Warburger Brauerei hat ein Drittel weniger Absatz – Neue Produkte entstehen
Mit Bier, Gin und Limo durch die Krise

Warburg (WB). Keine Feste, kaum Vereinsleben, die Gastronomie wochenlang zu – die Corona-Krise hat sich auch auf den Bierkonsum ausgewirkt. Ein Drittel weniger Absatz verzeichnet etwa die Warburger Brauerei. Geschäftsführer Franz-Axel Kohlschein erklärt, vor welche Herausforderungen das Virus das Unternehmen gestellt hat.

Samstag, 11.07.2020, 07:05 Uhr aktualisiert: 11.07.2020, 07:10 Uhr
Unter anderem der preisgekrönte Brewhouse-Gin hilft der Warburger Brauerei durch die Krise. Geschäftsführer Franz-Axel Kohlschein freut sich darüber. Der Bezug zur Brauerei ist auf dem Etikett zu sehen: Dort wird auf die alte Kuhlemühle verwiesen. Foto: Daniel Lüns

„Anfang März hätten wir normalerweise die Produktion hochgefahren“, erklärt er. Denn Ende April wären die ersten großen Feste gefeiert worden – etwa das Stadtschützenfest. Zu Pfingsten wäre dann ein Höhepunkt der Schützenfestsaison gewesen. Ab Mitte Juli werde es zwar traditionell etwas ruhiger. Aber den Schlusspunkt der Saison setzten erst Kälkenfest und Oktoberwoche. Wenn Corona nicht wäre.

„Nächsten Lockdown vermeiden“

„So traurig die Absage der Warburger Oktoberwoche für uns auch ist, so wichtig war die Frühzeitigkeit der Absage“, betont Franz-Axel Kohlschein, der die Brauerei gemeinsam mit seinem Cousin Michael leitet. „Uns muss bewusst bleiben: Corona ist nicht weg.“ Um eine flächendeckende Existenzkrise, gerade der Gastronomie, abzuwenden, müsse ein weiterer sogenannter Lockdown verhindert werden. „Die einzige Lösung in der Krise ist Umsatz.“

Da sich das Virus im Frühjahr bereits in Europa ausbreitete, beschloss die Brauerei, nicht in die Vollen zu gehen. „Wir wollten im Zweifelsfall lieber Stress haben, Bier nachproduzieren zu müssen, als mit unserem Bier, wie jetzt etwa in Irland, Bäume zu gießen“, erklärt Kohlschein. Die Taktik ging auf. „Ein Drittel weniger Absatz tut weh. Das ist viel Geld und ein tiefer Einschnitt. Aber so hat uns Corona nicht ganz kalt erwischt.“

Biergarten läuft gut an

Seitdem gehe der Blick nach vorn. In den vergangenen vier Monaten wurde überlegt, wie die Umsatzausfälle kompensiert werden könnten. Die Brauerei schickte die Mitarbeiter in die Kurzarbeit. „So können wir zurzeit alle Arbeitsplätze erhalten“, sagt der Geschäftsführer. Große Mengen an Fässern, die sonst für das Festbiergeschäft gebraucht werden, wurden eingelagert. Fast alle Bierwagen wurden eingemottet.

Durch den Einbruch wurden Projekte vorgezogen, die zum Teil für die nächsten Jahre in der Planung waren. Dazu gehört etwa der neue Biergarten , der am 4. und 5. Juli an den Start ging. Mit dem Eröffnungswochenende ist Franz-Axel Kohlschein zufrieden: „Die Menschen nehmen den Biergarten gut an. Am Samstag und Sonntag war er gut besucht. Zum Glück war er nicht übervoll.“ Wie berichtet, ist der Biergarten zunächst bis Ende September konzipiert, „und dann sehen wir weiter“.

Brewhouse-Gin prämiert

Ein weiteres Projekt ist der hauseigene Brewhouse-Gin. Vorgestellt wurde der zwar schon im Februar . Aber die nationale Vermarktung sollte eigentlich erst 2021 beginnen. Auch diese Pläne wurden beschleunigt. So ist der Gin etwa in sieben großen Online-Stores vertreten, erklärt Kohlschein. Auch in Bars zwischen Kassel und Paderborn ist er zu finden. Und darüber hinaus.

In Szenebars in Köln, Hamburg oder Westerland wird das Warburger Getränk ebenfalls ausgeschenkt, freut sich Franz-Axel Kohlschein. Der Gin, bei dem auch Hopfen verwendet wird, geht auf seine Initiative zurück. Auch Kritikern schmeckt er: Beim „Meininger’s International Spirits Award ISW 2020“, einem internationalen Wettbewerb für Spirituosen aus allen Ländern der Erde, gewann das Getränk am Dienstag Gold.

Alkoholfreies Radler geplant

Auch zwei weitere Produkte sollen dem Unternehmen durch die Krise helfen. So wird in Kürze ein naturtrübes, alkoholfreies Radler gebraut. „Das alkoholfreie Weizen bekommt damit sozusagen einen Bruder“, sagt Kohlschein. Zudem wird es wieder eine Brauerei-Limonade geben. Das naturtrübe Produkt wird in Braunglasflaschen abgefüllt und erscheint in den Geschmacksrichtungen Orange und Zitrone. Auch ein Mix aus Cola und Orange ist in Arbeit.

„Wir wollen keine High-Tech-Schorle herstellen. Wir wollen eine Limo wie früher brauen“, erklärt Kohlschein. Und zwar auch technisch: Das Getränk wird pasteurisiert, wie in den 1970er-Jahren. „Das hat zwei Vorteile. Zum einen karamellisiert der Zucker dabei leicht. So schmeckt die Limo süßer bei weniger Zucker. Und zum anderen ist sie ohne Konservierungsstoffe lange haltbar.“ Erste Prototypen sind schon fertig. Bald beginnt die Produktion.

Aus Kohle Diamanten pressen

„Mit diesen Maßnahmen sehen wir uns gut aufgestellt“, sagt der Geschäftsführer. Dankbar ist er den Behörden und Zulieferern für ihren Beistand in den vergangenen Monaten. „Wenn man nachts aus Kohle Diamanten pressen muss, sieht man, wie wertvoll so ein Netz aus Lieferanten und Freunden ist.“

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7488845?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198395%2F2516019%2F
Hitler-Parodie auf Handy: Polizistin zu Unrecht beurlaubt
„Weihnachten mit Hitler“ heißt die Parodie, von der ein Polizist einen Screenshot verschickt haben soll. Foto: Youtube Foto:
Nachrichten-Ticker