Ausgrabungen am Küstergarten: Konkrete Hinweise fehlen
Siechenhaus bislang verborgen

Warburg (WB). Das Siechenhaus am Paderborner Tor in Warburg bleibt bislang verborgen. Seit einer Woche graben Archäologen nun im Küstergarten zwischen dem Schuhhaus Mues und dem Netto-Markt. Doch bisher haben sie wenig gefunden, das auf das ab dem Jahr 1468 urkundlich belegte Leprosenhaus hindeutet.

Samstag, 06.06.2020, 09:00 Uhr
Stand dort das Warburger Siechenhaus? Archäologen suchen zurzeit am Paderborner Tor, zwischen dem Schuhaus Mues und dem Netto-Markt, nach dem Bauwerk aus dem Mittelalter. Bislang bleibt das ­Siechenhaus aber verborgen. Foto: Daniel Lüns

Tierknochen, eine Mauer und Keramik

Entdeckt wurden bisher Tierknochen, eine Mauer und Keramik. „Mehr wurde noch nicht gefunden“, erklärt Dr. Sven Spiong, Leiter der Außenstelle Bielefeld der LWL-Archäologie für Westfalen, welche die Fachaufsicht für das Projekt innehat. „Aufgrund des archäologischen Befundes haben wir noch keine konkreten Hinweise auf das Siechenhaus“, sagt Spiong.

Wie berichtet, soll an der Ecke Burggraben/Paderborner die Wohnanlage »Küstergarten« entstehen. Die Bauarbeiten für das Zwei-Millionen-Euro-Projekt sollten im Sommer 2020 abgeschlossen sein. Durch die archäologischen Grabungen verzögert sich das Projekt. Experten vermuten, dass sich Reste des Warburger Siechenhauses an jenem Ort befinden könnten.

Bagger tragen die obere Bodenschicht ab

Mittlerweile haben Bagger die obere Bodenschicht abgetragen. „Eigentlich sieht man dabei schon, was auf einen zukommt“, erklärt Spiong. Die gefundene Keramik etwa stamme zwar aus dem 15. oder 16. Jahrhundert und passe daher in die Zeit des Hauses. Bisher ließen aber vor allem eindeutige Spuren auf sich warten.

Zum Beispiel sei es damals üblich gewesen, dass die verstorbenen Kranken am Siechenhaus oder in dessen Nähe bestattet wurden. „Die Kranken wollte man ja nicht in der Stadt haben. Skelette wären nach dieser Zeit in diesem Boden auch noch erhalten“, sagt der Fachmann. „Es kann natürlich auch sein, dass wir dort nichts finden.“ Denn das Siechenhaus an sich sei zwar urkundlich belegt – nicht aber sein genauer Standort.

Quellen zum Standort sind ungenau

Demnach habe es am heutigen Paderborner Tor in Richtung stadtauswärts auf der linken Seite gestanden. Genauer seien die Quellen leider nicht, sagt Spiong. Nun solle noch in zwei weiteren Bereichen gegraben werden. Dafür würden sich LWL, Grabungsfirma und die Stadt Warburg absprechen. Nach aktuellem Stand gehe die Grabungsfirma aber davon aus, dass der Einsatz nur etwa eine Woche lang weitergehe.

Selbst wenn keine Reste des Siechenhauses gefunden werden, vielleicht entdecken die Archäologen noch etwas anderes: Nach Informationen des LWL könnten sich vor Ort auch Reste historischer Wege oder eines Hofes der Herren von Canstein befinden. Näheres wird der weitere Verlauf der Arbeiten zeigen.

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