Ossendorfer Schützen holen in Brandenburg ihren ersten wichtigen Titel
Kanoniere sind Deutscher Meister

Warburg (WB). Die Historischen Kanoniere des Ossendorfer Schützenvereins dürfen sich jetzt Deutscher Meister nennen. Auf dem Truppenübungsplatz der Bundeswehr in Altengrabow (Brandenburg) ließen sie mit ihrer selbst gebauten Kanone die Konkurrenz hinter sich und wollen nun 2021 an der Europameisterschaft teilnehmen.

Sonntag, 01.11.2020, 23:50 Uhr
Die Kanoniere aus Ossendorf haben die 14. Deutscher Meisterschaft der Kanonen in Brandenburg gewonnen (von links): Franz Rabbe (Schriftführer), Oliver Widmann (Musketier), Elmar Prott (Richtschütze), Matthias Geilhorn (Fähnrich), Christoph Bettermann (Richtschütze), Patrick Schafmeister (Jäger), Christoph Hofmeister (Musketier), Reinhard Block (Kanonier), Manfred Prott (Musketier und Sportschütze) sowie der 1. Kanonier Stefan Kleinhans. Foto: Jürgen Vahle

Mit 1200 Gramm schweren 50-Millimeter-Kugeln aus Messing und reichlich Schwarzpulver haben sich der 1. Kanonier Stefan Kleinhans sowie die beiden Richtschützen Christoph Bettermann und Elmar Prott zum ersten großen Titel geschossen. In 100 Meter Entfernung zur 10er Zielscheibe hatte das Trio aus Ossendorf 16 Schuss abgegeben, 81 Ringe geholt – und sieben weitere Teams hinter sich gelassen.

250 Arbeitsstunden

Der Erfolg ist für Stefan Kleinhans umso schöner, da die neue Kanone erst vor einem Jahr in Betrieb genommen worden ist. 250 Arbeitsstunden haben die Ossendorfer in den Bau gesteckt und nahezu alle Teile selber angefertigt. Nur das Richtrohr haben die Kanoniere gekauft, allerdings später so modifiziert, dass es als Kanone funktioniert. Ohne behördliche Genehmigung funktioniert das natürlich nicht. Ihre Kanone war zuvor beim Beschussamt in Mellrichstadt auf Herz und Nieren geprüft und abgenommen worden. In den kommenden Monaten wollen die Kanoniere weiter an ihr arbeiten, damit sie ein noch historischeres Aussehen bekommt.

So wie das Vorgängermodell, die St.-Johannes-Kanone, die die Ossendorfer Abteilung seit der Gründung hat. Zum sportlichen Schießen auf Scheiben war sie allerdings weniger zu gebrauchen. „Irgendwann haben wir gemerkt, mit diesem Rohr wird das nichts.“ Zu ungenau seien die Trefferbilder bei Wettbewerben gewesen, der Streukreis zu groß. „Wer Erfolg haben will, braucht ein besseres Modell“, sagt Stefan Kleinhans.

Zwei Kanonen im Besitz

Jetzt besitzen die Ossendorfer Kanoniere zwei Kanonen – eine für Brauchtumsveranstaltungen und Schützenfeste, eine für das sportliche Schießen bei Wettkämpfen.

Der Gewinn der Deutschen Meisterschaft ist der vorläufige Höhepunkt in der Abteilungsgeschichte, die vor 20 Jahren mit dem ersten Treffen zur Gründung einer Böllergruppe begann. 2001 wurden die Historischen Kanoniere als Unterabteilung in den Ossendorfer Schützenverein aufgenommen – und bereichern seither auch viele besondere Schützenfeste mit ihrem Auftritt und natürlich mit ihren Böllerschüssen.

Den ersten stilechten Auftritt hatten die Ossendorfer Kanoniere in neuen Uniformen und mit eigener Kanone zum Stadtschützenfest 2002 in Ossendorf. In den Folgejahren standen immer wieder Auftritte bei Böller- und Kanonentreffen, bei Schützen- und Kälkenfest auf dem Programm. Und immer wieder wurde an Kanone und Aussehen gefeilt, damit die Uniformen auch tatsächlich denen der preußischen Artillerie von 1760 entsprechen.

„250 Jahre Schlacht bei Warburg“

Für die Ossendorfer Kanoniere unvergessen sind auch zwei ganz besondere Veranstaltungen. 2010 waren sie Ausrichter der Gedenkveranstaltung „250 Jahre Schlacht bei Warburg“. Einige Mitglieder der Gruppe nahmen auch im Oktober 2011 als napolionische Krieger an der Gedenkveranstaltung „200 Jahre Völkerschlacht“ in Leipzig teil.

Zum sportlichen Schießen kamen die Ossendorfer Kanoniere 2014. Mit eher mäßigem Erfolg haben sie an Wettbewerben in der Klasse „Leichte Feldartillerie“ (Kaliber 50 bis 150 Millimeter) teilgenommen. Mit der Inbetriebnahme der neuen Kanone, die übrigens noch keinen Namen hat, sind die sie zuversichtlich, dass der Ende Oktober errungene Deutsche Meistertitel nicht der letzte große Erfolg ist.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7659042?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198395%2F2516019%2F
Maskenattest: Diagnose nennen ist nicht Pflicht
Beschäftigte in den Ordnungsämtern kontrollieren - wie hier in Pforzheim - die Maskenpflicht.
Nachrichten-Ticker