Warburger Sven Scholand eröffnet Sattlerei in Diemelstadt-Rhoden
Handwerklich fest im Sattel

Warburg/Diemelstadt (WB). Es riecht nach Leder, an den Wänden hängen Sättel und Zaumzeug für Pferde, in der Werkstatt stehen Nähmaschinen und andere große Geräte, an der Wand hängen zahlreiche Spezialwerkzeuge. „Einige davon habe ich selbst gebaut, denn das Sattlerhandwerk ist Zentimeterarbeit“, weiß Sattlermeister Sven Scholand, der kürzlich im Wendeweg 1c in Diemelstadt-Rhoden seine eigene Sattlerei eröffnet hat.

Freitag, 09.10.2020, 05:57 Uhr aktualisiert: 09.10.2020, 06:02 Uhr
Sattlermeister Sven Scholand hat in Diemelstadt-Rhoden seine Sattlerei eröffnet. Dort bietet er neue und überarbeitete Sättel an, die er in der Werkstatt anpasst und professionell aufpolstert. Ferner repariert er neben Sätteln auch anderes Reitsportzubehör. Foto: Alice Koch

Hubschraubermechaniker schult um

Dass er sich mitten in Corona-Zeiten selbstständig gemacht hat, sieht der 32-Jährige nicht als Problem. „Meine Familie hat mich auch schon gefragt, ob ich nachts ruhig schlafen kann. Aber ich schlafe bestens“, schmunzelt er. Denn hier in der Region gäbe es viele Pferde, die immer einen passenden Sattel brauchen. Dass er mit seiner Entscheidung aufs richtige Pferd gesetzt hat, zeigt die Resonanz seiner Kunden. Sie freuen sich, dass sie einen Fachmann vor Ort haben, denn Sattler ist ein aussterbender Beruf. Wie bei so vielen handwerklichen Berufen fehlt der Nachwuchs.

Dass Pferdesattler für Sven Scholand vor einigen Jahren zu seinem Traumberuf wurde, kam dabei eher zufällig. Nach seiner Ausbildung zum Elektriker war er acht Jahre lang bei der Bundeswehr in Fritzlar als Hubschraubermechaniker tätig. Als er von einem Auslandseinsatz in Afghanistan zurückkam, hatte sich seine damalige Freundin ein Pferd angeschafft. „Somit war ich automatisch der Stallbursche“, erinnert sich der Warburger und lacht. Sein Interesse war geweckt.

Zwischen Pferd und Reiter

Auch wenn er selbst nicht reitet, erkannte er schnell, dass der Sattel die wichtigste Verbindung zwischen Pferd und Reiter ist. Daraufhin absolvierte er zunächst ein Praktikum bei dem renommierten Sattelhersteller G. Passier & Sohn in Hannover-Langenhagen, wo er anschließend auch seine Ausbildung erfolgreich abschloss. Die Lehrzeit hat ihm tiefe Einblicke in den Beruf des Pferdesattlers gegeben, so dass er im Juni vergangenen Jahres mit dem Meisterbrief zum Sattler und Feintäschner-Handwerk ausgezeichnet wurde.

Während seiner Tätigkeit als Hubschraubermechaniker war sich Sven Scholand immer der enormen Verantwortung bewusst. Präzises Arbeiten, sein Selbstverständnis für Qualität und ­Sicherheit sind ihm in Fleisch und Blut übergegangen. Das zeigt sich auch in seinem Beruf als Sattlermeister. „Die Strippen mit denen der Gurt am Sattel befestigt ist, müssen regelmäßig überprüft werden. Ist das Leder porös, können sie reißen. Im vollen Galopp oder über einem Sprung kann das lebensgefährlich sein“, betont er.

Wie unpassende Schuhe

In seiner Meisterwerkstatt führt er kleinere und größere Reparaturarbeiten an Sätteln und weiterem Reitsportzubehör durch. Dabei ist echte Handarbeit gefragt, denn die von Hand genähten Nähte halten oft besser als maschinelle. Damit die Nähte auch bei Regenwetter reißfest sind, benutzt der Fachmann spezielle Fäden.

Neben der Sicherheit ist es aber auch enorm wichtig, dass ein Sattel richtig passt. Ist das nicht der Fall, kann dies dem Pferd verschiedene Probleme bereiten, denn unpassende Sättel tun genau so weh wie unpassende Schuhe. „Die Anatomie des Pferdes muss man genau kennen, damit ein Sattel zum Beispiel keine schmerzhaften Druckstellen verursacht“, erläutert der Fachmann.

Anprobe beim Pferd

Auch Verspannungen in der Muskulatur, Rückenprobleme, Blockaden können durch einen schlecht sitzenden Sattel verursacht werden. „Um dies zu beurteilen ist viel Feingefühl nötig“, weiß Sven Scholand, der jedes Mal selbst „zur Anprobe“ in die Reitställe fährt. Für eine fachmännische Anpassung betrachtet er den Reitsattel zunächst auf dem stehenden Pferd und im Anschluss auch beim Reiten, um sich ein genaues Bild von der Passform zu machen, die entscheidend für die Bewegungsfreiheit des Pferdes ist.

Dabei muss der Sattel nicht nur zum Pferd, sondern auch zum Reiter passen. Ist das nicht der Fall, kann der Reiter nicht richtig sitzen, ­blockiert die Bewegungen des Pferdes im Rücken und kann keine korrekten Hilfen geben. „Oft schätzen die Kunden ihre Sitzgröße falsch ein, oder halten an einem Modell fest, das nicht auf ihr Pferd passt“, erzählt Sven Scholand von seinen Erfahrungen. Allerdings bleibt er dann konsequent: „Ich verkaufe nur Sättel, die richtig passen, denn die beste Werbung sind zufriedene Kunden – und Pferde.“

Bei den Kunden vor Ort

Geöffnet hat die Sattlerei Scholand montags in der Zeit von 9 bis 12 Uhr und von 13 bis 18 Uhr sowie dienstags und mittwochs von 13 bis 18 Uhr. Dienstag- und Mittwochvormittag sowie donnerstags und freitags arbeitet der Sattler nach Terminabsprache unter Telefon 05694/6399855 bei den Kunden vor Ort.

Weitere Informationen gibt es auch im Internet unter der folgenden Adresse: www.sattlereischoland.de .

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