Anton Wirmer war Gymnasialdirektor, Ordensträger und Ehrenbürger der Stadt Warburg
Geboren, um zu Lehren

Warburg -

Anton Wirmer, Gymnasialdirektor, Ordensträger und Ehrenbürger, steht im Mittelpunkt dieses Teils der Serie „Ein Bild – und seine Geschichte“.

Samstag, 07.11.2020, 02:25 Uhr aktualisiert: 07.11.2020, 11:18 Uhr
Anton Wirmer hat sich „seit 40 Jahren in Wort und Beispiel der Erziehung der Jugend gewidmet“ und wurde 1926 zum Ritter des Päpstlichen Gregoriusordens ernannt. Foto: Stadtarchiv Warburg

Anton Wirmer, Gymnasialdirektor, Ordensträger und Ehrenbürger, steht im Mittelpunkt dieses Teils der Serie „Ein Bild – und seine Geschichte“. Entstanden ist die Fotografie vermutlich 1930.

„Dankerfüllten Herzens stehen trauernd die städtische Vertretung, unsere Mitbürger und die zahlreichen Schüler des Verblichenen an der Bahre dieses edlen Mannes.“ So beginnt ein Nachruf auf den am 3. August 1932 verstorbenen Professor Anton Wirmer, den ehemaligen Direktor des Warburger Gymnasiums.

Geboren am 2. November 1861 in Rheine, erwarb Anton Wirmer die Lehrbefähigung für Deutsch, Latein und Griechisch. Stationen seiner Lehrertätigkeit waren Paderborn, Attendorn und wiederum Paderborn.

Der damaligen Vorstellung vom Beruf des Gymnasiallehrers zur wissenschaftlichen Arbeit verpflichtet, hatte er sich einen Namen zum Beispiel durch die Neubearbeitung einer weit verbreiteten lateinischen Schulgrammatik erworben. Von Paderborn aus wurde er nach Warburg berufen. Ab dem 1. Oktober 1906 leitete er das Warburger Gymnasium.

„Katholik von lauterstem Wandel“

Neben seiner Tätigkeit als Schulleiter engagierte sich Anton Wirmer in der Kommunalpolitik: Ab Januar 1910 war er Stadtverordneter und ab März 1919 dann für zehn Jahre Stadtverordnetenvorsteher.

Aus Anlass des Übertritts in den Ruhestand zeichnete die Stadt Warburg ihn am 5. April 1927 mit der Ehrenbürgerwürde aus. Im Jahr zuvor hatte er bereits eine andere Würdigung erfahren. Am 27. Juli 1926 ernannte ihn Papst Pius XI. zum Ritter des Päpstlichen Gregoriusordens.

Begründet wurde die Auszeichnung damit, dass Wirmer ein „Katholik von lauterstem Wandel“ sei, der „bei allen Mitbürgern vorzügliche Hochschätzung“ genieße und sich „schon seit 40 Jahren in Wort und Beispiel der Erziehung der Jugend gewidmet“ habe.

Am 1. April 1927 endete Wirmers reguläre Dienstzeit mit dem Erreichen der gesetzlichen Altersgrenze. Magistrat und Stadtverordnete versuchten allerdings, für ihn eine Dienstzeitverlängerung zu erreichen. Als Begründung wurde angegeben, dass der Stadtverordnetenvorsteher Wirmer in „diesen für die Stadt so schwierigen Zeiten mit seiner fachlichen und persönlichen Qualifikation“ gebraucht würde. Die Schulbehörde beharrte auf ihrem Standpunkt.

Sohn starb nach Hitler-Attentat

Anton Wirmer wohnte mit seiner Familie lange Jahre im Gymnasium, nach seiner Pensionierung dann Hinter der Mauer Süd 39 im Mönchehof und schließlich in der heutigen Kalandstraße im Haus Nummer 13. Seit 1898 war er mit Maria Varnhagen aus Brilon verheiratet, die 1921 verstarb. Aus der Ehe waren fünf Kinder hervorgegangen: Heinz, Otto, Josef, Ernst und Antonia. Der älteste Sohn fiel 1918. Die drei anderen Söhne studierten Jura, die Tochter Antonia besuchte eine Frauenschule in Münster.

Anton Wirmers Sohn Josef Wirmer, Rechtsanwalt in Berlin, wurde nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 verhaftet. Für die Zeit nach Hitler war er als Justizminister vorgesehen gewesen. Am 4. August 1944 verhaftet, wurde er am 8. September 1944 hingerichtet. Auf dem Grab seiner Eltern auf dem Warburger Burgfriedhof erinnert ein schlichter Gedenkstein an den Sohn, dem der Hass seiner Gegner sogar das Grab verweigert hatte.

Die durch und durch humanistische und christliche Erziehung im Elternhaus und im Gymnasium dürften Josef Wirmer wesentlich geprägt haben. Alljährlich wird in einer Gedenkstunde am 20. Juli an der Wirmer-Leuchte auf dem Brüderkirchhof an ihn erinnert.

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