Karl Bering wollte Wasser und Strom für alle Warburger
Fabrikant und Ehrenbürger

Warburg (WB). Mehr als eine Seite füllten in der Ausgabe des Warburger Kreisblattes vom 11. August 1932 die Todesanzeige und die Nachrufe für den am Vortag verstorbenen Karl Bering. Es trauerten mit der Familie die Angestellten und die Arbeiter der Warburger Papierfabrik, der Magistrat und die Stadtverordnete der Stadt Warburg und der Schützenrat. Über den Ehrenbürger der Stadt Warburg berichten wir in einer neuen Folge unserer beliebten Serie „Ein Bild – und seine Geschichte“.

Samstag, 04.07.2020, 15:06 Uhr aktualisiert: 04.07.2020, 15:40 Uhr
Papierfabrikant Karl Bering war Oberst der Schützen und später Ehrenbürger der Stadt Warburg. Foto: Stadtarchiv Warburg

Karl Bering war am 25. Februar 1858 in der Kuhlemühle als Sohn des Mühlenbesitzers Christian Bering geboren worden. Sein Vater gründete 1864 zusammen mit Friedrich Brenneke die Warburger Papierfabrik. Aus heimischem Stroh wurden Strohpapier und Strohpappe hergestellt. Die Papierfabrik in der Kuhlemühle bestand bis 1972.

Betrieb mit Bahnanschluss

1881 trat Karl Bering in den väterlichen Betrieb ein, nachdem er zuvor im Anschluss an den Gymnasiumsbesuch eine kaufmännische Ausbildung in Dortmund erfahren hatte. 1888 erhielt sein Betrieb einen eigenen Bahnanschluss.

1897 war die Fabrik mit 80 Beschäftigten nach der Zuckerfabrik der größte Arbeitgeber im Warburger Land. In einem Nachruf heißt es über Karl Bering: „Den von seinem Vater übernommenen Fabrikbetrieb hat er mit großem Geschick trotz verlorenem Krieg und Inflation auf eine beachtliche Höhe gebracht und das Unternehmen nach dem Kriege in eine Familien-Aktiengesellschaft umgewandelt.“

Engagement für Gemeinwohl

Neben der Arbeit für den Betrieb in der Kuhlemühle engagierte sich Karl Bering bereits ab den neunziger Jahren für das Gemeinwohl. Er trat erfolgreich für die Erweiterung des Elektrizitätswerks ein, auch der Ausbau des Versorgungsnetzes und des Wasserwerkes waren seiner Initiative zu verdanken.

1905 wurde er Stadtverordneter, ab 1915 war er im Magistrat tätig, von 1924 bis 1929 war er ehrenamtlicher Beigeordneter seiner Vaterstadt. An 24. April 1928 wurde ihm in Anerkennung seiner Verdienste die Ehrenbürgerwürde der Stadt Warburg verliehen. Diese Ehre war zuvor nur dem Kreisgerichtsdirektor Josef Weingärtner (1876), dem Justizrat Max Geissel (1919), dem Buchhändler und Archivar Fritz Quick (1920) und dem Gymnasialdirektor Anton Wirmer (1927) zu teil geworden.

Erinnerung an Großbrand

1895 wählte der Bürgerschützenverein Karl Bering zu seinem Oberst. Dieses Amt hatte er bis 1927 inne, dann zwangen ihn gesundheitliche Gründe zum Rückzug. Aus der 1887 geschlossenen Ehe mit Maria Evers aus der Warburger Altstadt waren elf Kinder hervorgegangen.

Den meisten Warburgern dürfte der Name Karl Bering und auch seine Ehrenbürgerschaft heute nicht mehr präsent sein. An die alte Papierfabrik in der Kuhlemühle erinnern sich aber noch viele – vor allem an den Großbrand, der dort im Jahr 1957 wütete.

Über die Serie

Gemeinsam mit dem Warburger Stadtarchiv im „Stern“ hat das WESTFALEN-BLATT die neue Serie „Ein Foto – und seine Geschichte“ gestartet. Wir haben interessante Motive und selten erzählte Geschichten entdeckt, die wir in den kommenden Wochen in loser Reihenfolge in dieser Zeitung aufbereiten sowie auf unseren Online-Kanälen präsentieren. Die bald 1000-jährige Stadtgeschichte bietet eine Fülle an Themen.

Viel Freude beim Lesen!

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