Tabak- und Lottoladen von Markus Schäfers in Warburg darf weitermachen
Nach vier Tagen wieder am Start

Warburg (WB). Eigentlich hatte sich Markus Schäfers (35) schon mit seinem Schicksal abgefunden. Seit zwölf Jahren betreiben er und seine Mutter Ingeborg (60) einen Tabak-, Zeitungs- und Lottoladen an der Warburger Hauptstraße 30. Und auch er erhielt am 18. März Besuch vom Ordnungsamt mit der Anweisung, sein Geschäft wegen der Corona-Pandemie zu schließen. Doch einige Tage später sperrte er seine Ladentür wieder auf – und das ganz legal.

Montag, 06.04.2020, 23:08 Uhr aktualisiert: 07.04.2020, 05:03 Uhr
Markus Schäfers kann seine Zeitungen und Zeitschriften wieder einräumen. Der 35-Jährige durfte seinen Tabak-, Zeitungs- und Lotto-Laden an der Hauptstraße überraschend wieder öffnen. Die Kunden sind froh über ein Stück Normalität. Foto: Jürgen Vahle

Schließung angeordnet

Für den zweifachen Familienvater aus Germete war die Angelegenheit eigentlich klar. Nahezu alle Einzelhändler der Warburger Innenstadt müssen auf Anweisung der Regierung und des Bürgermeisters bis 19. April schließen. Und spätestens als zwei Mitarbeiter der Stadt Warburg am Mittwoch, 18. März, mit ihren Dienstausweisen in der Hand im Laden standen und die Schließung anordneten, hatten Markus Schäfers und seine Mutter Ingeborg keine Fragen mehr.

Diese Fragen kamen dem 35-Jährigen einige Tage später aber doch. Er wollte seine Zeitschriften zusammenpacken und zurück zum Großhandel schicken. Doch dort stieß er auf ziemliches Unverständnis. Kioske und Zeitungsläden dürften doch zur Entlastung des Lebensmitteleinzelhandels weiter geöffnet bleiben, erfuhr er dort. Und da Markus Schäfers zudem noch eine Paketannahme für das Unternehmen DHL in seinen Räumen hat, gelte sein kleiner Laden sogar als „systemrelevant“.

„Die Mittagspause muss einfach sein“

Der Rest war dann Formsache: Ein kurzer Anruf bei Warburgs Wirtschaftsförderer Sören Spönlein – und die Sache war geritzt. Am Montag, 23. März, vier Tage nach der Anweisung des Ordnungsamtes, war „Lotto-Toto-Tabakwaren Schäfers“ wieder am Start.

Sauer auf die Behörden ist er übrigens nicht. „Wir haben es eben alle nicht besser gewusst. Eine solche Situation hat es ja auch noch nie gegeben.“

Natürlich gelten auch in seinem Geschäft unweit der Kreuzung Hauptstraße/Sternstraße jetzt auch neue Hygienebestimmungen. Die Theke ist mit einer Schutzfolie versehen, auf dem Boden kleben Linien, damit Kunden Abstand zueinander halten, ein Zettel mit Hygieneregeln findet sich an der Tür, Desinfektionsmittel steht bereit. „Die Kunden halten sich astrein daran. Da gibt es überhaupt keine Probleme“, berichtet Markus Schäfers.

Außerdem hat er die Öffnungszeiten etwas reduziert, macht jetzt nur von 8 bis 13 und von 14.30 bis 18 Uhr auf. „Die Mittagspause muss einfach sein. Man kann sich auch nicht zehn Stunden am Tag Corona-Geschichten anhören. Da braucht man zwischendurch eine Auszeit“, berichtet er.

„Ein bisschen wie in einer verlassenen Goldgräberstadt“

Die Nachricht, dass der Tabakladen wieder geöffnet hat, sprach sich in Warburg übrigens schnell rum. „Aber viele Kunden haben am Anfang erst noch einmal angerufen, ob das auch wirklich stimmt. Das waren bestimmt 30, 40 Gespräche am Tag“, erzählt der Geschäftsinhaber: „Die Leute haben sich über das Stück Normalität gefreut, die Stammkunden erst recht.“

Die Umsätze liegen bei ihm übrigens „im normalen Bereich“. Und staatliche Unterstützung will er daher auf keinen Fall beantragen.

Auch Markus Schäfers hofft aber natürlich wie alle anderen Händler in der Hauptstraße, dass sich bald wieder alles normalisiert. „Wenn du der einzige in der Straße bist, der geöffnet hat, ist das schon ein komisches Gefühl. Ein bisschen wie in einer verlassenen Goldgräberstadt, durch die der Wind pfeift.“

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