Serie „Ein Bild – und seine Geschichte“: Ein Haus für die Jugend
Eine Herberge auf der Hüffert

Warburg (WB). In unserer Serie „Ein Bild – und seine Geschichte“ ist heute ein Gebäude zu sehen, das 1928 erbaut wurde. Der Aushänger mit dem Wanderer an der Hausecke macht deutlich, dass es sich um eine Jugendherberge handelt. Das Foto dürfte kurz nach der Eröffnung entstanden sein.

Samstag, 30.05.2020, 13:02 Uhr aktualisiert: 30.05.2020, 13:10 Uhr
Der Aushänger mit dem Wanderer an der Hausecke macht deutlich, dass es sich um eine Jugendherberge handelt.Das Foto dürfte kurz nach der Eröffnung 1928 entstanden sein. Foto: Stadtarchiv

50 Betten stehen zur Verfügung

Im Frühjahr und Sommer 1928 wurde neben dem Sportplatz auf der Hüffert gebaut. Auf einem Grundstück, das die Stadt dem Jugendherbergswerk zur Verfügung gestellt hatte, entstand gegenüber der Tennisanlage eine Jugendherberge. Am 30. September des Jahres wurde sie zusammen mit der benachbarten Hüffertkampfbahn feierlich eingeweiht. Erst 16 Jahre zuvor war die erste Jugendherberge überhaupt eröffnet worden.

Die beiden Geschosse der Warburger Jugendherberge hatten je eine Grundfläche von 120 Quadratmetern, das Dachgeschoss von 95 Quadratmetern. 50 Betten standen zur Verfügung. Die Bauleitung hatte der 1888 geborene Karl Heise, einer der Söhne des Bildhauers Franz Heise. Im Juli 1929 wechselte Heise von Warburg nach Troisdorf, wo er als Gemeindebaumeister tätig war.

Integration in die Hitlerjugend

Die Stadtchronik berichtet für das Jahr 1929: „In diesem Jahr fanden die ersten Schulungskurse in der neuen Jugendherberge statt. Am 18. März begann ein Lehrgang für Leibesübungen, an dem 50 Jugendführer aus den Kreisen Höxter, Büren und Warburg teilnahmen. Im August weilten mehrere Lehrerinnen aus Bochum und Hamborn mit ihren Schülerinnen in der Jugendherberge. Alle Teilnehmer waren voll des Lobes von der schönen Herberge, aber auch von den Schönheiten des ihnen bis dahin unbekannten Diemelstädtchens.“

In den Jahren 1934 bis 1936 hatte die Jugendherberge dann 2500 Übernachtungen pro Jahr aufzuweisen. Ein Wert, der unter dem Durchschnitt lag. Bereits im März 1933 war das Deutsche Jugendherbergswerk in die Hitlerjugend integriert worden, die Warburger Herberge wurde dem Reichsarbeitsdienst überlassen.

Nutzung als Isolierstation

Im Januar 1945 wurde dann in dem Haus am Stiepenweg ein Behelfskrankenhaus eingerichtet, lange Jahre blieb die ehemalige Jugendherberge anschließend Isolierstation des benachbarten St.-Petri-Hospitals. 35 Betten waren vorhanden. 1955 zum Beispiel waren hier im Laufe des Jahres 283 Erkrankte untergebracht, die an Tbc, Diphterie, Scharlach, Typhus und anderen infektiösen Erkrankungen litten.

Als es in Warburg vorübergehend an Schulraum mangelte, wurden Teile des Hauses als Unterrichtsräume genutzt, andere Räume waren vermietet. Das 1949 neu gegründete Deutsche Jugendherbergswerk, noch immer Eigentümer des Hauses, wollte schon in den 50er-Jahren nicht wieder eine Jugendherberge in Warburg einrichten. Im Vorfeld des Baus des Schulzentrums wurde das Haus am Stiepenweg schließlich abgerissen.

Informationen zur Serie

Gemeinsam mit dem Warburger Stadtarchiv im „Stern“ hat das WESTFALEN-BLATT die neue Serie „Ein Foto – und seine Geschichte“ gestartet. Wir haben interessante Motive und selten erzählte Geschichten entdeckt, die wir in den kommenden Wochen in loser Reihenfolge in dieser Zeitung aufbereiten sowie auf unseren Online-Kanälen präsentieren. Die bald 1000-jährige Stadtgeschichte bietet eine Fülle an Themen.

Viel Freude beim Lesen!

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