Scherfeder Viertklässler lernen, welche Gefahren von Lkw ausgehen
Das Unheil lauert im toten Winkel

Warburg-Scherfede (WB). Zum ersten Mal hat die Verkehrssicherheitsberatung der Kreispolizeibehörde Höxter gemeinsam mit der Spedition und Fahrschule Weinholz eine Sicherheitsübung unter dem Titel „Der tote Winkel“ angeboten. Dazu war ein 40-Tonner auf den Hof der Grundschule Scherfede gerollt.

Sonntag, 01.11.2020, 23:14 Uhr aktualisiert: 01.11.2020, 23:20 Uhr
Eine ganze Klasse passt in den toten Winkel (optisch auf dem Boden durch die Plane verdeutlicht). Die Gefahr, die hier lauert, ist Kinder in Scherfede vor Augen geführt worden. Foto: Verena Schäfers-Michels

Die Grundschüler der Jahrgangsstufe 4 der KGS Scherfede-Rimbeck sollten für die Gefahren, die vom toten Winkel bei Lastwagen ausgehen, sensibilisiert werden – und zeigte sich schwer beeindruckt.

„Stellt euch vor, ihr fahrt mit dem Fahrrad in Warburg auf der Hauptstraße auf einem angedeuteten Radweg und plötzlich kommt eine Ampel, ihr müsst warten und ein großer Lastwagen kommt. Was würdet ihr machen?“, leitete Verkehrssicherheitsberater Thomas Kruse eine mögliche Verkehrssituation ein. „Wir halten Abstand!“ und „Wir bleiben hinter dem LKW!“, waren die Antworten der Viertklässler, worauf der Polizist bestätigend nickte.

Milchtüte zerplatzt

„Nun muss ich aber schnell zum Sport“, erzählte Kruse die Geschichte weiter, „und fahre neben den LKW. Der will aber rechts abbiegen, und als die Ampel auf Grün schaltet, sieht er mich nicht und zieht nach rechts. Der Abstand zwischen uns wird enger und enger. Der LKW berührt mein Fahrrad, berührt mich, ich falle um und mein Fuß liegt noch vor dem Fahrzeugrad.“ Als Beispiel legt er eine leere Tetrapak Milch vor den Reifen – und Kraftwagenfahrer Ralf Kunzmann fährt langsam los. Die Verpackung platzt. Ebenso wird ein Stück Styropor unter dem Gewicht des Lastzuges zermalmt. Die Mädchen und Jungen, zuvor lebhaft und interessiert, verstummen. Jette sagt: „Das tut sicher sehr, sehr weh, wenn einem das passiert. Man muss sehr vorsichtig sein.“

In einer anderen Übung bitten die Verkehrssicherheitsberater und sein Kollege Michael Wiemeyer die Schüler, sich neben dem LKW auf einer orangen dreieckigen Plane aufzustellen. Die ganze Klasse passt auf die Fläche und ist überrascht, als sie erfährt, dass der tote Winkel, in dem einen der LKW-Fahrer nicht sehen kann, so groß ist. Einen eigenen Eindruck davon können sich die Mädchen und Jungen machen, als sie vom Führerhaus selbst nach unten sehen.

Eindrücke sollen hängenbleiben

„Wir hoffen, dass diese Eindrücke hängenbleiben“, erklärt Polizei-Pressesprecher Jörg Niggemann. Fahrschullehrer und Spediteur Hubert Weinholz, der auf Anfrage von Thomas Kruse gerne bereit war, mit einem seiner Fahrer und einem LKW die Aktion zu begleiten, ist begeistert, wie interessiert die Grundschüler bei der Aktion mitmachen und wie gut sie eingestellt waren. Schulleiterin Elke Czapski-Schulz hatte die Kinder zuvor aber absichtlich nicht auf das Thema „Der tote Winkel“ vorbereitet, um die Situation möglichst real zu gestalten. „Das ist ganz anders als in der Theorie darüber zu sprechen oder einen Film zu schauen“, ist sie sich sicher – und fügt hinzu: „Außerdem ist es ein guter Auftakt für den Radfahrlehrgang im zweiten Halbjahr, wenn die Kinder durch ganz Scherfede fahren.“

Im Frühjahr hatte die Schulleiterin auf die Idee eines Vaters hin bei der Polizei Höxter nachgefragt, ob es möglich sei, eine Übung zu veranstalten, bei der Kinder damit vertraut gemacht werden, wie sie sich in der Nähe von großen Fahrzeugen wie LKW und Traktoren verhalten sollen. Aufgrund der Corona-Situation hatte sich jedoch alles verzögert.

Weitere Schulungen geplant

Die Verkehrssicherheitsberatung des Kreises Höxter möchte in Zukunft weitere Übungen wie diese an Grundschulen veranstalten. Ralf Kunzmann, LKW-Fahrer im Nebenerwerb, appellierte an die Jungen und Mädchen: „Wenn ihr an der Bushaltestelle steht und ein großes Fahrzeug kommt, dann achtet darauf, dass ihr einen guten Abstand zum Bordstein habt, damit euch nichts passiert.“

Er selbst fährt seit 20 Jahren LKW und hatte noch keinen Unfall, aber er weiß: „Manchmal kommt man in eine Situation, wo man sich denkt: Da haben wir jetzt nochmal Glück gehabt.“ Zwar haben moderne LKW zusätzliche Spiegel und zum Teil sogar schon Kameras, die auch den toten Winkel sichtbar machen, aber die meisten Fahrzeuge auf den Straßen wie Paketdienste, Traktoren und auch Polizeitransporter sind mit diesem Equipment noch nicht ausgestattet.

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