Kreisjägerschaft macht auf ein Problem aufmerksam
Rehkitze nicht mitnehmen

Warburg (WB). Ausgedehnte Spaziergänge, Wanderungen und Radtouren sind derzeit beliebt. Gerade in der Corona-Krise haben viele Menschen die regionale Natur für sich neu entdeckt. Gleichzeitig häuft sich ein Phänomen: In der vergangenen Woche wurden von Spaziergängern gleich drei Rehkitze im Kreis Höxter im hochstehenden Gras gefunden und mitgenommen. Sie mussten anschließend in Pflegestellen untergebracht werden.

Donnerstag, 11.06.2020, 11:00 Uhr
Oh wie niedlich! Eva-Maria Lause zieht den kleinen Rudi per Hand auf. Eine sehr zeitintensive Aufgabe für die gelernte Tierpflegerin. ­Alle zwei Stunden müssen die Tiere mit Austausch- oder Lämmermilch gefüttert werden – auch nachts.

Es ist ein menschlicher Impuls, ein scheinbar verlassenes, winziges Tierkind retten zu wollen. Doch leider unterliegen diese Tierretter einem fatalen Irrtum – und begehen somit sogar eine Straftat. „Das Mitnehmen von Rehkitzen ist Wilderei“, erklärt Britta von Weichs, Jägerin und Vorsitzende der Kreisjägerschaft.

Oft stundenlang allein

Die Ricken suchten Zuflucht und Futter im hochstehenden Gras. Mitte bis Ende April würden die ersten Kitze abgesetzt. Die Muttertiere hielten sich dann tagsüber größtenteils im anliegenden Wald auf und suchten ihre Kinder nur alle zwei bis drei Stunden zum Säugen auf. „Sie wollen die Aufmerksamkeit von den Kitzen ablenken“, weiß Britta von Weichs. Somit sei es nicht verwunderlich, dass die Jungstiere scheinbar stundenlang vollkommen allein seien.

Zehn bis vierzehn Tage „drücken“ sich die Rehkitze in die Wiese. In dieser Zeit besäßen sie noch keinen Fluchtinstinkt und bewegten sich nahezu nicht. Diese ersten Lebenstage könnten ihnen zum Verhängnis werden, wenn Landwirte die Wiesen für die Ernte von Heu und Silage abmähen würden und die Jungtiere in die Schneidwerke der Maschinen gerieten. Es sei Landwirten gesetzlich vorgeschrieben, Wiesen und Felder ab einer Größe von einem Hektar von innen nach außen abzumähen. Nicht alle Landwirte hielten sich an dieses Gesetz.

Hunde eine Gefahr

„In fast jeder Wiese liegt mindestens ein Kitz“, stellen Nicola Horsthemke, Jägerin und Chefin der Rollenden Waldschule, sowie Jäger Franz Schaberich beim Ablaufen ihrer Jagdpacht regelmäßig fest. Wenn der Bauer sie informiere, könnten sie die Kitze kurzfristig sicher umsetzen, damit die Ricke ihr Kind wiederfindet. Den zuständigen Jagdpächter ein paar Tage vor dem Mähen zu informieren, sei die ideale Maßnahme.

Gefahr drohe Wild sowie Hasen und Vögeln auch von freilaufenden Hunden, die ihren Spiel- und Jagdtrieb auslebten. Sie könnten Kitze schwer verletzen oder töten. Daher müssten Hunde angeleint werden.

Austausch- oder Lämmermilch

Sei das Kitz erst einmal aus der Natur entnommen worden, könne es nicht wieder zurückkehren. Es müsse in eine Pflegestelle, wo sich ehrenamtliche Helfer rund um die Uhr um das Kleine kümmerten. „Alle zwei Stunden werden die Tiere mit Austausch- oder Lämmermilch gefüttert, auch nachts, und müssen massiert werden, um die Verdauung anzuregen“, erklärt Ina Hegemann, Vorsitzende des Hegerings Bad Driburg.

Das erfordere viel Zeit und verursache Kosten, etwa durch Tierarzt-Besuche. Eine Pflegestelle ist die gelernte Tierpflegerin Eva-Maria Lause. Sie hat zwei der drei Kitze aufgenommen, die in der vergangenen Woche mitgenommen wurden. Den kleinen Bock hat sie Rudi genannt.

Auswilderung unmöglich

Eine spätere Auswilderung von Rudi sei nahezu unmöglich, sagt Schaberich. „Die Tiere sind meist zu sehr auf den Menschen geprägt.“ Schwierig sei auch, ausgewachsene Böcke artgerecht zu halten. Sie seien kein Gatterwild und könnten in dieser Haltung aggressiv werden. Die beste Variante sei, ein augenscheinlich nicht verletztes Kitz liegen zu lassen und den Jagdpächter oder die Polizei zu informieren. Der Fachmann könne am Besten entscheiden, ob das Tier Hilfe braucht.

Um ihre Arbeit und die der anderen Pfleger im Kreis zu unterstützen, hat sich Ina Hegemann überlegt, Spendenschweinchen in den Allianz-Agenturen Hegemann in Bad Driburg und Steinheim aufzustellen.

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