Malerin und Gymnasialprofessor waren bekannte Warburger
Als Jenny Kork Hochzeit feierte

Warburg (WB). Ein fast 110 Jahre altes Hochzeitsfoto einer Malerin und eines Gymnasialprofessors: Was es damit auf sich hat, beleuchten das WESTFALEN-BLATT und das Warburger Stadtarchiv in unserer nächsten Folge der Serie „Ein Bild – und seine Geschichte.“

Montag, 20.04.2020, 11:00 Uhr
Dieses 110 Jahre alte Hochzeitsfoto zeigt zwei der bekanntesten Warburger zu ihrer Zeit: Die Malerin Maria Anna Rosa (genannt Jenny) Kork und ihr Mann, den Gymnasialprofessor Adolf Kork. 18 Jahre waren sie verheiratet. Foto: Stadtarchiv Warburg

Vermutlich am 24. August 1910 entstand dieses Foto. An diesem Tage hatten nämlich vom Turm der Warburger Neustadtkirche die Hochzeitsglocken für Maria Anna Rosa, genannt Jenny, und den Gymnasialprofessor Benedict Joseph Adolf Kork geläutet.

Hochzeitskleidung entspricht gesellschaftlichem Stand

Die Hochzeitskleidung entspricht dem gesellschaftlichen Stand und dem Selbstverständnis des Paares. Das lange und hochgeschlossene Hochzeitskleid zeigt am Hals, am breiten Gürtel und am Saum Blumensträußchen. Der lange Schleier beginnt hinter dem Blumenschmuck im Haar und reicht weit auf den Boden. Der Brautstrauß besteht aus Rosen. Nebenbei bemerkt: In der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg war das weiße Brautkleid noch nicht überall die Regel, oft wurde noch in Schwarz geheiratet.

Adolf Kork trägt einen Anzug mit kurzer Jacke und Weste, am Revers eine Schleife mit einem Sträußchen. Zum zeittypischen Kläppchenkragen passt anlassgemäß die weiße Fliege. In der rechten Hand ist ein weißes (Spitzen-)Tuch zu erkennen.

Entstanden ist das Foto möglicherweise im Garten der Villa Geissel, die der Vater von Jenny Kork in den neunziger Jahren hatte errichten lassen. An ihrer Stelle steht heute ein großes Miets- und Geschäftshaus mit der Anschrift „Paderborner Tor 107“.

Adolf Kork war am 2. Juni 1860 in Dorsten geboren worden. Seit 1888 am Warburger Gymnasium tätig, durfte er ab 1906 den Professorentitel führen.

Als Malerin feste Größe in der Warburger Kunstgeschichte

Seine Ehefrau Jenny Kork wurde am 25. Oktober 1872 als zweites von zehn Kindern des damaligen Kreisrichters Maximilian Geissel in Borgentreich geboren. Wenige Jahre später zog die Familie nach Warburg, wo der Vater als Justizrat tätig war. Sein langjähriges Engagement als ehrenamtlicher Beigeordneter wurde 1919 mit der Ernennung zum Ehrenbürger gewürdigt.

In den Aufgebotsunterlagen zu ihrer standesamtlichen Eheschließung, die am 23. August 1910 stattfand, wird für Jenny Geissel als Beruf „Malerin“ angegeben. Und als Malerin gehört Jenny Kork als feste Größe zur Warburger Kunstgeschichte.

Ihre künstlerische Ausbildung hatte sie in Kassel und München erhalten, wiederholt reiste sie zwischen 1905 und 1908 zu Studien nach Paris. In ihrer Kunst widmete sich Jenny Kork zeitlebens vornehmlich Motiven aus ihrer Heimatstadt Warburg und der umgebenden Landschaft. Neben einigen wenigen Radierungen entstanden in erster Linie Ölgemälde.

Stilistisch dem Impressionismus nahe

Stilistisch stand Jenny Kork dem Impressionismus nahe. Vor der Eheschließung hatte sie ihre Arbeiten mit J. G. für Jenny Geissel signiert. Arbeiten von Jenny Kork waren in mehreren Ausstellungen des Warburger Museums im „Stern“ zu sehen und gehören zum festen Sammlungsbestand des Hauses.

18 gemeinsame Jahre verblieben dem Ehepaar. Zunächst wohnte es im südlichen Teil des Mönchehofs, in unmittelbarer Nähe des Arbeitsplatzes von Professor Kork, später dann an der Langen Straße, vermutlich im heutigen Hause Paderborner Tor 112 und damit gegenüber der Villa Geissel.

Adolf Kork ging im Jahre 1924 in den Ruhestand und starb vier Jahre später. Jenny Kork lebte noch 23 Jahre im Witwenstande. Verstorben am 11. Oktober 1951, fand Jenny Kork ihre letzte Ruhe auf dem Burgfriedhof neben ihrem Ehemann.

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