WESTFALEN-BLATT-Redakteur Daniel Lüns testet die Warburger Hör-Tour
Agent für 30 Minuten

Warburg (WB). Das Wasser plätschert vor sich hin, als sich Hobbyfotografen über den Eisenhoit-Brunnen beugen. Ein Rentner, der auf einer Bank eine Fahrradpause macht, beobachtet das Geschehen. Kinder laufen zum Spielplatz, die Buslinie R52 fährt vorbei. Alltag am Neustadtmarktplatz. Aber nicht heute. Nicht für mich. Heute werde ich Agent.

Freitag, 03.07.2020, 06:57 Uhr aktualisiert: 03.07.2020, 10:18 Uhr
Als Agent Y die Welt retten: Bei der Hör-Tour Warburg taucht WB-Redakteur Daniel Lüns in eine fantasievolle Krimi-Welt ein. Dabei gilt es, ein Lösungswort herauszufinden. Foto: Jürgen Vahle

Kopfhörer gibt Anweisungen

Möglich macht das die Warburger Hör-Tour , die von Kai Greupner („nurguteleute“-Veranstaltungsbüro) und Kabarettistin Sarah Hakenberg ins Leben gerufen wurde – und die ich nun vorab teste. Die Tour führt durch die Hansestadt. Mit einem 08/15-Stadtrundgang hat das aber nichts zu tun: Teilnehmer müssen nichts Geringeres tun, als die Welt zu retten. Innerhalb von 30 Minuten.

So wie ich. Vor der Tür unseres Pressehauses in der Kalandstraße setze ich mir die knallroten Köpfhörer zur Tour auf – und bin gleich im Dienst. „Agent Y, da bist du ja endlich“, begrüßt mich eine Frauenstimme erleichtert. Sie führt mich durch die Tour. „Wir dürfen jetzt keine Zeit mehr verlieren“, mahnt sie zur Eile. Dann los. Ich verlasse den Marktplatz und folge den Anweisungen. Das Abenteuer beginnt.

Die Geschichte verspricht Spannung: Ein Virus versetzt die Erde in Angst und Schrecken. Doch Rettung ist in Sicht. Ein Labor hat einen Impfstoff entwickelt. Dessen Produktion will ein mächtiger Konzern, der Mundmasken herstellt, natürlich verhindern. Er lässt einen wichtigen Virologen in der Hansestadt umbringen. Der kannte den Code, mit dem man eine Box mit der Impfstoffformel öffnet. Jetzt sind die Teilnehmer gefragt. Sie müssen in der Stadt nach Hinweisen suchen. Mit deren Hilfe lässt sich die Box öffnen. Hoffentlich entgeht mir nichts.

Feindlicher Agent gesichtet

Die Stimme im Ohr macht derweil Druck. „Die Spione des mächtigen Konzerns können hier überall lauern“, sagt sie. „Du wirst gute Nerven brauchen.“ Und verraten dürfe ich natürlich auch nichts. So langsam wird mir tatsächlich ein bisschen mulmig: Gucken mich die Leute wegen der auffälligen Kopfhörer plötzlich komisch an? Haben sie gar etwas mit der Sache zu tun? Die Einbildung siegt.

Dass ich die Tour alleine laufe, macht es auch nicht besser. Ein Partner wäre gut, mit dem man sich austauschen könnte. Wer die Hör-Tour aber mit mehreren Teilnehmern machen möchte, der startet getrennt: In Abständen von fünf Minuten geht’s los. Die Schutzbestimmungen rund um Corona machen einem das Agentenleben auch nicht einfacher...

Plötzlich ist die Agentin im Ohr hektisch. Ein feindlicher Agent wurde gesichtet. Hinter mir. Und ich habe keine Deckung. Jetzt aber fix: Durch die Hundegasse muss ich sprinten. So schnell lasse ich mich doch nicht erwischen. An der Straße kurz stoppen. Rechts, links, kein Auto kommt. Weiter. Links am Finanzamt vorbei, Treppe runter bis zur Mauer. Geschafft! Den Verfolger bin ich los. Zum Glück habe ich Turnschuhe an.

James-Bond-Szenario im Kopf

Weiter führt mich die Tour durch die Warburger Innenstadt. Sorgsam achte ich auf die Anweisungen, höre Mahnungen und Hinweise – und werde stets zur Eile getrieben. Trödeln, das geht auf der Hör-Tour nicht. Aber mein Kopfhörer kann auch Humor. „Spiele bitte den Touristen, der Musik hört und sich die Stadt ansehen will“, sagt die Stimme. Gar nicht so einfach, da mein Kopf schon auf ein James-Bond-Szenario eingestimmt ist.

Daran ändert sich auch nichts mehr: Auf dem Weg in die Altstadt schlägt der Agent im Ohr plötzlich Alarm. Scharf schießende Spione in Sicht. Geduckt halten, los! Tatsächlich freue ich mich über jeden Busch, der meinen Weg kreuzt. Das gibt Deckung. Da fühle ich mich sicher. Lauert wirklich hinter jedem Fenster Gefahr? Und ob. Unerwartet nimmt meine Mission ein Wende. Und noch eine. Durchs Dickicht bahne ich mir meinen Weg. Jetzt bloß nicht umdrehen. Schnell! Die Welt zählt auf mich.

Dann ist die Tour zu Ende. Ja, der Code war richtig! Geschafft. Der Impfstoff kann gebraut werden, die Welt ist sicher. Ein Grinsen kann ich mir nicht verkneifen. Ich nehme die Kopfhörer ab und gehe zurück zum Neustadtmarktplatz. Die Hobbyfotografen sind mittlerweile weg. Der Brunnen aber plätschert immer noch vor sich hin. Der Alltag hat mich wieder. Agent Y meldet sich ab.

Dort gibt es Tickets

Wer die erste Warburger Hör-Tour erleben möchte, der muss sich über die Internetseite hoertourwarburg.de eine Karte sichern. Die kostet zehn Euro (plus Vorverkaufsgebühr). Zum Start am Sonntag, 5. Juli, sind noch Tickets zu bekommen, die zwei Euro günstiger sind. Teilnehmer starten einzeln oder als Gruppe mit jeweils einigen Minuten Abstand.

Die Hör-Tour-Zentrale befindet sich im Pressehaus des WESTFALEN-BLATTES an der Kalandstraße 17 in Warburg. Folgende Sonntage sind zunächst vorgesehen: 5., 12. und 26. Juli sowie 2., 9., 16., 23. und 30. August.

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