Corona zwingt Pächterehepaar in der Warburger Altstadt zur Aufgabe
„Pils Quelle“ sprudelt nicht mehr

Warburg (WB). Acht Jahre haben Detlef und Oksana Rasche in der Gaststätte „Pils Quelle“ in der Warburger Altstadt täglich außer sonntags ihre Gäste bewirtet. Ab dem 16. August ist Schluss.

Freitag, 05.06.2020, 07:00 Uhr aktualisiert: 05.06.2020, 09:10 Uhr
Gastwirt Detlef Rasche und Sohn Georg hinter dem Tresen der „Pils Quelle“. Nach dem 15. August wird dort kein Pils mehr gezapft. Das Ehepaar Rasche schließt corona-bedingt sein Lokal in der Warburger Altstadt. Foto: Astrid E. Hoffmann

„Wir müssen die Reißleine ziehen, zum jetzigen Zeitpunkt können wir noch schuldenfrei aufhören“, sagt Nebenerwerbsgastwirt Detlef Rasche. Ganz viel Wehmut liegt dabei in seiner Stimme, denn die „Pils Quelle“ gibt das Wir­tepaar nicht freiwillig auf. „Unsere Auftragsbücher waren voll, dann kam Corona“, sagt der 49-Jährige.

Vom 14. März bis zum 11. Mai blieb die rustikale Schankwirtschaft wegen der Pandemie geschlossen. Jetzt wird wieder Pils ausgeschenkt, und auch Speisen werden angeboten, aber es dürfen nur 20 Personen zur gleichen Zeit in dem Gasträumen sein.

Nebenerwerbsgastwirt arbeitet hauptberuflich bei Benteler

„Die Pils Quelle war unser Baby“, sagen Detlef und Oksana Rasche. Er ist hauptberuflich bei der Firma Benteler beschäftigt und daher nicht abhängig von dem Geschäft. „Mir tun die Kollegen leid, deren Existenz daran hängt“, sagt der Familienvater. „Die Einnahmen vom Winter haben wir jetzt schon verloren. Wenn man wüsste, es ginge im Dezember wieder normal weiter, könnte man sich durchkämpfen, aber ohne absehbares Ende kann es nicht weitergehen“, hat Detlef Rasche alles genau durchgerechnet und weiß, ohne Kredit würde sich der Betrieb nicht aufrechterhalten lassen.

Seine Frau Oksana, die mit Leib und Seele im Service und in der Küche arbeitet, wird nun erst einmal nur zu Hause sein. In den guten Zeiten waren auch zwei Aushilfen im Betrieb beschäftigt. Der Chef ist froh, dass diese den Job auch „nur“ als Nebenverdienst gemacht haben und es für sie nicht an die Existenz geht.

Sieben Stunden am Hygienekonzept gefeilt

Sieben Stunden hat Detlef Rasche am Hygienekonzept gearbeitet. Wo sonst zehn Personen um einen Tisch sitzen, können aktuell nur vier Personen Platz nehmen. Die Hocker an der Theke müssen leer bleiben. Die Speisekarten, die Türklinken und die Toiletten werden ständig desinfiziert. Die Gäste kommen und gehen mit Masken.

Wohlfühlen beim Feierabendbier geht anders, weiß der Wirt. „Wir machen diese Arbeit sehr gern, es macht uns wirklich viel Spaß“, sagt das Ehepaar und blickt sich traurig im Gastraum um. Inzwischen sind einige Gäste eingetroffen, einer von ihnen drückt direkt sein Bedauern über die Schließung aus: „Es wird etwas fehlen, hier in der Langen Straße.“

Schon bei Hubert Urban hieß die Gaststätte „Pils Quelle“

Weihnachtsfeiern, Versammlungen, Kommunion- und Konfirmationsfeiern, Geburtstage und sonstige Jubiläum wurden in der urigen Gastwirtschaft mit dem schönen Namen ausgerichtet. Schon bei Brauereibesitzer Hubert Urban hieß die Gaststätte „Pils Quelle“, das erfuhr Detlef Rasche, als er seine Gaststätte so nannte, weil ihm der Name gut gefiel.

Nun wird diese Quelle nicht mehr lange sprudeln. In der zweiten Augusthälfte wird ausgeräumt, dass Equipment für einen Neustart eingelagert. „Vielleicht können wir doch irgendwann wieder eine Gaststätte führen, wenn es eine Perspektive gibt“, sagt Rasche, dessen Eltern bis 2012 auch den Ratskeller in Warburg führten. „Wir sagen leise ‚Auf Wiedersehen‘, denn eine Abschiedsparty dürfen wir ja auch nicht feiern“, bedauern Oksana und Detlef Rasche, die ihre Gäste sehr vermissen werden.

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