Bürgermeisterkandidaten äußern sich zu Problemen in Warburg
Wie sieht die Zukunft der Innenstadt aus?

Warburg (WB). Welche politischen Ziele verfolgen die Bürgermeisterkandidaten im Altkreis Warburg? Wie wollen sie die Probleme in den Kommunen anpacken und lösen? Fragen dieser Art werden im Wahlkampf normalerweise bei öffentlichen Veranstaltungen wie Podiumsdiskussionen oder Vorstellungstreffen beantwortet. Das ist in Zeiten von Corona so nicht möglich.

Freitag, 07.08.2020, 23:33 Uhr aktualisiert: 07.08.2020, 23:40 Uhr
Zur Zukunft der Warburger Innenstadt äußern sich die drei Bürgermeisterkandidaten. Foto: Christian Geschke

Das WESTFALEN-BLATT will aber in den kommenden Wochen allen Lesern die Möglichkeit geben, sich ein Bild von den Vertretern, die am 13. September auf dem Wahlzettel stehen, zu machen. Daher stellen wir den Kandidaten in Warburg, Borgentreich und Willebadessen jeweils die gleiche Frage und veröffentlichen deren Antworten in einem Text.

Zum Auftakt geht es bei den drei Warburger Kandidaten um die Frage:

Wie stellen Sie sich die Zukunft der Warburger Innenstadt und die Lenkung des Autoverkehrs vor?

Tobias Scherf (CDU): Warburg hat eine attraktive Innenstadt mit wunderschönen historischen Gebäuden, die einmalig in der Region ist und die viel zu bieten hat. Dennoch kämpft auch Warburg mit Fragen des Leerstandes und der Konkurrenz durch den Online-Handel.

Als Bürgermeister für Warburg werde ich aktiv auf eine Steigerung der Attraktivität der Innenstadt hinwirken. Dabei sind mir folgende Punkte wichtig:

  • Erstellung eines integrativen städtebaulichen Entwicklungskonzeptes für die Innenstadt unter Abwägung der verschiedenen Interessen. Dabei werden Einzelhandel, Leerstand, Stadtentwicklung sowie Mobilität und Verkehrsführung berücksichtigt. Änderungen bei der Verkehrsführung werden nur gemeinsam mit den Betroffenen vorangebracht.
  • Stärkung der Gastronomie und Unterstützung von Gastronomen, die ein Café auf dem Markt oder in der Innenstadt betreiben wollen.
  • Stärkung des Tourismus durch ein aktives Stadtmarketing, um Menschen und Leben in die Innenstadt zu bekommen, auch durch die Erweiterung des Einzugsgebietes über die Stadt- und Landesgrenze hinaus.
  • Belebung der Innenstadt durch Neu-Organisation des Stadtmarketings und durch Aktivitäten wie Konzerte, Veranstaltungen, Feste und Märkte.
  • Einrichtung eines regelmäßigen Regionalmarktes unter Berücksichtigung des vorhandenen Angebotes.
  • Auch für die Innenstadt gilt: Warburg wird vor Ort gemacht. Die zahlreichen Aktivitäten von Einzelhändlern, Geschäftsleuten und Vereinen werden weiter gebündelt und vorangebracht. Kaum eine andere Stadt in der Region hat soviel zu bieten wie Warburg. Nutzen wir die Chancen, um das Erfolgreiche noch erfolgreicher zu machen.

 

Eric Volmert (SPD): Warburg hat mit der historischen Innenstadt eine unglaubliche Ausgangslage, wir haben Flair, Geschichte und einen natürlich gewachsenen Stadtkern: Beste Voraussetzungen!

Doch die Zeichen der Zeit sprechen eine andere Sprache, der Internethandel boomt und einiges ist in den letzten Jahren falsch gelaufen. Der Neustadtmarktplatz bietet derzeit weder ein Café noch attraktive Sitzgelegenheiten oder Schatten und wirkt verwaist hinter einer Reihe Autos.

Daher möchte ich kurzfristig gemeinsam mit den Gewerbetreibenden ein nachhaltiges Konzept entwickeln, eine familienfreundliche Fußgängerzone wieder zu realisieren. Ich stelle mir eine belebte Innenstadt vor, die die Menschen besuchen, um einzukaufen, um sich zu treffen, um Gemeinschaft zu leben.

Mit der „Zweiten Heimat“ haben Ehrenamtliche eine Institution für Geflüchtete geschaffen, der Raum direkt am Marktplatz erfreut sich regen Zulaufs. Wir sollten weitere Begegnungsräume schaffen: für Kinder, Jugendliche, Rentner und Randgruppen.

Aus den Erfahrungen der letzten Jahre ist klar, dass der Markt es nicht alleine regelt. Trotz Leerstandes werden weiterhin hohe Mieten verlangt. Wir als Kommune müssen jetzt handeln und gestaltend eingreifen.

Unser Konzept des „3B-Hauses“ unterstützt mit Beruf, Bildung und Betreuung sowie Kulturevents ebenfalls die Innenstadtbelebung. Dieses ließe sich mit einem Gründerzentrum in der Innenstadt verbinden.

Ich möchte die Position eines/r Innenstadtmanager:in schaffen, um gemeinsam mit den ansässigen Akteuren und den Bürger:innen ein nachhaltiges und verkehrlich sinnvolles Innenstadtkonzept zu erstellen.

 

Tatjana Lütkemeyer (Bürger Union): Zu Coronazeiten ist diese Frage nicht ganz einfach zu beantworten, da niemand weiß, wie lange diese noch anhält. Wir von der Bürger Union Warburg sind normalerweise für eine offene, befahrbare Stadt mit vielen Parkplätzen, aber als Gastronom und auch Unternehmerin ist meine Vorstellung von einer wirtschaftlichen und lebendigen Innenstadt, die ab der Pottgasse oder Hellepfortenstraße zur Fußgängerzone bis zur Piepenbrinkgasse in der Saison (April/Oktober) umgewandelt wird, gar nicht so undenkbar.

Der Einzelhandel könnte sich mit Abstand besser präsentieren und die Cafés haben die Möglichkeit, mehr Sitzplätze zu schaffen, somit auch die Aussetzung der Sondernutzungsgebühren zu nutzen und damit das Geschäft wieder anzukurbeln.

Vor dem Info-Center könnten Tische und Stühle stehen (ältere Bürger setzten sich nicht auf die Steintreppe), wo sich Besucher der Stadt setzten können mit selbst gebrachten Getränke und Speisen, wenn wir es schon nicht schaffen, ein Café zu eröffnen. Auch das Wochenmarkttreiben können wir dadurch erweitern.

Wie sich die Zukunft der Innenstadt gestaltet, hängt natürlich auch von dem neuen Innenstadtkonzept ab. Wenn Corona vorbei ist, muss man sich diesbezüglich wieder austauschen.

Immer wieder werden die Geschwindigkeit und Parkmöglichkeit in der Innenstadt bemängelt. Ich stelle mir schon oft die Frage: Warum nutzt man die Fläche bei der St.-Erasmus-Apotheke nicht für zusätzliche Parkflächen. Die Geschwindigkeit könnte man mit Temposchwellen an gezielten Stellen reduzieren. Parkflächen müssen immer noch besser ausgeschildert werden, und das ist nicht nur ein Problem in der Innenstadt.

 

 

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