Autos verbeult, Gewächshäuser zerschlagen, Ernteeinbußen erwartet
Hagelzelle über Daseburg

Warburg (WB). Das Unwetter, das am frühen Sonntagmorgen über das Warburger Land hinweg gezogen ist, hat deutlich mehr Probleme bereitet als zunächst gedacht. Vor allem im Ortsgebiet von Warburg-Daseburg gehen die Schäden in die Tausende. Dort schlug der Sturm lokal sehr begrenzt zu.

Montag, 03.08.2020, 21:30 Uhr
148 Scheiben sind an den Gewächshäusern der Gärtnerei Wecker in Warburg-Daseburg durch den Hagel am frühen Sonntagmorgen beschädigt oder ganz zertrümmert worden. Der Schaden liegt im fünfstelligen Bereich, berichtet Sylvia Wecker. Foto: Jürgen Vahle

20 Liter Regen pro Quadratmeter habe es in Warburg gegeben. Die Stadt sei damit der am stärksten betroffene Ort in NRW gewesen. Passiert sei aber nicht viel, haben Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am Sonntag mitgeteilt. Über solche Einschätzungen können viele Daseburger nur den Kopf schütteln. In ihren privaten Messstationen haben sie im Zeitraum zwischen 4 und 8 Uhr zum Teil mehr als 40 Liter pro Quadratmeter gemessen. Hinzu kamen massive Hagelschauer, die Auto-, Häuser- und Scheunendächer beschädigt haben. Eine Hagelzelle hatte sich über dem Ort festgesetzt. Daseburg war daher bereits am Montag Ziel von zahlreichen Sachverständigen der Versicherungen.

148 zerstörte oder beschädigte Scheiben

Besonders hart getroffen hat es auch die Familie Wecker, die an der Lütgenederer Straße seit Jahrzehnten eine Gärtnerei betreibt. Dort sind vor allem die Gewächshäuser auf dem 2500 Quadratmeter großen Betriebsgelände beschädigt worden. „Wir hatten heute morgen einen Experten der Versicherung hier. Der hat 148 zerstörte oder beschädigte Scheiben gezählt“, berichtet Sylvia Wecker (61).

Gegen 3.45 Uhr habe das Unwetter begonnen. „Um 4.30 Uhr ging es dann richtig los“, erzählt sie. Der Hagel sei so dicht gewesen, dass die ganze Straße weiß gewesen sei. Die Hagelkörner seien auch nicht rund, sondern eher einförmig, zum Teil richtig spitz gewesen – und manche groß wie ein Hühnerei, erzählt sie weiter.

Beschädigte Paprika- und Tomatenpflanzen

Familie Wecker hatte am Montag alle Hände voll zu tun, die Scherben aufzusammeln und sich um die beschädigten Paprika- und Tomatenpflanzen zu kümmern, die nun kein Dach mehr über dem Kopf haben. „Zum Glück ist das nicht im Frühjahr passiert, wenn die Gewächshäuser richtig voll sind“, sagt Sylvia Wecker.

Ein solches Unwetter habe es über seinem Betrieb noch nie gegeben, berichtet auch Firmenchef Ludwig Wecker (65): „Uns schützt oft der Desenberg, vor allem wenn die Stürme über Warburg herannahen.“ Diesmal zogen die Hagel- und Regenschauer aber wohl über Dössel heran und dann weiter in Richtung Nordhessen, wo ebenfalls größere Schäden gemeldet wurden.

Ausgeschlagene Rapspflanzen und niedergedrückter Weizen

Nicht nur die Gärtnerei Wecker hat nun viel zu reparieren. Das vierstündige Unwetter wird auch zu Ernteausfällen führen, sind sich die Landwirte einig. Christoph Wecker (39), der im Ort einen Agrarservice betreibt, hat auf seinen Feldern ausgeschlagene Rapspflanzen und niedergedrückte Abschnitte auf den Weizenfeldern festgestellt. Beim Mais seien die Blätter zerfetzt worden, ebenso bei den Rüben, die nun wohl einen geringeren Zuckergehalt haben werden. Wie hoch der Schaden ist, kann der 39-Jährige noch nicht genau sagen. Er erwartet am Dienstag einen Gutachter.

Auch viele Privatleute in Daseburg klagen über Schäden vor allem an ihren Autos. Dutzende müssen nun Dächer und Motorhauben ausbeulen lassen. Ganze Straßenzüge waren betroffen. Aber auch innerhalb des Ortes war die Intensität des Unwetters unterschiedlich. Während in der Mitte des Dorfes etwa 35 Liter Regen pro Quadratmeter gemessen wurden, waren es in Richtung Haueda 45 Liter.

Notrufe wurden nicht abgesetzt

Löschgruppenführer Winfried Vössing hat das Unwetter einen Schaden am Dach eines Gartenhäuschens beschert. Ausrücken mussten er und seine Feuerwehrkameraden aber nicht. So kurios es klingen mag: Notrufe wurden im gesamten Warburger Stadtgebiet am Sonntagmorgen nicht abgesetzt.

Ursache für das Unwetter war eine Kaltfront, die nach einem extrem warmen Freitag und Samstag über die Region hinweggezogen ist.

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