Radwege zum Desenberg und zur Diemel bleiben in der Diskussion
„Wie die Suche nach dem Osterei“

Warburg (WB). Pop-up-Radwege stehen an diesem Donnerstag noch einmal auf der Tagesordnung des Warburger Rates, der um 17 Uhr im PZ beginnt. Große Chancen auf eine Genehmigung hat das Projekt der Grünen schon aus rechtlichen Gründen nicht. Allerdings hat allein ihr Antrag die Diskussion zum Thema „Sicheres Radfahren in der Stadt“ befeuert.

Mittwoch, 01.07.2020, 21:38 Uhr aktualisiert: 01.07.2020, 21:40 Uhr
Grüne Schilder weisen Radfahren vom Bahnhof aus durch die Felder den Weg zum Desenberg. Allerdings ist dieser Weg keine offizielle Radstrecke. Die Diskussion um die Lenkung des Radverkehrs in der Stadt nimmt jedenfalls Fahrt auf. Foto: Jürgen Vahle

Bereits am Montag hat sich der Warburger Bezirksausschuss mit diesen Radwegen auf Zeit beschäftigt, die mit abwaschbarer Farbe auf die Straße gemalt werden und den Radfahrern über die Sommermonate hinweg mehr Sicherheit im Straßenverkehr bringen sollen (wir berichteten am Dienstag). Die Grünen hatten sie für die Strecken vom Bahnhof zum Desenberg und zum Diemelradweg in der Altstadt über die Bahnhof-, Kasseler und Bernhardistraße gefordert.

Viele kennen Wege nicht

Neben der Tatsache, dass von den Landes- und Kreisstraßenbehörden wohl keine Genehmigung für solche Radwege auf Zeit zu erwarten ist, wurde im Bezirksausschuss rege über alternative Routen diskutiert. Tatsächlich gibt es bereits heute vom Bahnhof zum Desenberg und auch in die Altstadt zum Diemelradweg ausgeschilderte und deutlich ungefährlichere Radstrecken – was aber offenbar selbst vielen Warburgern nicht bekannt ist.

Rudi Ryll (FDP) kennt die Strecken aber sehr wohl: „Der Alte Bahnhofsweg an der ehemaligen Landwirtschaftsschule vorbei ist sogar als Radweg in die Altstadt ausgeschildert. Zudem führt ein mit grünen Schildern markierter Radweg durch die Felder zwischen Dössel und Daseburg zum Desenberg“, berichtete der Schornsteinfegermeister.

Boom beim Radfahren

„Schon möglich“, konterte Hilla Zavelberg-Simon (Grüne). „Aber die Wege kennt ja keiner. Sie zu finden, ist wie die Suche nach dem Osterei“, machte die Fraktionschefin der Partei im Bezirksausschuss deutlich. Eine gute Verkehrslenkung für Radler aus Warburg oder gar für Radtouristen sei das nicht.

Die Mehrheitsfraktion der CDU bleibt bei ihrer Linie, dass alle Verkehrsströme in der Stadt gemeinsam in einem Mobilitätskonzept betrachtet werden müssen, das bereits erarbeitet werde. „Der derzeitige Boom beim Radfahren darf ja nicht zu Aktionismus führen“, machte CDU-Ratsherr Thomas Berens unmissverständlich deutlich. Und auch für Rainer Kobusch, Vorsitzender des Warburger CDU-Ortsverbandes, steht fest, dass die ohnehin nicht genehmigungsfähigen Pop-up-Radwege nicht das geeignete Mittel seien, die Radverbindungen vom Bahnhof zum Diemelradweg in der Altstadt und zum Desenberg zu verbessern.

Frage dauerhaft klären

Auch Bürgermeister Michael Stickeln ist sich sicher, dass die Steuerung des Radverkehrs nicht mit ein paar vergänglichen Strichen zu leisten, sondern diese Frage dauerhaft zu klären ist.

Unisono war das Warburger Kernstadtparlament der Meinung, dass die Radwegebeschilderung vom Bahnhof aus in die Altstadt über den Alten Bahnhofsweg noch einmal überprüft, ergänzt und verbessert werden muss. Hier soll die Verwaltung auf Vorschlag von Thomas Berens tätig werden.

Ein Kommentar von Jürgen Vahle

Die von den Grünen geforderten Pop-up-Radwege werden im Rat wohl verworfen. Die Rechtslage lässt sie schlicht nicht zu, hat der 1. Beigeordnete Klaus Braun im Warburger Bezirksausschuss sehr klar erläutert. Nun könnte man den Grünen vorwerfen, sie hätten vor Antragstellung lieber mal ihre Hausaufgaben machen sollen. Dann wären sie vielleicht gar nicht erst auf die Idee zu einem solchen Radweg auf Zeit gekommen.

Doch den Grünen geht es um mehr: Sie wollen das Thema Radverkehr zu ihrem machen und dauerhaft auf die Tagesordnung bringen. Allerdings ist dieses Thema gar nicht mehr so „grün“ wie viele glauben. Nahezu alle Parteien machen sich Gedanken um den Radverkehr – bei der CDU sogar in einem eigenen Wahlkampfpunkt. Gut so, denn es ist doch zu hoffen, dass aus dem Corona-Radfahr-Boom auch in Warburg etwas Dauerhaftes wird.

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