Ein Blick in das Leben von Frank und Theresia Brinkmann
Aus der Altstadt in die Prärie

Warburg (WB). Dieses Foto des Ehepaars Frank und Theresia Brinkmann wurde zu einem unbekannten Zeitpunkt in den USA im Bundesstaat Nebraska aufgenommen. Möglicherweise entstand es aus Anlass des 40. Hochzeitstages. Was es damit auf sich hat und was das alles mit Warburg zu tun hat, berichtet das WESTFALEN-BLATT in Kooperation mit dem Stadtarchiv in einer neuen Folge unserer mittlerweile ausgesprochen beliebten Serien „Ein Bild – und seine Geschichte“.

Samstag, 05.09.2020, 03:03 Uhr aktualisiert: 05.09.2020, 03:20 Uhr
Franz „Frank“ Brinkmann und seine Ehefrau Theresia geborene Rose stammen aus der Warburger Altstadt. In den USA wurden sie zu hoch angesehenen Landwirten. Foto: Stadtarchiv Warburg

Geboren wurden Frank und Theresia Brinkmann in der Warburger Altstadt. Der Ehemann am 13. März 1842 als erstes Kind des Schäfers Johann Brinkmann und dessen Ehefrau Sophie geb. Peine, vermutlich im elterlichen Haus an der Büssengasse; die Ehefrau am 29. September 1845. Ihre Eltern waren der Schuhmacher Carl Rose und seine Ehefrau Benedicta geborene Spies.

Schiff stach 1867 in See

Franz „Frank“ Brinkmann starb am 30. November 1910 im Gosper County, Nebraska (USA). Dort hatte er sich ab 1878 einen zuletzt rund 130 Hektar großen landwirtschaftlichen Betrieb aufgebaut. Seine Witwe starb am 20. Mai 1914.

Am 17. Mai 1867 stach in Bremerhaven das Auswandererschiff „Western Metropolis“ in See. Unter den 331 Passagieren waren auch Franz Brinkmann, seine Verlobte Theresia Rose, seine Mutter, seine Geschwister Johannes und Anna Maria und seine Stiefschwester Anna. Der Vater Johann Brinkmann war 1851 verstorben, ein Jahr später hatte die Mutter den Schreiner Josef Berlage geheiratet. Berlage war bereits 1856 in die USA ausgewandert und nahm am amerikanischen Bürgerkrieg teil. Sein weiteres Schicksal ist nicht eindeutig zu klären. Am 10. Juni 1867 traf die Familie in New York ein.

Einer der ersten Siedler

Der erste Wohnsitz der Neuankömmlinge war Milwaukee im Bundesstaat Wisconsin. Dort schlossen Franz Brinkmann, der sich nun Frank nannte, und Theresia Rose am 21. Februar 1868 die Ehe. Zehn Jahre später machte sich Frank Brinkmann auf den Weg in die Prärie, ins Gosper County im Süden von Nebraska. Dieser Bundesstaat ist heute einer der führenden Agrarerzeuger in den USA, 95 Prozent der Fläche werden landwirtschaftlich genutzt. Angebaut werden insbesondere Mais, Weizen, Hirse, Sojabohnen und Zuckerrüben.

Frank Brinkmann gehörte dort zu den ersten Siedlern, eine irgendwie geartete Infrastruktur gab es im Gosper County zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Dort, wo jahrhundertelang Büffel geweidet hatten und die Sioux geherrscht hatten, nahm Brinkmann nach und nach den Boden unter den Pflug. Seine Ehefrau und das erste Kind holte er 1879 nach Nebraska. Zu dieser Zeit lebte der nächste Nachbar mehr als fünf Kilometer entfernt.

Nachfahre besucht Warburg

Aus der Ehe mit Theresia Rose gingen fünf Kinder hervor. Seine Schwester und seine Halbschwester waren ebenfalls mit Siedlern verheiratet und lebten in der Nachbarschaft. Der Bruder Johannes hatte sich als Kaufmann in Rozellville (Wisconsin) niedergelassen und handelte unter anderem mit den dort ansässigen Indianerstämmen. Die Mutter Sophie Brinkmann starb am 8. Mai 1899 im Alter von fast 83 Jahren in Holbrook, Nebraska.

In Nachrufen wird Frank Brinkmann als „pioneer settler“ und als hoch angesehener Landwirt bezeichnet. Ein Nachfahre seines Bruders Johannes Brinkmann besuchte auf der Suche nach Spuren seiner deutschen Vorfahren vor einigen Jahren Warburg. Aus seiner Familiengeschichte stammt das Foto von Frank und Theresia Brinkmann.

Zur Serie

Gemeinsam mit dem Warburger Stadtarchiv im „Stern“ bietet das WESTFALEN-BLATT die Serie „Ein Foto – und seine Geschichte“. Wir haben interessante Motive und selten erzählte Geschichten entdeckt, die wir in loser Reihenfolge in dieser Zeitung aufbereiten sowie auf unseren Online-Kanälen präsentieren. Die bald 1000-jährige Stadtgeschichte bietet eine Fülle an Themen.

Viel Freude beim Lesen!

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