Heimatschutzverein bietet Alternativen zum ausgefallenen Fest
Scherfeder packen Profi-Sets

Warburg (WB). Mit dem Schützenfest in Scherfede wird die Schützenfestsaison im Warburger Land traditionell am ersten Augustwochenende beendet. Obwohl in diesem Jahr auf das große Fest verzichtet werden musste, hatte sich der Vorstand um den Vorsitzenden Elmar Hoppe etwas einfallen lassen, das von den Scherfedern mit großer Freude angenommen wurde.

Sonntag, 02.08.2020, 21:24 Uhr aktualisiert: 02.08.2020, 21:40 Uhr
Schützenfest vom Auto aus. Musikverein, Buden und Bier. Da kam in Scherfede Feierlaune auf. Foto: Verena Schäfers-Michels

An der Mehrzweckhalle konnten Schützen und Nichtschützen verschiedene Sets erwerben, um „Schützenfest-at-Home“ im eigenen Garten feiern zu können. Auch auf die Ohrwürmer des Musikvereins musste niemand verzichten, denn ein Best-Of gab es als Download.

Ausnahmesituation

„Für uns ist das eine Ausnahmesituation und ganz neu“, sagte Elmar Hoppe. „Wir wissen, wir haben viele Fans, die gerne Schützenfest gefeiert hätten – und deshalb möchten wir, dass sie alles haben, was sie brauchen, um zu Hause Party machen zu können.“

Dafür richteten die Offiziere des HSV einen Drive-In an der Mehrzweckhalle ein, an dem Schützen und Interessierte eines der beiden Versorgungspakete erstehen konnten. Zum einen gab es das Starter-Set, das ein Sixpack „Schützenfestbier“ mit dem Logo des HSV, ein bedrucktes Bierglas und den Downloadcode für die Schützenfestmusik umfasste.

Beisitzer Christoph Peine (rechts) übergibt Schütze Heinz-Jürgen Homberger Flaschenöffner und Bierglas im Heimatschutzverein-Look. 240 Kisten Westheimer Bier hatte der HSV bereitgestellt.

Beisitzer Christoph Peine (rechts) übergibt Schütze Heinz-Jürgen Homberger Flaschenöffner und Bierglas im Heimatschutzverein-Look. 240 Kisten Westheimer Bier hatte der HSV bereitgestellt. Foto: Verena Schäfers-Michels

Beim Profi-Set gab es eine ganze Kiste Bier und einen von zwei Flaschenöffnern in verschiedenen Scherfede-Designs. Dabei erhielten die Schützen, die ihr Mitgliedsbuch vorzeigten, „einen saftigen Rabatt“, berichtete Heinz-Jürgen Homberger, der von dem Angebot begeistert war. „Das ist eine sehr schöne Aktion. Ich finde sie klasse“, sagte er, während er von Beisitzer Christoph Peine sein Profi-Set entgegennahm.

30 Offiziere

30 Offiziere sorgten für einen reibungslosen Ablauf auf dem Schützenfestgelände, wobei sowohl sie als auch die Besucher mit Behelfsmasken bekleidet waren. 240 Kisten Bier, 200 Gläser gefüllt mit je zwei Currywürsten, 500 Gläser und 350 Flaschenöffner stellten die Schützenoffiziere bereit. Auf allen fand sich das Wappen des HSV, das auf den Abt Stephan Overgaer, der die Abtei Hardehausen Ende des 17. Jahrhunderts leitete, zurückzuführen ist. Zudem gab es noch die Möglichkeit, Waffeltüten an der Bude von Cornelia Arendes aus Borgen-treich zu erstehen oder Fischbrötchen am Stand von Event-Catering Hora und Jöring aus Paderborn.

Schützenmesse

Am Sonntagvormittag nahm der Heimatschutzverein mit einer kleinen Abordnung an der Schützenmesse teil. Anschließend folgte die Gefallenenehrung am Ehrenmal, bei der der Vorsitzende Elmar Hoppe eine Rede hielt: „In vielen – zu vielen – Teilen unserer Erde sterben täglich Unschuldige – Kinder, Frauen und Männer – in der Folge von Kriegen und Gewalt.“ Dabei wies er auch darauf hin, dass die meisten hier lebenden Menschen das Glück hätten, nicht selbst mit Kriegssituationen konfrontiert zu werden. „Das Zusammenleben ist einfach, solange unsere Komfortzone nicht in Gefahr ist“, sagte Hoppe. „Leider müssen wir aber erleben, dass auch in unserem Land in Krisensituationen zu viele von uns anfällig werden für einfache, schnelle Lösungen, für Polemik zu Lasten anderer, zu Lasten Schwächerer und Minderheiten.“ Schlussendlich forderte er dazu auf, Schwächere und Minderheiten zu verteidigen und die Gemeinschaft zu stärken.

Kommentar

Die Schützenfestsaison im Warburger Land ist beendet. Richtig gefeiert wurden wegen der Corona-Pandemie nirgendwo. Es war von der Landesregierung schlicht verboten worden. Einer Absage durch die Vorstände der einzelnen Vereine bedurfte es da nicht mehr.

Das Ganze ist natürlich bitter für die Schützen, denn an den Festen hängen nicht nur schöne Abende, sondern oft auch Einnahmen. Die meisten Schützenvereine sind allerdings finanziell so stabil aufgestellt, dass sie ein Ausfalljahr locker wegstecken können. Sorgen macht den Verantwortlichen auch weniger der Blick aufs Konto, sondern vielmehr der Blick in die Zukunft. Mit einem Stadtschützenfest im April 2021 in Dössel soll es einen Neustart nach Corona geben. Ob es bis dahin einen Impfstoff oder ein Medikament flächendeckend gibt, ist sehr fraglich. In vielen Vereinen ist daher in den vergangenen Wochen bereits eine rege Diskussion entbrannt, wie trotz Corona 2021 gefeiert werden könnte.

Abstandsregeln, Hygienekonzepte, in Einbahnstraßen zur Toilette und tanzen auf Abstand – das ist alles ungeübt, aber vielleicht nicht unmöglich. Mit der Erfahrung aus 2020 dürfte im kommenden Jahr sicher mehr als zuletzt organisierbar sein. Aber die Vorbereitung dieser Feiern dürfte den Schützenvorständen sicher deutlich mehr Zeit und Kraft abverlangen als das Verteilen von Schützenfestpaketen für eine Feier zu Hause. Daher täten die Vereine gut daran, schleunigst einen solchen, möglichst einheitlichen Coronaplan B vorzubereiten. Jürgen Vahle

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