Bürger sind im 19. Jahrhundert nicht glücklich über die Garnison
Rathaus-Steine für die Wache

Warburg (WB). In unserer Serie „Ein Bild – und seine Geschichte“ geht es heute um die alte Wache an der Kalandstraße: 1964 zeichnete der Warburger Maler und Kunsterzieher Heinrich Holtgreve (1913-1997) minutiös eine in Privatbesitz befindliche Vorlage aus dem 19. Jahrhundert nach, die den Blick vom Neustädter Marktplatz auf die Ecksituation Kalandstraße – Marktstraße – Josef-Wirmer-Straße festhält.

Sonntag, 07.06.2020, 09:02 Uhr aktualisiert: 08.06.2020, 09:50 Uhr
Ein Blick auf die Wache an der Ecke Kalandstraße: Das Bild von Heinrich Holtgreve aus dem Jahr 1964 trägt den Titel „Marktplatz in der Neustadt“. Die Geschichte der Wache beginnt im frühen 19. Jahrhundert. Foto: Stadtarchiv

Neustädter Rathaus wird abgerissen

Verschwunden ist der Marktbrunnen mit seiner Wassersäule, er wurde 1912 abgebrochen und in Teilen als Rondell an der Burg wieder aufgestellt. Verschwunden ist auch das niedrige Gebäude links mit dem rauchenden Schornstein und dem Blumenschmuck vor den Fenstern. Es war die sogenannte Wache, diente also militärischen Zwecken.

Die Geschichte der Wache beginnt im frühen 19. Jahrhundert. Nach der Inbesitznahme des Hochstifts Paderborn durch Preußen lag von 1803 bis 1806 in Warburg eine Abteilung Dragoner unter dem Major von Kleist. Dieser ließ das im Siebenjährigen Krieg weitgehend ruinierte Neustädter Rathaus an der Nordseite des Marktplatzes abbrechen und mit dem Baumaterial den Platz pflastern.

Wache war Eigentum des Militärfiskus

Ein Teil des Materials wurde für die Errichtung eines kleinen Wachthauses an der Ecke Kalandstraße/Marktstraße verwendet. Die Wache war Eigentum des Militärfiskus, der dafür aber für die nächsten Jahrzehnte keine Verwendung hatte. Bis zum Ende der 30er Jahre wurden dort dann die Waffen für die Schießübungen der Landwehr aufbewahrt. 1841 erhielt die Stadt das Haus zum Kauf angeboten, die aber wegen des baulichen Zustands ablehnte und darauf verwies, dass es aufgrund der beengten Verhältnisse nur schwer zu vermieten sei.

Zwei Jahre später drängte man die Stadt erneut zum Ankauf. Schließlich überließ man es im November 1843 der Stadt unentgeltlich, allerdings mit einigen Bedingungen: Zum einen musste sie die Instandsetzungskosten tragen und durfte das Haus nur zur Aufbewahrung der Landsturmgewehre und für sonstige öffentliche Zwecke nutzen. Zum anderen konnte es von staatlicher Seite zurückgefordert werden, sobald dies dienstliche Gründe erforderten. Ab 1844 diente das ehemalige Wachthaus als Eichamt. Zu diesem Zeitraum enthielt das einstöckige, nicht einmal 70 Quadratmeter große Gebäude zwei Stuben und eine Küche.

Warburg wird wieder Garnisonsstadt

1860 wurde Warburg (wieder) Garnisonsstadt. Am 26. Mai rückte das 2. Bataillon des Westfälischen Infanterieregiments Nr. 56 in Stärke von 416 Mann in die Stadt ein. Die Soldaten wurden in Privatquartieren untergebracht. Groß war die Begeisterung darüber bei den Bürgern nicht. In einer zeitgenössischen Quelle heißt es: „Alle Hausbesitzer führen hierüber laute Klage. Von den 503 Feuerstellen des Ortes könnten, wegen Entlegenheit und Beschränktheit der übrigen, nur 280 Häuser belegt werden, von denen 27 je 3 Mann, 88 je 2 Mann und 165 je 1 Mann Einquartierung trügen.“

Mit dem Einzug der Soldaten wurde das Gebäude am Marktplatz dann wieder militärischer Nutzung zugeführt. Es diente als Wach- und Arrestlokal. Außer der Wachstube enthielt es zwei Arrestzellen. Nachdem die Garnison abgezogen war, wurde das kleine Haus an den Getreidehändler Isaac Bachmann vermietet. Heute steht dort das wohl 1870/80 errichtete Gebäude, in dem das WESTFALEN-BLATT zu Hause ist.

Zur Serie

Gemeinsam mit dem Warburger Stadtarchiv im „Stern“ hat das WESTFALEN-BLATT die neue Serie „Ein Foto – und seine Geschichte“ gestartet . Wir haben interessante Motive und selten erzählte Geschichten entdeckt, die wir in den kommenden Wochen in loser Reihenfolge in dieser Zeitung aufbereiten sowie auf unseren Online-Kanälen präsentieren. Die bald 1000-jährige Stadtgeschichte bietet eine Fülle an Themen.

Viel Freude beim Lesen!

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