CDU setzt auf Sieg – Grüne geben keine Empfehlung – SPD will in die Stichwahl
Premiere für Polit-Talk im Johannes-TV

Warburg (WB).  Die CDU in Warburg setzt darauf, am Sonntag bei der Kommunalwahl die absolute Mehrheit zu verteidigen und mit Tobias Scherf den neuen Bürgermeister zu stellen. Die SPD ist sich sicher, dass die Christdemokraten erstmals seit Jahrzehnten nicht mehr alleine regieren können und dass es zur Stichwahl um das Bürgermeisteramt kommt. Die Grünen hoffen auf ein gutes Ergebnis, geben den Wählern aber keine Empfehlung, bei welchem der drei Bürgermeisterkandidaten sie das Kreuzchen machen sollten. Und die Bürger Union will die Zahl ihrer Ratsmandate halten und möglichst ausbauen.

Donnerstag, 10.09.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 10.09.2020, 05:05 Uhr
WESTFALEN-BLATT-Redaktionsleiter Jürgen Vahle (rechts) hat beim Polit-Talk im Seniorenzentrum St. Johannes (von links) Eric Volmert (SPD), Tatjana Lütkemeyer (Bürger Union), Hilla Zavelberg-Simon (Grüne) und Tobias Scherf (CDU) bei einer Runde befragt. Foto: Daniel Lüns

Solche und viele weitere Aussagen gab es am Dienstagabend bei einem Polit-Talk im Seniorenzen­trum St. Johannes. Der Bewohnerbeirat hatte dazu je einen Vertreter der Fraktionen (mindestens zwei Mitglieder) im aktuellen Warburger Rat eingeladen. Für die CDU nahm Bürgermeisterkandidat Tobias Scherf teil. Die SPD war mit Bürgermeisterkandidat Eric Volmert vertreten. Tatjana Lütkemeyer, Bürgermeisterkandidatin der Bürger Union, und Grünen-Fraktionsvorsitzende Hilla Zavelberg-Simon nahmen ebenfalls an der Runde mit reichlich Corona-Abstand im Binnenhof des Seniorenzentrums an der Landfurt teil. Moderiert wurde die Veranstaltung von Jürgen Vahle, Redaktionsleiter des WESTFALEN-BLATTES in Warburg.

Inhaltlich hatten der Diskussionsleiter und der Bewohnerbeirat Fragen zu den großen Themen Handel/Tourismus, Innenstadtentwicklung, Soziales Miteinander, Mobilität und Verkehrslenkung sowie Digitalisierung ausgearbeitet. Alle Kandidaten konnten noch einmal ihre persönliche Sicht der Dinge und die ihrer Partei in aller Kürze darlegen.

Tourismus

Einig waren sich alle vier Teilnehmer, dass der Tourismus in Warburg großes Potential hat. Tobias Scherf (CDU) will es sogar zu einem seiner drei wichtigsten Themen machen, sollte er die Wahl gewinnen. Er sieht hier eine große Aufgabe für ein aktives Stadtmarketing. Es müsse eine Verknüpfung mit den Tourismusverbänden in einem breiten Radius geben. Für Eric Volmert steht fest, dass Warburg in Sachen Tourismus besser werden muss. Eine Art Marco-Polo-Reiseführer für die Stadt schwebt ihm vor. Tatjana Lütkemeyer sieht zwar Verbesserungspotential (beispielsweise bei der Radwegebeschilderung), berichtet aber auch von vielen zufriedenen Gästen. Für die Grünen ist der sanfte Tourismus (Wanderer, Radfahrer) in Corona-Zeiten ein gutes Beispiel, wie Fremdenverkehr und Umweltschutz sinnvoll kombiniert werden können und Chancen für Warburg bieten. Daran müsse man mit Programmen weiter arbeiten. Alle Beteiligten müssten an einen Tisch.

Handel

Dass etwas für die Innenstadt und den Handel getan werden muss, darin waren sich ebenfalls alle einig. Die zu beschreitenden Wege gehen aber in Teilen auseinander. Tobias Scherf setzt auch hier auf das Stadtmarketing, dass die Kaufmannschaft bei der Organisation von Festen und Veranstaltungen unterstützt. In vielen Gesprächen mit den Einzelhändlern habe er zudem erfahren, dass die Einrichtung einer Fußgängerzone nicht gewünscht sei – und von der CDU auch derzeit nicht befürwortet werde. Parkplätze in der Innenstadt, die Erreichbarkeit der Geschäfte, sei für den Einzelhandel in dieser schwierigen Phase extrem wichtig. Er setze aber weiter auf das in Auftrag gegebene Innenstadtkonzept.

Das sehen Eric Volmert und Hilla Zavelberg-Simon etwas anders. Volmert und die SPD wollen kurzfristig, dass zumindest der frühere Zustand (Obere Hauptstraße halbtags gesperrt) wieder eingerichtet wird. Langfristig könne die Stadt komplett autofrei sein. Da gehen auch die Grünen mit, die die Innenstadt mit der Ausnahme von Anlieferzeiten ebenfalls sperren würden, wie Hilla Zavelberg-Simon berichtet. Ohnehin gebe es ein Bürgervotum zur Halbtagssperrung, das von der CDU nach Ende der Arbeiten zum barrierefreien Ausbau nicht mehr berücksichtigt worden sei. Die Grünen bringen auch die Idee eines E-Busses ins Spiel, der die Kunden in die Stadt bringt.

Soziales Miteinander

Mit einer Idee überraschte Eric Volmert bei der Frage, wie das soziale Miteinander von Alt und Jung gestaltet werden kann. Er plädiert dafür, in jedem Dorf Begegnungsräume einzurichten. Auch ein Seniorenbeirat, der dem Rat direkt Anträge vorlegen könne, schwebt ihm vor.

Tobias Scherf sieht ältere Menschen durchaus gut im Rat repräsentiert, in den ja auch viele ältere Mitglieder gewählt würden. Er will lieber den Orten, in denen es den Wunsch nach Treffpunkten gibt, unter die Arme greifen. Musterbeispiel sei Dalheim, in dem die alte Schule nach dem Wunsch der Bürger bald neu genutzt werde. Sowohl CDU als auch SPD sprechen sich für die Einrichtung eines Jugendgremiums aus, das dem Rat helfen soll, richtige Entscheidungen zu treffen. Ob auch in Warburg – wie von manchen Jugendlichen gefordert – ein Skatepark gebaut werden kann, müsse dann in diesem Jugendbeirat vorgeschlagen werden. Darauf will Eric Volmert die CDU übrigens nach der Wahl festnageln.

Mobilität

Bei der Frage, wie der Busverkehr verbessert werden könnte, setzt Tobias Scherf darauf, dass Stadt und Kreis Verkehrssysteme besser verknüpfen. Im ländlichen Raum sei Flexibilität gefragt. Das System der Anruf-Sammeltaxis müsse geprüft werden. In Nordhessen sei das sehr erfolgreich.

Die SPD setzt auch auf Gespräche mit den Verkehrsunternehmen in der nächsten Verhandlungsrunde. Eric Volmert nahm in diesem Zusammenhang aber den Warburger Bürgerbus aus der Diskussion. Der dürfe nur dort fahren, wo keine öffentlichen Linien angeboten würden. Die Grünen sehen Chancen in den neuen Medien, mit denen eine Vernetzung verschiedener öffentlicher Verkehrsmittel möglich werden soll. Dass etwas verbessert werden muss, davon ist auch Tatjana Lütkemeyer überzeugt – allerdings sei das Problem lange bekannt.

Wirtschaft

Tobias Scherf nimmt bei den heimischen Unternehmen eine hohe Zufriedenheit war, will aber weiter unterstützen, indem er gut nachvollziehbare und klare Rahmenbedingungen schafft. Die neue Anbindungsstraße sei ein solches Beispiel.

Eric Volmert will sich dafür einsetzen, dass die Stadt umfangreichere Gewerbeflächen als bislang für größere Firmen vorhält. Projektierer hätten bereits ein Auge auf die Stadt geworfen. Mit solchen Unternehmen und der Belegschaft käme auch wieder Leben in die Innenstadt.

Auch die Grünen wollen den guten Mix an Firmen erhalten und fördern – allerdings auch den Bogen spannen zu Familie und Schule. Warburg müsse so aufgestellt sein, dass sich Familien hier wohlfühlen. Und die Grünen wollen darauf achten, dass sich die Firmen ökologisch aufstellen.

Die Bürger Union sieht den Fokus der Wirtschaftsförderung in der Innenstadt, nicht mehr in den Industriegebieten. Es dürften nicht mehr so viele Geschäfte schließen müssen.

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