Warburger CDU zwar „vollauf zufrieden“, beklagt aber „schmerzhafte Verluste“
Wahlsieg mit Wermutstropfen

Warburg (WB). Im Warburger Stadtrat hat die CDU am Sonntag ihre absolute Mehrheit souverän behaupten können. Dem Unionsblock gehören 20 von 38 Ratsmitgliedern an. Hinzu kommt die Stimme des neu gewählten Bürgermeisters Tobias Scherf. CDU-Stadtverbandsvorsitzender Hubertus Kuhaupt ist mit diesem Ergebnis »vollauf zufrieden«.

Dienstag, 15.09.2020, 11:37 Uhr aktualisiert: 15.09.2020, 11:40 Uhr
SPD-Bürgermeisterkandidat Eric Volmert hat dem neu gewählten Warburger Bürgermeister Tobias Scherf (CDU) coronabedingt mit dem Ellenbogen zum Wahlsieg gratuliert. Beide bescheinigten einander, einen fairen Wahlkampf geführt zu haben. Foto: Ralf Benner

»Wir haben unser Wahlziel, die absolute Mehrheit zu verteidigen, erreicht«, sagte Kuhaupt dem WESTFALEN-BLATT. Die CDU gewann 18 der 19 Wahlbezirke direkt. Allein in Bonenburg gab es für die Union auch bei dieser Wahl, wie schon 2014, nichts zu holen. Dort hat Gerhard Rose (Bürger Union) den CDU-Kandidaten Antonius Tillmann abgehängt. Tillmann gelangte auch nicht über Reservelistenplatz 5 in den Rat.

Verluste in der Kernstadt

Die CDU kam im Stadtgebiet Warburg insgesamt auf 51,5 Prozent der Stimmen, was ein Minus von 2,3 Prozentpunkten ausmacht. Sie ist damit zwar weiterhin stärkste Kraft, doch „es gab auch schmerzliche Verluste“, wie Kuhaupt einräumen musste, „insbesondere in der Kernstadt“.

Glücklich sind die Christdemokraten über das Abschneiden von zwei Neulingen: Thomas Vonde hat in Germete auf Anhieb 68,4 Prozent geholt. Damit hat er nicht nur souverän seinen Vater Willi Vonde abgelöst, sondern auch noch 2,6 Prozentpunkte mehr ergattert als dieser 2014. Und Thomas Klenke holte bei seiner ersten Kandidatur in Daseburg 62 Prozent – und damit 2,6 Prozentpunkte mehr als das Rats-Urgestein Hermann-Josef Ewe 2014.

Der CDU ist es auch gelungen, gleich zwei Kandidaten aus Doppelwahlkreisen in den Rat zu bringen: Roberto Fiesseler (Wormeln, Wahlbezirk Wormeln/Welda) und Michael Blome (Menne, Wahlbezirk Dössel/Menne) rutschten über die Reserveliste in den Rat. Für die CDU durchaus bitter ist dagegen das Ausscheiden von Heinrich Mellwig aus Nörde, der nicht mehr im Rat vertreten ist. Der CDU-Ortsvorsteher hatte den Reservelistenplatz 3, gezogen wurde aber nur bis Platz 2.

Grüne sind Gewinner

Verluste von 2,3 Prozentpunkten verzeichnet auch die SPD, die auf insgesamt 19,4 Prozent kam. Das reicht für sieben Sitze im Stadtparlament, einer weniger als zuvor. Die SPD konnte insbesondere in der Kernstadt punkten, schnitt aber auch in Ortschaften wie Herlinghausen, Dössel, Hohenwepel oder Dalheim gut ab.

Ein großer Gewinner der Stadtratswahl sind die Grünen. Sie konnten stark um 3,5 Prozentpunkte auf 12,4 Prozent zulegen. Sie gewinnen gegenüber 2014 gleich zwei Ratssitze hinzu und werden nun mit fünf Mitgliedern im Stadtparlament vertreten sein. Insbesondere in der Kernstadt schnitten sie sehr gut ab, konnten die SPD in den Stimmbezirken Warburg 3 (Josef Schrader), 6 (Hermann Ludwig) und 7 (Doris Hauck) als zweitstärkste Kraft ablösen.

Die Bürger Union kann sich zwar über den Gewinn des Direktmandates in Bonenburg freuen, musste aber insgesamt leichte Verluste von 1,2 Prozentpunkten hinnehmen. Die BU kam auf 7,7 Prozent und erhält dafür drei Ratsmandate (2014: 4). Schmerzhaft: Vorsitzender Wolfgang Gumm verlor in seinem Bezirk Dössel fast zehn Prozentpunkte.

AfD zieht erstmals ein

Mit 4,28 Prozent ist die AfD erstmalig in das Stadtparlament eingezogen. Sie erhält dafür zwei Sitze. AfD-Spitzenkandidat Norbert Senges wird demnächst in Doppelfunktion Politik machen, als Kreistagsmitglied in Höxter und als Ratsherr in Warburg. Die AfD hat vor allem in der Kernstadt sowie in Rimbeck und Dalheim Stimmen holen können. In den anderen Ortschaften gab es dagegen fast nichts.

Als AfD-Ratsherr ist eigentlich Gerd Beine über Listenplatz 2 in den Rat gerutscht. Wie berichtet, ist Beine aus der Partei ausgestiegen und hat bereits angekündigt, ein mögliches Mandat auch nicht antreten zu wollen. Was macht er jetzt? Geht er doch als parteiloses Mitglied in den Rat oder überlässt er seinen Platz Andreas Braunst, der für die AfD auf Platz 3 der Reserveliste steht?

Bei der FDP bleibt es bei einem Sitz. Sie hat 0,5 Prozentpunkte verloren und kam auf 3,1 Prozent. Die Linke erreichte zwar 1,3 Prozent (ein Minus von 1,4 Prozentpunkten), verlor aber ihren bisherigen Ratssitz.

Wahl des Stadtrates

Für den neu gewählten Warburger Stadtrat wurden insgesamt 38 Sitze vergeben. Die CDU erhält 20 Ratsmandate, die SPD 7. Die Grünen haben bei dieser Wahl 5, die BU 3, die AfD 2 und die FDP ein Ratsmandat geholt.

CDU: Franz Freitag, Thomas Berens, Frank Scheffler, Birgit Kuchenreiter, Heike Kaebsch, Stefan Rehrmann, Ulrich Nolte, Wolf-Rüdiger Mutter, Bastian Altmann, Johannes Thonemann, Annette Lages, Anton Güthoff, Daniel Strathaus, Thomas Klenke, Walter Güntermann, Thomas Vonde, Hubertus Kuhaupt, Heinrich-Josef Bodemann (alle Direktmandat), Roberto Fiesseler, Michael Blome (Reserveliste).

SPD: Eric Volmert, Gabriele Daly, Patrick Engelbracht, Vera Wedekind, Rainer Backhaus, Eva-Maria Büchsenschütz, Alexander Neumann (alle Reserveliste).

BU: Gerhard Rose (Direktmandat), Wolfgang Gumm, Detlef Schlaß (Reserveliste).

Grüne: Hilla Zavelberg-Simon, Josef Schrader, Doris Hauck, Hermann Ludwig, Maria Theresia Herbold (alle Reserveliste).

FDP: Melanie Eichert (Reserveliste).

AfD : Norbert Senges, Gerd Beine (alle Reserveliste).

Die Ergebnisse der Warburger Ratswahl

So wurde in den 24 Stimmbezirken abgestimmt:

Warburg I: CDU 37,5 (45,1); SPD 19,4 (18,0); Grüne 16,7 (10,1); BU 9,3 (12,9); FDP 5,2 (7,9); Linke 3,8 (6,1); AfD 8,1 (-).

Warburg II: CDU 44,0 (55,6); SPD 29,8 (21,4); Grüne 14,9 (10,0); BU 3,0 (4,5); FDP 2,5 (5,5); Linke 0,7 (2,9); AfD 5,2 (-).

Warburg III: CDU 46,9 (52,0); SPD 20,1 (17,6); Grüne 20,7 (12,9); BU 2,3 (5,4); FDP 2,3 (8,4); Linke 2,0 (3,7); AfD 5,7 (-).

Warburg IV: CDU 35,5 (41,3); SPD 25,8 (23,9); Grüne 23,8 (16,3); BU 6,3 (9,4); FDP 3,1 (6,1); Linke 2,0 (3,1); AfD 3,4 (-).

Warburg V: CDU 51,0 (47,2); SPD 17,0 (21,9); Grüne 11,7 (12,1); BU 9,7 (11,7); FDP 2,2 (3,1); Linke 2,2 (4,0); AfD 6,2 (-).

Warburg VI: CDU 43,9 (51,8); SPD 14,9 (24,8); Grüne 21,1 (10,8); BU 6,0 (5,2); FDP 6,4 (3,7); Linke 2,7 (3,7); AfD 5,1 (-).

Warburg VII: CDU 34,5 (44,1); SPD 18,0 (24,1); Grüne 25,8 (17,1); BU 11,4 (5,5); FDP 3,0 (5,5); Linke 2,0 (3,8); AfD 5,4 (-).

Warburg VIII: CDU 35,3 (45,0); SPD 29,8 (23,5); Grüne 18,5 (18,2); BU 3,0 (5,4); FDP 4,2 (3,7); Linke 0,9 (4,3), AfD 8,3 (-).

Scherfede I: CDU 48,4 (50,9); SPD 11,5 (23,2); Grüne 17,5 (10,0); BU 8,4 (2,6); FDP 6,6 (8,0); Linke 3,3 (2,1); AfD 4,3 (-).

Scherfede II: CDU 58,2 (59,3); SPD 18,6 (18,2); Grüne 10,8 (8,7); BU 6,0 (4,3); FDP 3,3 (8,0); Linke 3,3 (3,8); AfD - (-).

Bonenburg: CDU 32,7 (23,9); SPD 6,3 (9,2); Grüne 2,0 (0,9); BU 54,3 (62,2); FDP 1,0 (1,7); Linke 1,0 (2,1); AfD 2,6 (-).

Rimbeck: CDU 54,1 (56,8); SPD 18,2 (18,2); Grüne 7,1 (2,9); BU 11 (17,0); FDP 1,5 (1,0); Linke 1,0 (4,1); AfD 7,1 (-).

Daseburg: CDU 62,0 (57,4); SPD 27,3 (31,5); Grüne 3,9 (5,9); BU 1,5 (1,9); FDP 0,8 (2,5); Linke - (0,8); AfD 4,5 (-).

Ossendorf: CDU 69,7 (57,0); SPD 11,6 (31,3); Grüne 7,3 (4,8); BU 3,9 (5,1); FDP 2,2 (0,6); Linke 1,2 (1,3); AfD 4,1 (-).

Germete: CDU 68,4 (65,8); SPD 10,3 (14,0); Grüne 10,1 (7,4); BU 7,4 (7,4); FDP 1,7 (2,7); Linke - (2,7); AfD 2,1 (-).

Menne: CDU 71,6 (68,7); SPD 13,3 (23,4); Grüne 7,3 (2,0); BU 4,7 (4,2); FDP 0,5 (0,3); Linke 0,5 (1,5); AfD 2,1 (-).

Dössel: CDU 54,6 (62,3); SPD 28,9 (9,7); Grüne 5,5 (7,0); BU 7,7 (17,0); FDP 0,6 (2,9); Linke 0,0 (1,2); AfD 2,8 (-).

Nörde: CDU 56,0 (75,4); SPD 15,7 (6,3); Grüne 8,1 (3,4); BU 6,0 (12,8); FDP 10,7 (1,8); Linke 0,3 (0,3); AfD 3,1 (-).

Hohenwepel: CDU 68.6 (49,0); SPD 21,1 (41,9); Grüne 4,9 (3,6); BU 1,5 (2,2); FDP 1,3 (1,4); Linke 0,5 (1,9); AfD 2,1 (-).

Welda: CDU 71,9 (72,0); SPD 6,9 (10,3); Grüne 7,7 (12,2); BU 2,3 (2,7); FDP 7,4 (0,0); Linke - (2,7); AfD 3,8 (-).

Wormeln: CDU 55,5 (65,0); SPD 14,9 (12,2); Grüne 17,2 (15,1); BU 4,9 (3,2); FDP 4,2 (1,9); Linke - (2,6); AfD 3,3 (-)

Calenberg: CDU 71,4 (86,5); SPD 15,0 (6,3); Grüne 7,7 (2,7); BU 2,6 (2,3); FDP 1,7 (0,5); Linke - (1,8); AfD 1,7 (-).

Dalheim/Warburg: CDU 38,8 (54,8); SPD 32,8 (30,1); Grüne 13,4 (8,2); BU 3,0 (0,0); FDP 3,0 (4,1); Linke - (2,7); AfD 9,0 (-).

Herlinghausen: CDU 18,8 (22,6); SPD 73,9 (74,7); Grüne 3,9 (0,5); BU 1,0 (1,4); FDP 0,5 (0,0); Linke - (0,9); AfD 1,9 (-).

Ein Kommentar von Ralf Benner

Die Warburger haben entschieden und nach 16 Jahren, in denen Michael Stickeln auf dem Chefsessel im Behördenhaus saß, mit Tobias Scherf nun einen neuen CDU-Bürgermeister ins Amt geholt. Der 52-Jährige genießt ganz offenbar das Vertrauen der Bürger, 54,4 Prozent der Wähler hat der Christdemokrat überzeugen können.

Im Rat behält die CDU weiterhin die absolute Mehrheit. Trotz leichter Verluste sind die Christdemokraten neben den Grünen, die sich im Aufwind befinden, die klaren Gewinner dieses Urnengangs. So weit, so gut. Damit könnte ein Kommentar zu dem Ergebnis der Ratswahl an dieser Stelle eigentlich enden, doch so einfach ist es nicht.

Denn am Tag nach der Wahl ist nicht alles Gold, was glänzt. Die Warburger CDU ist zwar weiterhin stärkste Kraft und CDU-Stadtverbandschef Hubertus Kuhaupt sieht sich und seine Partei bestätigt, doch auch er legt den Finger in die Wunde. Trotz aller berechtigten Freude über den Wahlsieg sind es die „schmerzhaften Verluste“, insbesondere in der Kernstadt, die ihm und den Christdemokraten nun durchaus Sorgen bereiten dürften.

Auffällig ist, dass die CDU-Kandidaten in der Kernstadt sehr schlechte Ergebnisse erzielt haben: Franz Freitag (37,5 Prozent), Birgit Kuchenreiter (35,5) oder Ulrich Nolte (34,5). Sie alle haben zwar ein Direktmandat geholt, ihre Stimmenausbeute aber war gegenüber 2014 bescheiden.

Die parteiintern nicht unumstrittenen Heike Kaebsch (50,9) und Stefan Rehrmann (43,9) holten hingegen mit die besten Ergebnisse für die CDU. Darüber werden die Christdemokraten jetzt nachdenken müssen.

Bürgermeister- und Ratswahl in der Hansestadt werden zwar bekanntlich über die Dörfer gewonnen, doch die Kernstadt sollte dabei nicht vernachlässigt werden. Die CDU muss sich nun fragen, was zu tun ist, um in der Kernstadt wieder näher am Wähler zu sein. Es ist insbesondere Aufgabe des CDU-Ortsverbandes Warburg, dafür auch das richtige Personal auszuwählen. Nur so wird es der CDU gelingen, langfristig stärkste Kraft in Warburg zu bleiben. Der Verlust der Mehrheiten auf Kreisebene und in Borgentreich sollten der CDU dabei als Warnung dienen.

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