Bürger wollen Situation in Menne, Nörde und Bonenburg nicht länger akzeptieren
„Tunnel unter der Bahn bauen“

Warburg (WB). Das Projekt hört sich ambitioniert, fast unrealistisch an. Aber in Bonenburg, Nörde und Menne ist man fest entschlossen, dafür zu kämpfen. Lokalpolitiker und viele Dorfbewohner wollen erreichen, dass die Deutsche Bahn auf ihrer Strecke 2970 (Altenbeken – Warburg) mehr Lärmschutz betreibt und die beiden Bahnübergänge Bördestraße (Menne) und Eggestraße (Bonenburg) untertunnelt.

Freitag, 07.08.2020, 21:30 Uhr
Die Einwohner in Menne befürchten, dass sie in Zukunft noch länger vor den Schranken an der Bördestraße warten müssen. Gleiches gilt für die Bonenburger an der Eggestraße. Grund ist die befürchtete Zunahme des Güterverkehrs. Foto: Jürgen Vahle

Schon heute sei die Belastung durch den Bahnverkehr in den Orten enorm, berichtet Ratsherr Michael Blome bei einem von der CDU organisierten Vor-Ort-Termin in Menne, zu dem Lokalpolitiker, Bürger und auch CDU-Bundestagsabgeordneter Christian Haase gekommen waren.

180 Zugbewegungen auf der Strecke

180 Zugbewegungen gibt es bereits zu wirtschaftlich guten Zeiten auf der Strecke und durch die drei Orte. Bis zum Jahr 2025 sieht die Bahn eine weitere Steigerung um bis zu 80 Zugbewegungen pro Tag. „Das würde bedeuten, dass alle fünf bis sechs Minuten ein Zug direkt durch die Ortschaft fährt“, berichtet Blome.

Das Bahn-Projekt „Kasseler Kurve“ würde die nächste Welle an Zugbewegungen bedeuten. Geplant ist eine Verbindungskurve nördlich von Kassel zwischen der Strecke Warburg – Kassel und Kassel – Hann. Gemünd. Das Projekt soll eine bessere Verbindung der Strecken von Amsterdam und Rotterdam über Mitteldeutschland bis nach Osteuropa ermöglichen. Und alles würde ab 2030 auch durch Bonenburg, Nörde und Menne rauschen. „Der Normalzustand wird sein, dass die Schranken geschlossen sind“, so Blome.

Mehr als 80 dB Lärm zu Spitzenzeiten

Der Menner sieht mit großer Sorgen auf einen über große Zeiträume hinweg zweigeteilten Ort. „Das darf allein aus Sicherheitsgründen so nicht sein“, sagt Blome. Feuerwehr und Rettungswagen, die minutenlang vor der Schranke stehen, seien nicht akzeptabel. Kinder müssten auf dem Weg zur Bushaltestelle die Schienen sicher passieren können.

„Alle sind sich einig, dass Güter weg von der Straße auf die Schienen müssen. Doch an die Menschen, die an den Bahnstrecken leben, muss man auch denken“, bringt Anlieger Jörg Wegge, der am Menner Sonnenhügel wohnt, die Sorgen der Menschen auf den Punkt. Mehr als 80 dB Lärm hat er zu Spitzenzeiten auf seinem Grundstück gemessen. Bei solchen Werten warnen Arbeitsschützer bereits vor einem erhöhten Krankheitsrisiko. Schon heute sei die Situation in manchen Phasen (beispielsweise sonntagsabends) kaum erträglich. „Auf der Terrasse versteht man sein eigenes Wort nicht“, sagt Wegge. Der Lärm der Züge werde wie eine Welle in die Wohngebiete gespült.

Die Akzeptanz schwindet

Die drei Warburger Dörfer galten schon immer als Bundesbahnorte. Die Menschen dort haben Jahrzehnte von und mit der Bahn gelebt. Doch die Akzeptanz schwindet zusehens. „Früher hat das halbe Dorf bei der Bahn gearbeitet, heute ist es bei uns nur noch einer“, begründet Nördes Ortsvorsteher Heinrich Mellwig. Und Antonius Tillmann, CDU-Ratskandidat in Bonenburg, fehlt noch aus einem anderen Grund die wohlwollende Bindung der Bewohner zur Bahn: „In den Orten hält ja nicht einmal mehr ein Zug.“ Man lebe nur noch an einer Durchfahrtsstraße, auf der der Betrieb immer mehr zunehme.

Seit 2018 versuchen die Orte, mit der Bahn ins Gespräch zu kommen. Michael Blome hat einen dicken Ordner mit Briefen, die bereits zwischen Verwaltungen, Politikern und der Deutschen Bahn hin- und her gegangen sind. In den Ortsbeiräten und im Bezirksausschuss Bonenburg stand das Thema immer wieder auf der Tagesordnung. Am 13. Mai 2019 gab es sogar schon einmal einen Vor-Ort-Termin in Menne, an dem CDU-Landtagsabgeordneter Matthias Goeken und Werner Lübbering aus der Konzernleitung der DB in NRW teilgenommen haben. Befriedigende Lösungen auf die Fragen der Bahnanlieger habe der Manager nicht gehabt, bedauert Michael Blome. Immerhin sollten im Auftrag der Bahn Lärmmessungen stattfinden. Die Ergebnisse habe in den drei Orten noch niemand gesehen.

Kosten für Bahntunnel teilen sich Bund, Land und Bahn

Mittlerweile hat sich auch CDU-Bundestagsabgeordneter Christian Haase eingeschaltet. Er weist auf das Ende 2019 novellierte Eisenbahnkreuzungsgesetz hin. Kosten für Bahntunnel, wie sie für Menne und Bonenburg gefordert werden, teilen sich nun Bund, Land und Bahn. Die Stadt Warburg, vor der Novelle noch Mitfinanzierer, wäre damit raus. Daher hoffen die Vertreter aus Menne, Nörde und Bonenburg jetzt, dass auch die Stadt Warburg den Druck erhöhen wird – was Bürgermeister Stickeln bereits zugesagt hat.

Christian Haase hält die Umsetzung des Millionenprojekts jedenfalls nicht für gänzlich unrealistisch und ermunterte die Warburger, am Ball zu bleiben. Wenn die Kurve Kassel bis 2030 fertig sein soll, dann müssen die Projekte in Warburg vorher laufen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7525817?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198395%2F2516019%2F
Kurz vor dem Kontrollverlust
Mit Megafonen wiesen Ordnungsamtsmitarbeiter die Schnäppchenjäger darauf hin, dass die Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten sind.
Nachrichten-Ticker