Innovationsprämie lockt Kunden in die Autohäuser
E-Mobilität kommt auf Touren

Warburg (WB). Die neue Kaufprämie befeuert die Nachfrage nach Elektroautos. Rund 9000 Euro können Kunden beim Kauf eines neuen E-Autos sparen, wobei 3000 Euro vom Hersteller kommen. Das lockt derzeit viele Menschen in die Autohäuser.

Mittwoch, 30.09.2020, 04:00 Uhr aktualisiert: 30.09.2020, 06:24 Uhr
Die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen ist gestiegen. Das Laden an öffentlichen Ladepunkten wie hier auf dem Warburger Schützenplatz ist eine Ergänzung zum privaten Laden an der heimischen Ladestation oder tagsüber am Arbeitsplatz. Foto: Jürgen Vahle

Das bestätigt auch Hermann-Josef Menne, Neuwagenverkäufer beim Autohaus Jacobi in Warburg. Großes Interesse besteht vor allem an dem neuen VW ID.3.

„Dieses Auto wird den Automarkt revolutionieren und den Kunden die Angst vor E-Mobilität nehmen“, ist sich Menne sicher.

Reichweite bei Kunden ein Thema

Ein großes Thema sei bei den E-Auto-Interessenten die Reichweite. Hier muss seiner Meinung nach ein Umdenken in den Köpfen der Autofahrer stattfinden. Der Gedanke, plötzlich mit leerem oder kaputtem Akku auf der Landstraße stehen zu bleiben, schrecke immer noch viele Autofahrer ab, sich für ein E-Auto zu entscheiden.

Laut Menne eine unbegründete Angst: „Der ID.3 hat eine Reichweite von bis zu 500 Kilometern. Außerdem wächst die Anzahl der öffentlichen Ladestationen rasant, so dass bei weiteren Strecken dank der Schnellladekapazität innerhalb von einer halben Stunde der Akku wieder aufgeladen ist.“

Als weitere Besonderheiten hebt Menne das Platzangebot, die Beschleunigung, den engen Wendekreis sowie die einfache Bedienbarkeit des Autos hervor.

Lieferprobleme bei Herstellern

Die gestiegene Nachfrage nach Stromern führe bei vielen Herstellern zu Lieferproblemen, was hauptsächlich an der Verfügbarkeit der Batteriezellen liege. Volkswagen habe das Problem erkannt und baue aktuell eine eigene Batteriefertigung auf, um hier deutlich kürzere Lieferzeiten anbieten zu können. So könne der ID.3 noch bis Jahresende geliefert werden.

Der Stichtag 31. Dezember ist dabei wichtig: Bis zu diesem Tag können Käufer auch noch vom reduzierten Mehrwertsteuersatz – statt 19 Prozent sind es 16 Prozent – profitieren.

Zusätzlich zur Prämie werden auch Elektroautos von der Kfz-Steuer befreit. Für Fahrzeuge, die bis 31. Dezember 2020 zugelassen werden, müssen zehn Jahre lang keine Kfz-Steuern bezahlt werden. Diese Prämien gelten auch fürs Leasing. „Das ist ein zusätzlicher Anreiz und erklärt auch das gestiegene Interesse an E-Autos“, ist sich Menne sicher.

Nachfrage bei Humborg enorm gestiegen

Das bestätigt auch Bernhard Humborg, Geschäftsführer des gleichnamigen Autohauses in Warburg, Höxter, Bad Driburg und Paderborn. „Die Nachfrage ist enorm gestiegen. Im vergangenen Jahr lag der Anteil der verkauften E-Autos bei 1,8 Prozent, in diesem Jahr bei etwa 10 Prozent, berichtet der Geschäftsführer.

Seit 2010 habe man E-Autos im Angebot, doch bisher war die Nachfrage eher verhalten. „Eine Marktreife haben diese Autos schon sehr lange, aber Innovationen setzen sich immer erst verzögert am Markt um“, schildert Humborg seine Erfahrungen.

Als begeisterter E-Autofahrer sieht auch er keine Probleme hinsichtlich der Reichweite. „Der durchschnittliche E-Autonutzer fährt kaum mehr als 10.000 Kilometer im Jahr, höchstens 20.000. Die meisten Fahrten sind Kurzstrecken zum Arbeitsplatz oder zum Einkaufen.

Langstrecken können in Europa problemlos entlang der Schnellladestationen geplant werden“, schildert Humborg seine Erfahrungen. Erst kürzlich sei er zum Bodensee gefahren und habe den Eindruck, dass es deutlich mehr Ladestationen als Bedarf gebe.

Hinzu kommt: Ein privates Auto steht zu 90 Prozent des Tages. Daher ist es sinnvoll, diese Zeit zum Laden der Batterie zu nutzen.

Etwa 70 Prozent der Ladevorgänge finden nachts an der heimischen Ladestation oder tagsüber am Arbeitsplatz statt. So ist das öffentliche Laden nur eine Ergänzung zum privaten Laden. Supermärkte, Hotels und Parkhausbetreiber installieren Ladepunkte, um ihren Kunden die Möglichkeit zu bieten, während ihres Aufenthalts ihr privates Elektroauto zu laden.

Probefahrt mit einem E-Auto

Ein weiterer Vorteil, der für ein E-Auto spricht, ist der geringe Wartungsaufwand. Elektroautos haben keine Zahnriemen-, Ölfilter- oder Zündkerzenwechsel. Außerdem benötigen sie weniger Betriebsstoffe wie Motoröl, Kühlflüssigkeit oder Adblue. Sie haben keine Wasserpumpe, Kühler, Auspuffanlage oder Kupplung, die anfällig für teure Reparaturen oder aufwändige Überprüfungen sind. „Regelmäßige Inspektionen in einer Fachwerkstatt sind aber dennoch wichtig, um den Garantieanspruch zu erhalten“, betont Humborg. Er ist der Meinung, dass E-Mobilität sich langfristig durchsetzen werde. Das zeige auch das große Interesse der Autokäufer am neuen Opel Corsa-e, der ebenfalls noch in diesem Jahr geliefert werden kann.

Skeptikern empfehlen die Autohändler, einfach mal eine Probefahrt mit einem E-Auto zu machen.

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