptsächlich von Kräutern und Gräsern sowie von Blättern, Trieben und von der Rinde der Waldbäume. Und davon braucht ein Wisent jede Menge. Ein ausgewachsener Wisent verdrückt pro Tag zwischen 30 und 45 Kilogramm Grünfutter und bis zu vier Kilogramm holzige Nahrung. Hindernisse von zwei Metern Höhe und Wassergräben von vier Metern Breite bewältigt ein Wisent mit Leichtigkeit. Aufgescheucht können Wisente Geschwindigkeiten bis zu 60 km/h erreichen.

Das sieht man den riesigen Tieren, die bis zu eine Tonne wiegen, auf den ersten Blick nicht an.

Nachdem wir uns satt gesehen haben, geht der Marsch weiter in Richtung Waldinformationszentrum.

Die gut zwei Kilometer lange Strecke bewältigen die Fünfjährigen ohne Nörgeln, unterwegs gibt es immer wieder spannende Dinge zu entdecken, wie etwa die überdachte Brücke, die über den Hammerbach führt.

Am Ziel hat zwar das Café geschlossen. Dafür toben sich die Kinder auf dem angrenzenden Spielplatz aus, rutschen und schaukeln, bevor sie müde ins Auto steigen.

Gut zwei Stunden hat die Wanderung gedauert. Nach zwei Minuten fallen den Mädchen auf der Rückfahrt die Augen zu. Wovon sie wohl träumen? Vermutlich vom Wald der Wisente.

Zur Serie

Inmitten der Corona-Krise und im zweiten Lockdown in Deutschland hat das WESTFALEN-BLATT seine Serie „Im Herbst durch die Heimat“ veröffentlicht. In den Novemberwochen haben unsere Mitarbeiter der Lokalredaktion Warburg Ausflugsziele in der Region vorgestellt, die trotz der Pandemie besucht werden können. Dieses ist der letzte Teil unserer Serie. Viel Spaß beim Lesen und natürlich beim Nacherleben!

...

Lesen Sie hier alle weiteren Folgen unserer Serie:

- 27.11.: Wildgehege Willebadessen

- 20.11.: Der „Wortweg“ bei Niesen

- 17.11.: Der Desenberg

- 12.11.: Urwald Sababurg

- 10.11.: Der Dörnberg bei Zierenberg

- 4.11.: Wüstung Alt-Rhoden

- 24.10.: Nordic-Walking-Park Warburg

- 23.10.: Warburg als Ausgangspunkt für Radtouren

- 22.10.: Schmetterlingssteig: über Quast und Gaulkopf

- 21.10.: Spaziergang entlang der Eder bei Großeneder

- 20.10.: Naturpfad Meerhof

- 19.10.: Besuch im Hallenbad Warburg

- 17.10.: Kürbisfestival, Gartenschau Bad Lippspringe

- 16.10.: Apotheken-Museum Hofgeismar

- 15.10.: Auf den Spuren der Alten Eisenbahn in Willebadessen

- 14.10.: Tierpark Sababurg

- 13.10.: Hörmuseum zwischen Hardehausen und Blankenrode

- 12.10.: Das tolle Haus am Edersee

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