So sah es in der Warburger Hauptstraße zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus
Reges Leben im Herzen der Stadt

Warburg (WB). Anfang des 20. Jahrhunderts in der unteren Hauptstraße, mitten auf der Straße, vermutlich in Höhe des heutigen Hauses Hauptstraße 25 oder 27, stand der Fotograf, der im frühen 20. Jahrhundert diese Aufnahme machte. Mit diesem Foto beschäftigt sich diese Folge unserer Serie „Ein Bild – und seine Geschichte“.

Freitag, 07.08.2020, 21:07 Uhr aktualisiert: 07.08.2020, 21:10 Uhr
Ein Blick in die Hauptstraße zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Wer genau hinsieht, erkennt einiges wieder. Foto: Stadtarchiv

Zu dieser Zeit standen an der Hauptstraße, die damals noch Lange Straße hieß, zwischen dem ehemaligen Kasseler Tor und dem heutigen Graf-Dodiko-Weg, 86 Privathäuser. 32 Handwerker und Gewerbetreibende, 20 Ladengeschäfte, zwei Hotels und fünf Gaststätten führt das Adressbuch für 1909 mit der Anschrift Lange Straße auf. Das Foto zeigt einen kleinen Ausschnitt.

Links ist der heutige Gebrüder-Warburg-Platz angeschnitten, auf dem damals noch das Kaiser- und Kriegerdenkmal stand. Das erste Haus darunter mit der doppelläufigen Treppe, dem Balkon mit Markise und den ungewöhnlichen runden Fenstern im Dachbereich war 1852 erbaut worden. Daneben hatte Max Berg sein Ladengeschäft, sein anderer Nachbar war der Ratsherr Albert Block, mit der Traufseite zur Straße hin ist das Hotel Dodt zu erkennen, dahinter zumindest in Teilen das Kaiserliche Postamt.

Maßgefertigte Stiefel und Schuhe

Die rechte Bildseite zeigt im Anschnitt das Haus Hauptstraße 25. Hier hatte 1909 Lorenz Kuhlmann seine erste Bäckerei. Schuhmacher August Ide verkaufte im nächsten Haus maßgefertigte Stiefel und Schuhe aus der Fabrik. Hauptstraße 21 wurde 1909 von Antonie Wiedemeier bewohnt. Hinter dem Zugang zur Geismargasse stand das Kaufhaus Menne-Kaufhold mit seinen großen Schaufenstern. Bereits seit 1833 gab es in diesem Haus ein Ladengeschäft, das sich im 20. Jahrhundert auf den Großhandel mit Spirituosen und Tabakwaren spezialisieren sollte.

Hote-Kutsche beförderte Gäste

Im Haus Hauptstraße 17 wartete damals der Gastwirt Ignaz Thiele auf seine Gäste. Das Haus von Steuerrat Klare ist nur zum Teil zu sehen. Auf der Straße fährt stadtauswärts die Kutsche des Hotels zum Desenberg, genannt der „Omnibus“. Er transportierte Hotelgäste zum und vom Bahnhof.

Die Vorgängerbauten der Häuser auf der linken Seite (14, 12, 13) waren am 14. Dezember 1851 einer Brandstiftung zum Opfer gefallen. Der Täter, der noch für zwei weitere Taten verantwortlich gemacht werden konnte, wurde zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt.

Repräsentatives Haus

Das repräsentative Haus direkt unterhalb des heutigen Gebrüder-Warburg-Platz ließ der Rentier Robert Fischer, wohnhaft in Paris, erbauen. Hier hatte zuvor das Haus seines Vaters, des Justizrates Philip Fischer, gestanden, in dem Robert und seine Geschwister, zu denen auch die wohlhabende Victorine Charvin und der damals amtierende Bürgermeister Heinrich Fischer gehörten, geboren worden waren. Der Bauherr bezog in der oberen Etage des neuen Hauses Quartier, wenn er in Warburg zu Besuch war. Hier ist er auch 1870 verstorben. In der unteren Etage wohnte seine Schwester Therese mit ihrem Ehemann, dem Kreisarzt und Sanitätsrat Dr. Dammann und den Kindern. Das Haus blieb im Besitz der Familie Fischer. 1909 gehörte es den Brüdern Dr. Heinrich Fischer zu Riepen und Dr. Albert Fischer, Landgerichtsrat in Wiesbaden. Vermietet war es zu diesem Zeitpunkt an den Schulrat Karl Bauer. Die letzten Bewohner waren das Ehepaar Jansen.

Heinrich Jansen, langjähriger Landrat in Brilon, hatte 1898 Anna-Marie Fischer geheiratet. Nach Ende der Dienstzeit nahm das kinderlose Ehepaar seinen Wohnsitz in Warburg. Heinrich Jansen starb 1941. 1968 wurde das Haus abgerissen, um Platz für Parkplätze zu gewinnen. Anna-Maria Jansen lebte bis zu ihrem Tode 1973 in Warburg.

Eine Darstellung des nun verschwundenen Hauses findet sich im Rathaussaal Zwischen den Städten im linken der beiden Buntglasfenster, die von den Brüdern Dr. Heinrich und Dr. Albert Fischer 1906 gestiftet worden waren.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7525576?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198395%2F2516019%2F
Als Arminia Rapolder wegschoss
Erst zusammen aufgestiegen, dann sorgten Mathias Hain und Co. für das vorzeitige Trainer-Aus von Uwe Rapolder (hinten) in Köln. Foto: Starke
Nachrichten-Ticker