Umbaumaßnahmen im Zentralklärwerk Warburg – Regressforderungen gegen Südzucker
Sonne trocknet den Klärschlamm

Warburg (WB). Die Solar-Klärschlammtrocknung, die bereits vor knapp zwei Jahren im Zentralklärwerk an der Kuhlemühle errichtet wurde, ist im Juni dieses Jahres endlich in Betrieb gegangen. Grund für diese Verzögerung: Die Anlage musste für zusätzliche 700.000 Euro mit vier Abluftkaminen nachgerüstet werden.

Dienstag, 29.09.2020, 23:30 Uhr aktualisiert: 30.09.2020, 06:30 Uhr
Helmut Schmitz, Technischer Leiter des KUW, steht in der Solar-Klärschlammtrocknung, die im Juni ihren Betrieb aufgenommen hat. 3000 Tonnen Klärschlamm können in dieser Anlage jährlich mit Hilfe von Sonnenenergie getrocknet werden. Foto: Ralf Benner

Hintergrund war eine juristische Auseinandersetzung zwischen Anliegern der Kläranlage und der Bezirksregierung Detmold .

Anlieger-Klage gegen Betriebsgenehmigung erfolgreich

Die Anrainer hatten erfolgreich gegen die durch die Bezirksregierung erteilte erste Betriebsgenehmigung geklagt.

Sie befürchteten, dass Emissionen durch den Transport des Klärschlamms auf der Kläranlage und in die Trocknungsanlage zu Beeinträchtigungen führen.

Als Ergebnis dieser Nachbarschaftsklage war es notwendig, vier Doppelkamine mit einer Gesamthöhe von 15 Metern zu errichten. Damit soll erreicht werden, dass die Abluft geringere Belastungen aufweist.

Angesichts einer verhältnismäßig großen Menge an Klärschlamm lässt die Hansestadt Warburg diesen in Bielefeld verbrennen – auf den Feldern wird er nämlich längst nicht mehr als Dünger ausgebracht.

Die neu errichtete Solar-Klärschlammtrocknung in der Kuhlemühle musste mit diesen vier Abluftkaminen nachgerüstet werden.

Die neu errichtete Solar-Klärschlammtrocknung in der Kuhlemühle musste mit diesen vier Abluftkaminen nachgerüstet werden. Foto: Ralf Benner

Dafür war eigens die Solar-Klärschlammtrocknung errichtet worden. „160 solcher Anlagen gibt es in Deutschland, in OWL sind es nur zwei – in Augustdorf und bei uns in Warburg“, sagt Helmut Schmitz, Technischer Leiter des Kommunalunternehmens der Stadt (KUW).

3000 Tonnen Klärschlamm pro Jahr trocknen

Jährlich können nun 3000 Tonnen Klärschlamm mittels Sonnenenergie in der Anlage getrocknet werden.

„Das dauert sechs bis zehn Wochen, je nach Jahreszeit und Wetter“, berichtet Schmitz. Am Ende bleiben 1000 Tonnen Schlamm übrig, der eine Konsistenz von grobkörniger Asche hat und später in Bielefeld verbrannt wird.

„Wir sparen also Gewicht – und damit auch höhere Kosten für Transport und Verbrennung“, erklärt der Abwasserexperte.

Die Idee, eine Trocknungsanlage für Klärschlamm zu bauen, entstand aus einer Kooperation mit der Südzucker AG heraus. Wie berichtet, waren nach Bekanntwerden der Schließungspläne für die Zuckerfabrik alle laufenden Umbaumaßnahmen im Zentralklärwerk erst einmal auf Eis gelegt worden .

Regressforderungen bei Rückzahlung von Fördermitteln

Die Stadt Warburg erwägt weiterhin Regressforderungen gegen die Südzucker AG, sollte es zu Rückzahlungen von Fördermitteln kommen, die das Land für die Umbauarbeiten gewährt hatte (siehe Info-Kasten). Summen nennt die Verwaltung nicht.

„Wegen der Corona-Pandemie sind die Gespräche mit Südzucker zum Erliegen gekommen. Sie sind jetzt aber wieder aufgenommen worden“, berichtet KUW-Vorstand Klaus Braun, 1. Beigeordneter der Stadt, dem WESTFALEN-BLATT. Auch mit der Bezirksregierung und dem Land werde gesprochen.

Anstehende Investitionen in die Zentralkläranlage zurückfahren

Mit dem Ende der Zuckerfabrik ist auch das Verbund-Abwasserbeseitigungskonzept für das kommunale Abwasser und das Industrieabwasser des Unternehmens endgültig Geschichte. Jetzt muss umgeplant werden. In der Kläranlage wird zukünftig nur noch das kommunale Abwasser behandelt.

Die noch anstehenden Investitionen in die Zentralkläranlage müssen zurückgefahren werden. »Die Dimensionierung der Anlagen ändert sich«, erklärt der Technische Leiter des KUW, Helmut Schmitz.

Das Abwasserbehandlungskonzept sah vor, dass das Industrieabwasser der Zuckerfabrik in der Kläranlage auf vielfältige Weise hilfreich zum Einsatz kommt.

Kein Neubau eines Faulturms

Demnach sollte das Abwasser, das zur Reinigung und zum Transport der Rüben benutzt wird, einem neuen Faulturm zugeführt werden, wo es Gase bildet, mit denen schließlich Strom erzeugt wird. Der Neubau dieser Faulungsanlage ist durch den Wegfall der Fabrik nun nicht mehr erforderlich.

Geplant ist aber weiterhin, die mittlerweile 39 Jahre alte Zentralkläranlage energetisch zu ertüchtigen. Demnach soll die veraltete Belüftungsanlage, mit der Sauerstoff aus der Luft in die Klärbecken gepumpt wird, in den nächsten Jahren sukzessive erneuert werden, berichtet Schmitz.

Kooperationsvertrag

Hintergrund der Umbaumaßnahmen in der Kläranlage an der Kuhlemühle ist der bereits seit dem Jahr 1984 bestehende und erst im September 2016 erweitert geschlossene Kooperationsvertrag zur Abwasserbehandlung zwischen Südzucker AG und KUW. Dieser umfasst ein Investitionsvolumen von 16,2 Millionen Euro, mit dem die Zentralkläranlage umfassend modernisiert werden sollte. Das Land fördert das Vorhaben mit 9,8 Millionen Euro. Eingesetzt wurden von den Mitteln bereits 7,7 Millionen Euro, davon 4,3 Millionen Euro an Fördermitteln.

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