Bewohner des Fachwerkhauses in der Bernhardistraße in Warburg stehen auf Straße
Hab und Gut nach Großbrand verloren

Warburg (WB). Es waren dramatische Szenen, die sich am frühen Donnerstagmorgen, 15. Oktober, beim Brand eines Fachwerkhauses in der Warburger Altstadt abgespielt haben. Das Feuer war in einem Kellerraum des Wohnhauses in der Bernhardistraße ausgebrochen. Ursache könnte ein technischer Defekt gewesen sein.

Mittwoch, 04.11.2020, 05:00 Uhr aktualisiert: 04.11.2020, 06:59 Uhr
Mohammed Khazel und Menif Omar (rechts) haben im Fachwerkhaus in der Bernhardistraße gewohnt. Nach dem Brand sind die Wohnungen des Hauses derzeit nicht bewohnbar. Die Mieter haben ihre Bleibe und auch Hab und Gut verloren. Foto: Ralf Benner

Die zehn Bewohner hatten das alte Fachwerkhaus rechtzeitig verlassen können.

Sie kamen nicht zu Schaden. Das haben sie wohl auch Mohammed Khazel zu verdanken, der in der ersten Etage des Fachwerkhauses wohnte. Brandgeruch hatte ihn alarmiert.

Iraker bemerkt Brandgeruch und alarmiert die Bewohner

„Ich habe aus dem Fenster geschaut und unten den Rauch gesehen“, berichtet er. Über Handy habe er nicht telefonieren können. Kein Empfang.

Daher sei der 33-jährige Koch aus dem Irak hoch ins zweite Stockwerk gelaufen und habe laut rufend die anderen Bewohner des Hauses auf das Feuer aufmerksam gemacht. Auch seinen Arbeitskollegen Menif Omar, Küchenchef im Restaurant Frühauf am Altstadt-Marktplatz. Der 36-jährige Syrer lebte mit seiner Schwester Hala Omar (33) in der zweiten Etage des Gebäudes.

Nachbarn holen Leiter zur Rettung der Bewohner

Der Weg ins Erdgeschoss war den Mietern durch Rauch und Feuer versperrt. Sie retteten sich zunächst in die zweite Etage. Nachbarn eilten mit einer Leiter herbei, mit deren Hilfe die Bewohner aus den Fenstern im zweiten Stock auf die Straße gelangten.

Die Wohnungen des Fachwerkhauses sind derzeit nicht bewohnbar. Der Gesamtschaden wird auf rund 80.000 Euro geschätzt.

Großeinsatz der Feuerwehr in der Altstadt.

Großeinsatz der Feuerwehr in der Altstadt. Foto: Daniel Lüns

Die Bewohner des Hauses stehen nun auf der Straße und suchen eine neue Bleibe. Ihr Hab und Gut – etwa Möbel, Kleidung oder technische Geräte – wurde ein Raub der Flammen oder ist durch Rauch und Löschwasser unbrauchbar geworden.

„Wir haben alles verloren und müssen wieder von vorne anfangen“, erzählt Menif Omar stellvertretend für alle Bewohner. Teilweise barfuß und nur mit T-Shirt und Jogginghose bekleidet, hätten sich die Bewohner retten können: „Wir mussten alles zurücklassen.“

Wohnung gesucht

Für sich und seine Schwester sucht der Frühauf-Küchenchef eine neue Wohnung.

Sein Arbeitskollege Mohammed Khazel hat nach längerer Suche mittlerweile eine neue Bleibe gefunden. Möbel, Kleidung und viele andere Dinge, die für das tägliche Leben nötig sind, hat auch er verloren. Vorübergehend konnte der Iraker im Sozialraum des Restaurants Frühauf übernachten.

Restaurantchef hilft Mitarbeitern

Restaurantchef Walter Frühauf (33) und seine leitende Servicekraft Scarlett Aggen (29) organisierten für den 33-Jährigen auch ein Gästebett. „Es ist doch selbstverständlich, dass ich meinen Mitarbeitern in dieser schweren Situation helfe“, sagt Walter Frühauf. „Es sind anständige Menschen.“

Seit knapp zwei Jahren würden Menif Omar und Mohammed Khazel in seinem Restaurant in der Küche stehen. Beide mit unbefristeten Verträgen. Walter Frühauf kümmert sich für die beiden auch um notwendige Behördengänge und Schriftstücke.

Vorrangiges Ziel sei es, für Menif Omar und seine Schwester eine neue Wohnung zu finden, sagt er. Seine Mitarbeiterin Scarlett Aggen hat bei Facebook ( www.facebook.com/scarlett.scarletti ) auch eine Spendenaktion gestartet, um ihre beiden Kollegen und deren Familien zu unterstützen.

Sie koordiniert die Hilfeleistungen und weiß, was dringend benötigt wird: „Wir sind dankbar für alle, die meinen Kollegen helfen wollen.“

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