Absage lässt Verträge platzen – „Höhere Gewalt“ schützt vor Zahlungen
Neustart 2021 in Dössel geplant

Warburg (WB). Eines steht fest: Schützenfeste werden in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie im Warburger Land nicht gefeiert. Allerdings hatten die meisten Vereine bereits – wie üblich – Verträge mit Festwirten und Tanzkapellen abgeschlossen. Nach dem Verbot der Traditionsfeste sehen sich einige Vereine aber plötzlich aufgrund dieser Verträge mit Schadenersatzforderungen konfrontiert.

Dienstag, 12.05.2020, 09:00 Uhr aktualisiert: 12.05.2020, 09:38 Uhr
Beim Stadtkönigsschießen während der Warburger Oktoberwoche hat die Warburger Schützenfamilie zuletzt gemeinsam gefeiert. Viele Vereine befürworten jetzt einen Neustart im Frühjahr 2021 mit einem Stadtschützenfest in Dössel. Foto: Jürgen Vahle

Warburgs Oktoberwochen-Manager und Tourismus-Chef Norbert Hoffmann bleibt gelassen: „Solche Forderungen sind aus meiner Sicht haltlos.“

Eigentlich sei der Sachverhalt eindeutig. Und spätestens nach der am Wochenende erschienenen neuen Verordnung des Landes NRW zum Schutz vor Corona ist er auch noch einmal schwarz auf weiß nachzulesen: Großveranstaltungen sind bis 31. August verboten.

Was eine Großveranstaltung konkret ist, hat die Landesregierung zwar nach wie vor nicht mitgeteilt, allerdings ein paar Beispiele genannt – darunter finden sich auch die Schützenfeste.

Schadenersatzforderungen

Dennoch flattern derzeit bei einigen Schützenvereinen der Region Schadenersatzforderungen ins Haus. Bands und Festwirte wollen Ausfallhonorare oder fordern Schadenersatz. Doch die meisten Verträge seien wasserdicht und hätten die eindeutige Klausel, dass bei „Höherer Gewalt“, und das sei eine solche Pandemie eindeutig, nicht gezahlt wird, glaubt Norbert Hoffmann, der sich in der Stadtverwaltung seit Jahren auch um die Belange der Schützen kümmert.

Norbert Hoffmann holt sich juristischen Rat

Selbst bei den Verträgen, bei denen die Klausel „Höhere Gewalt“ nicht enthalten sei, seien die Chancen der Musiker und Festwirte, die Vereine in die finanzielle Pflicht nehmen zu können, sehr gering, berichtet Norbert Hoffmann.

Er hat sich in der Angelegenheit am Freitag auch noch einmal juristischen Rat beim Warburger Rechtsanwalt Christian Jansen eingeholt. Jansen, selber im Vorstand des Warburger Schützenvereins, glaubt, dass die Vereine vor Gericht, und da müsste eine solche Angelegenheit im schlimmsten Fall entschieden werden, mit hoher Wahrscheinlichkeit gewinnen würden – selbst wenn „Höhere Gewalt“ kein Bestandteil der Verträge sei.

Norbert Hoffmann kann die Bands und Wirte aber auch verstehen, denen praktisch die gesamten Einnahmen wegbrechen.

Auf der anderen Seite gehören die Schützen zwar nicht zu den ärmsten Vereinen der Region, Geld zu verschenken haben sie aber bei ihren vielen Verpflichtungen und Aufgaben in den Ortschaften auch nicht.

Beratung für Vereine

Norbert Hoffmann will Vereine in solchen Situationen beraten und verweist auf ein Vorgehen, das jetzt einen ähnlich gelagerten Konflikt in Daseburg befriedet hat. Eine Tanzband soll kurzerhand bereits für 2021 verpflichtet und ein Teil des Honorars im Voraus bezahlt werden. Der Vorstand will darüber in Kürze abschließend beraten.

Schützen planen Neustart im Frühjahr 2021

Unter den Schützen des Warburger Stadtgebietes gibt es mittlerweile auch eine Art Fahrplan, wie es mit den Festen weitergehen könnte.

„Vieles spricht dafür, dass im Frühjahr 2021 mit dem Stadtschützenfest in Dössel wieder begonnen wird“, macht Bürgermeister Michael Stickeln deutlich. Dieser Vorschlag findet auch in weiten Kreisen der Schützen Zustimmung.

Sollte doch Oktoberwoche gefeiert werden, würde es beim Schützenabend in der Stadthalle auf einen Ball ohne Schießen hinauslaufen.

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