Stadt hat kein Interesse an Industriebrache – Rübenanbaufläche bleibt unverändert Käufer für alte Zuckerfabrik gesucht

Warburg (WB). Die Zukunft der ehemaligen Warburger Zuckerfabrik war unlängst Thema eines Treffens von Landwirten mit Warburgs Bürgermeister Michael Stickeln. Dieser machte deutlich, dass die Stadt aus verschiedenen Gründen kein Interesse daran habe, das bald leer stehende Werksgelände zu erwerben. Die Landwirte kommen derweil offenbar gut ohne das Warburger Werk zurecht.

Von Jürgen Vahle
Eines der letzten Fotos, dass die Zuckerfabrik in Betrieb zeigt. Für das Werk wird ein Käufer gesucht. Die Stadt hat allerdings kein Interesse.
Eines der letzten Fotos, dass die Zuckerfabrik in Betrieb zeigt. Für das Werk wird ein Käufer gesucht. Die Stadt hat allerdings kein Interesse. Foto: Hermann Menne

Das Gelände der Zuckerfabrik als Kommune zu kaufen, berge zu viele finanzielle Risiken, vor allem mit Blick auf mögliche Altlasten, macht Michael Stickeln deutlich. Allerdings möchte die Stadt gerne mitreden, wenn es um eine Überplanung des Areals geht, das von hoher städtebaulicher Bedeutung sei.

Nach Informationen von Dr. Dominik Risser, Sprecher der Südzucker AG, der das Gelände und die Gebäude gehören, gebe es bereits „hier und da Interessenten“, doch etwas Konkretes über die Zukunft des Areals oder einen möglichen Verkaufstermin könne er noch nicht sagen.

Nach wie vor hat die Südzucker AG am alten Standort Futtermittel und Zucker gelagert, das von Warburg aus vermarktet wird. Parallel laufe der Rückbau. „Wir demontieren zuckerspezifische Teile, die wir in anderen Werken weiter nutzen wollen“, berichtet Dr. Dominik Risser.

Sprengung des Schornsteins ist noch kein Thema

Gerüchte in der Stadt, der markante Schornstein könnte in Kürze gesprengt werden, bestätigte der Unternehmenssprecher nicht. Da die Nachnutzung noch nicht feststehe und ein Investor womöglich den Kamin noch brauche, werde darüber noch nicht nachgedacht.

Michael Stickeln hatte im Gespräch mit den Landwirten in Zusammenhang mit der Schließung der Fabrik noch einmal deutlich gemacht, dass es im vergangenen Jahr im Vorfeld keine Signale für das Aus des Zuckerwerks gegeben habe. „Davon sind wir völlig überrascht worden.“ Stickeln glaubt, dass selbst hohe Mitarbeiter des Warburger Werkes im Vorfeld nicht eingeweiht gewesen seien.

Zwei Angebote ausländischer Unternehmen

Kurz nach Bekanntwerden der Südzucker-Pläne habe es zwei Angebote ausländischer Unternehmen gegeben, die das Zuckerwerk in der alten Funktion hätten fortführen wollen. Das habe die Südzucker AG aber abgelehnt, um sich keine eigene Konkurrenz zu schaffen, erinnert sich Stickeln.

Für die Stadt Warburg haben sich aus der Schließung des Werkes eine ganze Reihe Probleme ergeben. Nicht nur, dass mehr als 100 Mitarbeiter ihren Job verloren haben: Auch für die Kläranlage habe es eine Kooperationsvereinbarung mit Südzucker gegeben. Große Investitionen am Kuhlemühler Weg fußen auf diesem Kontrakt mit dem Aktienunternehmen. Ein Rechtsstreit ist anhängig. Konkretes wollte der Bürgermeister mit Blick auf laufende Verhandlungen aber nicht sagen. Er sei „sehr optimistisch, dass die Angelegenheit für den Gebührenzahler kostenneutral ausgeht“, berichtete er.

Anbaufläche im Kreis Höxter nicht verringert

Obwohl die Zuckerfabrik in Warburg geschlossen ist, muss die Anbaufläche im Kreis Höxter nicht verringert werden. Das hat der Landwirtschaftliche Kreisverband Höxter mitgeteilt.

Das Unternehmen Südzucker verarbeite in Wabern die Warburger Rüben. Zudem würden von der Firma Pfeiffer und Langen in Lage (Kreis Lippe) Zuckerrüben aus dem Kreis Höxter verarbeitet. Dazu gekommen sei außerdem das Unternehmen Nordzucker in Nordstemmen in Niedersachsen. „Sie sind neu ins Geschäft im Kreis eingestiegen. Somit gehen die Rüben aus unserem Kreis an insgesamt drei Verarbeiter“, erklärt der Vorsitzende des Kreisverbandes, Antonius Tillmann aus Bonenburg.

Auch die Biorüben, die bisher in der Zuckerfabrik in Warburg verarbeitet wurden, müssten nun nicht nach Bayern zu Südzucker. Sie würden auch von der Firma Nordzucker in Schladen in Südniedersachsen verarbeitet. „Weiter ist der Zuckermarkt momentan wieder freundlicher gestimmt“, erläutert Tillmann, weil zum Beispiel in Thailand das Zuckerrohr aufgrund der Trockenheit nicht wachse.

Höhere Transportkosten

Allerdings blieben die Landwirte auf den höheren Transportkosten für die Abfuhr nach Lage, Wabern oder anderen Werken sitzen, berichtet Antonius Tillmann. Er beziffert die Mehrkosten auf etwa 12o Euro pro Hektar Rüben. Tillmann machte aber auch deutlich, dass der Anbau der Zuckerrüben immer noch ein gute Einnahmequelle sei.

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