Engelhardsches Haus war und ist ein beliebtes Ansichtskartenmotiv
Gebäude mit bewegter Geschichte

Warburg (WB). Auf so mancher Ansichtskarte war und ist es zu sehen, das Engelhardsche Haus an der Hauptstraße in unmittelbarer Nähe der Neustadtkirche. In einer neuen Folge der Serie „Ein Bild – und seine Geschichte“ blicken wir auf die wechselvolle Geschichte des Gebäudes, in dem heute Optik Becker beheimatet ist.

Sonntag, 03.05.2020, 09:00 Uhr
Dieses Bild aus dem Warburger Stadtarchiv zeigt einen Blick auf das Engelhardsche Haus im frühen 20. Jahrhundert . Das Gebäude hat eine wechselvolle Geschichte und beherbergt heute das Optikgeschäft Becker. Foto: Stadtarchiv Warburg

Erbaut wurde das Haus vermutlich im dritten Viertel des 16. Jahrhunderts. Seinen heutigen Namen erhielt es nach seiner früheren Besitzerin Justine Engelhardt, die es 1880 kaufte und bis zu ihrem Tod im Jahre 1912 bewohnte.

Reiche Ausstattung mit Inschriften

Eine Besonderheit des Hauses ist die reiche Ausstattung mit Inschriften. Jüngeren Datums, nämlich von 1929, ist die Inschrift, die auf eine Sanierung und farbliche Neufassung hinweist. Die übrigen niederdeutschen und lateinischen Sprüche an der Giebelseite und an der dem Kirchplatz zugewandten Seite stammen aus der Erbauungszeit. Diese Inschriften folgen mit Zitaten aus den Psalmen und aus den Römerbriefen weitgehend Bibelversen.

Konfessionelle Lage noch nicht eindeutig geklärt

Wenn die Inschrift auf dem dritten Balken richtig restauriert ist, war der mutmaßliche Erbauer Henrich Greuter, der ein Geistlicher gewesen sein dürfte. Leider sind bisher über ihn in den Archiven keine Nachrichten gefunden worden. Er könnte, das lässt sich aus den Sprüchen folgern, der evangelischen Lehre nahegestanden haben.

Die konfessionelle Lage in Warburg war zu diesem Zeitpunkt zwar weitgehend, aber noch nicht eindeutig geklärt. Die strikte Festschreibung auf das katholische Bekenntnis sollte erst unter Fürstbischof Dietrich von Fürstenberg (1585-1618) erfolgen.

Das Haus wurde 1929 vom damaligen Kreisbauamt Warburg von Grund auf saniert. Die Ansichtskarte zeigt es noch im alten, wohl weitgehend ursprünglichen Bestand mit dem Eingang in der Mitte und ohne Schaufester und hat damit einen besonderen Wert.

Blick in das Warburger Geschäftsleben

Bei der Sanierungsmaßnahme wurde die Eingangsseite nämlich deutlich verändert. Auch einen Blick in das Warburger Geschäftsleben gestattet die Ansichtskarte: Im Engelhardschen Haus war der Herrenschneider Becker zu finden, in den Häusern daneben an der Hauptstraße die Lederhandlung von Albert Rath und der Schuhmachermeister Albert Haffert. Im angrenzenden Haus am Kirchplatz, verputzt und grün gestrichen, war das Geschäft von Maria Schrader und Maria Schilp untergebracht. Sie boten laut einer Annonce im Adressbuch von 1909 Handstickereien, Weißwaren, Filzsachen, Taschentücher, Korsetts, Handschuhe, Strümpfe, wollenes und baumwollenes Garn und Kurzwaren für die Damenschneiderei an.

Für die langjährige Eigentümerin Justine Engelhard wird im Adress­buch von 1909 „Kinderwärterin“ als Beruf angegeben.

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