Neue Serie: Als Künstler Gottfried Beyer „ernstliche Warnungen“ erhielt
„Villa Malkasten“

Warburg (WB). 1925 wurde auf der Warburger Hüffert eine besondere Baustelle eingerichtet. Von der Errichtung der Künstlerklause Beyer wird im dritten Teil unserer Serie „Ein Bild – und seine Geschichte“ berichtet.

Samstag, 04.04.2020, 17:00 Uhr
Ein Stück Warburger Siedlungsgeschichte: 1925 wurde dieses Foto von der Errichtung der Künstlerklause Gottfried Beyer auf der Hüffert aufgenommen. Mit dem Bau des Hauses machte sich der Kunsterzieher und Maler nicht nur Freunde. Foto: Stadtarchiv Warburg

1925 ließ der Kunsterzieher und Maler Gottfried Beyer (1889-1968) am Bittkreuz auf der Hüffert ein Wohnhaus bauen, das in Warburg als „Künstlerklause“ oder „Villa Malkasten“ bekannt wurde.

Mit sichtbarem Stolz ließ er die Arbeiten in einem frühen Bauabschnitt von einem Fotografen festhalten. Der Bauherr steht in der Fundamentgrube und legt die Hand auf einen bereits errichteten Grundmauersockel.

Nach mehr als 300 Jahren wagte Gottfried Beyer eine Ansiedlung

Im Mittelalter hatte auf der Hüffert eine gleichnamige unbefestigte Vorstadt gelegen. Im Dreißigjährigen Krieg wurde sie vollständig zerstört, über Jahrhunderte erstreckten sich hier nur Gärten. Gottfried Beyer war der erste, der nach mehr als 300 Jahren wieder eine Ansiedlung wagte.

Bauherr legt eigene Wasserleitung an

In einem Zeitungsartikel von 1949 schilderte Gottfried Beyer die Widerstände, die zu überwinden waren: „Aus den Kreisen der Bürgerschaft wurde mir nicht nur von meinem Vorhaben abgeraten, es kamen sogar ernstliche Warnungen. Viele Widerstände musste ich überwinden und eine eigene Wasserleitung über 100 m Strecke anlegen.“

Bereits zwei Jahre vorher hatten die Armen Schulschwestern mit dem Neubau in unmittelbarer Nachbarschaft zu Beyers Baustelle begonnen. Das Foto erinnert somit an eine frühe Phase der Siedlungsentwicklung auf der Hüffert in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Einblicke in die damaligen Arbeitstechniken im Bauhandwerk

Gleichzeitig gibt es Einblicke in die damaligen Arbeitstechniken im Bauhandwerk. Acht Maurer und Handwerker wurden vom Fotografen in der Arbeit unterbrochen.

Handarbeit ist das Grundprinzip

Spezielle Arbeits- oder Schutzkleidung tragen sie nicht. Handarbeit ist das Grundprinzip.

Die Bruchsteine für das Fundament werden mit der hölzernen Schubkarre herantransportiert. In dem Mörtelkübel im Vordergrund wird der Speis angerührt. Mit dem Vogel, einem wannenförmigen Holzkasten, auf den der Lederstiefel tragende Arbeiter seine Hand stützt, wurde der Mörtel dann zu einem weiteren Kübel für den Maurer getragen, der neben dem Bauherrn zu sehen ist.

Links im Hintergrund liegen bereits die Ziegel bereit, aus denen die Wände errichtet werden sollen. Der Abstieg in die Fundamentgräber erfolgte über hölzerne Leitern. Schaufel und Spitzhacke sind weitere dargestellte Arbeitsgeräte.

Alltag auf Baustellen dieser Zeit

Die hier gezeigten Arbeitstechniken und Arbeitsbedingungen dürften auf allen Baustellen dieser Zeit geherrscht haben.

Zwei Spaziergänger schauen sich mit sichtbarem Interesse auf der Baustelle um. Wer sie waren, ist nicht mehr zu ermitteln. Der würdige Herr links mit dem Spazierstock dürfte, wie seine Kleidung vermuten lässt, ein geistlicher Herr gewesen sein.

Im Hintergrund sind von rechts nach links der Turm der Neustadtkirche, der Sackturm, die Dächer von zwei Häusern am Burgfriedhof und Teile der Neustädter Volksschule zu erkennen.

In der erste Folge unserer Serie haben wir das Wirken des Bürgermeisters August Dissen betrachtet.

Im zweiten Teil der Serie stand ein Foto vom Kaiser- und Kriegerdenkmal im Mittelpunkt.

 

„Ein Foto – und seine Geschichte“

Gemeinsam mit dem Warburger Stadtarchiv im „Stern“ startet das WESTFALEN-BLATT die neue Serie „Ein Foto – und seine Geschichte“. Wir haben interessante Motive und selten erzählte Geschichten entdeckt, die wir in den kommenden Wochen in loser Reihenfolge in dieser Zeitung aufbereiten sowie auf unseren Online-Kanälen präsentieren. Die bald 1000-jährige Stadtgeschichte bietet eine Fülle an Themen. Viel Freude beim Lesen!

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