Gebäude war Pilgerhaus, Frauenunterkunft, Lehrküche und Kinderhort
Cyriakus-Hospital wird 1969 abgerissen

Warburg (WB). Im Herbst des Jahres 1969 waren im oberen Bereich der Straße „Im Sack“ Abbrucharbeiten zu beobachten: Das 1824/25 errichtete Gebäude des St.-Cyriakus-Hospitals wurde abgerissen. Begonnen hatte die Geschichte dieser Einrichtung bereits Jahrhunderte zuvor.

Samstag, 10.10.2020, 03:00 Uhr
Das Cyriakus-Hospital war als Pilgerhaus zu Beginn des 15. Jahrhunderts gestiftet worden. Später fanden an dieser Stelle Frauen eine Unterkunft. Das Glockentürmchen des ehemaligen Betraums ist auf dem Foto von 1969 noch zu erkennen. Foto: Stadtarchiv Warburg

Das Cyriakus-Hospital war als Pilgerhaus zu Beginn des 15. Jahrhunderts gestiftet worden. In der Frühen Neuzeit wurde es endgültig zu einer Einrichtung, in der mittellose, zumeist ältere Frauen Unterkunft fanden. Jede Bewohnerin erhielt eine Kammer, einen Anteil des Gartens und eine kleine monatliche Zahlung.

Zum täglichen Gebet verpflichtet

Die Bewohnerinnen waren dafür zum täglichen Besuch des Gottesdienstes und zum täglichen Gebet für die Stifter und Wohltäter des Hospitals verpflichtet. Finanziert wurde die Einrichtung durch die Erträge aus einem im Laufe der Zeit immer weiter angewachsenen Stiftungsvermögen.

Im Jahre 1824/25 entstand, finanziert wiederum aus einer Stiftung, an alter Stelle ein Neubau mit acht Wohnkammern, einer gemeinsamen Küche und einer gemeinsamen Wohnstube und einer Kapelle. Die einzelnen Kammern waren nicht heizbar und hatten keine Kochgelegenheit. Gemeinsam genutzt wurden deshalb die kleine Küche und die Wohnstube. Das Glockentürmchen des ehemaligen Betraums ist auf dem Foto von 1969 noch zu erkennen.

Armenkommission prüft Aufnahme

Ausführlichere Nachrichten über die Hospitalbewohnerinnen liegen erst aus dem 19. Jahrhundert vor. In der Regel lebten dort dann acht Frauen. Sie hatten ein Aufnahmegesuch zu stellen, das von der Armenkommission geprüft wurde. Die Bewerberinnen begründeten ihren Antrag in der Regel mit Armut, Krankheit und/oder Alter als Grund für Arbeitsunfähigkeit und fehlende Unterstützung durch Angehörige. Der Bedarf war augenscheinlich gegeben. Im Sommer 1853 bewarben sich nach dem Tod einer Hospitalin gleich drei Frauen auf die freigeworbene Stelle.

Die nach dem Ersten Weltkrieg einsetzende Inflation und mehr noch die Tatsache, dass man zuvor das Kapital in Kriegsanleihen angelegt hatte, ließen das Vermögen des Hospitals in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts fast vollständig verschwinden.

Arme Schulschwestern betreiben Lehrküche

Im 20. Jahrhundert diente das Hospitalgebäude wechselnden Zwecken: In der ehemaligen Betstube war nach dem Ersten Weltkrieg zum Beispiel eine Lehrküche der Armen Schulschwestern eingerichtet worden. Später wurde die eine Hälfte des Hauses vermietet. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs fand hier der Lagerdienst für das Lager Dössel des katholischen Fürsorgevereins Unterkunft.

1947 war es ein Vorasyl für die vorläufige Unterbringung von Kindern und Frauen, in den beginnenden fünfziger Jahren war ein Kinderhort in dem Gebäude untergebracht. Nach dem Abriss im Jahre 1969 errichtete die Pfarrgemeinde Warburg-Altstadt an historischer Stätte und Stelle in Fortführung des Stiftungsgedankens ein Seniorenwohnheim.

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