Behörde im Kreis Höxter baut auf neue Fahrzeuge – Sicherheit wurde erhöht Mehr Platz für die tägliche Polizeiarbeit

Höxter (WB). Der Koffer mit persönlichen Sachen bleibt oft in der Wache, müssen Personen hinten mitgenommen werden, wandert der eine oder andere Gegenstand schon mal auf den Schoß des Beifahrers. „Für privat sicher ein super Auto, für den Polizeidienst aber nicht so gut geeignet“, lautet das Fazit von Dienstgruppenleiter Jörg Böning.

Von Ralf Brakemeier
Polizeikommissarin Pia Jungmann ist begeistert von den neuen Streifenwagen der Kreispolizei Höxter. Mehr Platz und eine erhöhte passive Sicherheit überzeugen sie.
Polizeikommissarin Pia Jungmann ist begeistert von den neuen Streifenwagen der Kreispolizei Höxter. Mehr Platz und eine erhöhte passive Sicherheit überzeugen sie. Foto: Ralf Brakemeier

Nun wird der BMW 3er-Kombi – noch der Standard Streifenwagen auch im Kreis Höxter – nach und nach ausgetauscht. „Bis zum kommenden Jahr werden alle Wachen im Kreis Höxter mit neuen Fahrzeugen ausgestattet“, sagt Jörg Niggemann, Pressesprecher der Polizei in Höxter.

Vorgesehen ist, die insgesamt 22 BMW-Streifenwagen durch 15 Ford S-Max und sieben Mercedes Vito-Tourer zu ersetzen. Mit dem Minivan und dem Kleintransporter steht der Polizei dann vor allem eines zur Verfügung: deutlich mehr Platz. „Mit voller Beladung und zwei Polizeibeamten, durfte der 3er nur noch etwas mehr als 50 Kilo zuladen. Die Mitnahme etwa eines Verdächtigen oder eines Auszubildenden wird dann schon knapp“, macht Polizeihauptkommissar Harald Bünz deutlich. Der 56-Jährige ist seit 40 Jahren bei der Polizei und für die Dienstfahrzeuge in Höxter zuständig. Die ersten S-Max’ und Vitos sind bereits im Einsatz, die Erfahrungen durchweg positiv.

LED-Blitzer bieten mehr Sicherheit

Das bestätigt auch Pia Jungmann. Die Polizeikommissarin ist schon in beiden Fahrzeugen Streife gefahren und kann nur Gutes berichten. „In die neuen Fahrzeuge geht nicht nur mehr rein, sie sind allein durch das Plus an Höhe auch besser sichtbar – gerade bei der Verkehrsregelung nach Unfällen ein echter Sicherheitsvorteil“, findet die 23-Jährige. Dazu tragen auch die an vielen Stellen angebrachten LED-Blitzer bei. Sie sorgen dafür, dass die Fahrzeuge auch seitlich und bei schlechten Sichtverhältnissen gut erkennbar bleiben. Darüber hinaus sind die neuen Streifenwagen mit Rückfahrkameras und einem digitalen Videoeigensicherungssystem ausgestattet. Kameras filmen vorne und hinten die Arbeit der Polizei, im Fahrzeug kann dies über ein Display kontrolliert werden.

Ein Grund, warum die neue Fahrzeuggeneration für die alltäglichen Aufgaben so viel besser geeignet ist, sieht Jörg Niggemann in dem so genannten 5x5x5-Verfahren. „Fünf unterschiedliche Fahrzeuge wurden von fünf Polizeidienststellen über fünf Wochen ausgiebig getestet“, erklärt der Pressesprecher. Die Erkenntnisse aus der Praxis sind dann in die Entscheidung mit eingeflossen.

Die Kosten ließen sich nur schlecht vergleichen sagt Harald Bünz: „Die BMW wurden geleast, die neuen Autos zentral angekauft und dann an die 47 Polizeidienststellen in NRW ausgeliefert.“ Alle Fahrzeuge haben die Grundfarbe Silber und wurden für den Polizeieinsatz entsprechend foliert. Beide Fahrzeugtypen sind knapp unter fünf Meter lang und mit einem kräftigen (190 PS) Dieselmotor ausgestattet.

Trotz Höchstgeschwindigkeiten über 200 km/h hält sich der Verbrauch der Aggregat, die die hohe Umweltnorm Euro 6d Temp erfüllen, in Grenzen (6 Liter/100 Kilometer) „Um den Verkauf müssen wir uns am Ende aber nicht kümmern“, sagt Bünz, „die Autos gehen zurück an die Zentrale in Selm (Münsterland). Wir sind lediglich für Wartung und Reparatur zuständig.“

Bis zu 12.000 Kilometer im Monat

Die Fahrzeuge werden von sechs Polizeibeamten in drei Schichten rund um die Uhr genutzt. Zwischen 120.000 und 200.000 Kilometer müssen die Streifenwagen im Dienst durchhalten, ehe sie ausgetauscht werden. „Das hängt von den Einsatzgebieten ab. In der Stadt wird natürlich weniger gefahren, bei uns im Flächenkreis kommen schon mehr Kilometer pro Monat zusammen. Im Führungswagen schon mal 12.000“, so Dienstgruppenleiter Böning. Er ist bereits seit 27 Jahren bei der Polizei im Kreis Höxter beschäftigt und weiß, worauf es ankommt. Denn für die unterschiedlichsten Notfälle muss ein Polizeifahrzeug besser ausgerüstet sein, als ein Schweizer Messer. Lübecker Hütchen, Kamera-Equipment, Besen, Blitzleuchten, Sets für Alkohol- und Drogentests oder zur Blutentnahme, Schutzwesten und Erste Hilfe-Ausrüstung gehören in die Streifenwagen. „Das Messrad zur Entfernungsmessung bei Unfällen muss im BMW wegen des Platzmangels demontiert und an unterschiedlichen Stellen verstaut werden“, berichtet Jörg Böning. In Corona-Zeiten inzwischen natürlich auch an Bord sind Schutzmasken für die Beamten.

Neben den 22 Streifenwagen, die für die meisten Menschen zum Stadtbild gehören, verfügt die Polizei im Kreis Höxter über weitere 50 Fahrzeuge, die für die sehr unterschiedlichen Einsatzbereiche ausgesucht wurden.

Fahrzeuge für besondere Einsätze

So gibt es neben den – bei Rasern nicht sehr beliebten – Wagen zur Verkehrsüberwachung (Blitzer) auch Fahrzeuge, die für die Brandermittlung ausgerüstet sind oder mit denen Hundeführer ihre vierbeinigen Helfer transportieren können. Zusätzlich zu den 2200 neuen Streifenwagen, die das Land NRW für seine Polizeibehörden anschafft (Kostenpunkt 116 Millionen Euro), werden im Laufe der nächsten drei Jahre 900 neue Zivilfahrzeuge angeschafft.

Nicht zuletzt kommen die neuen Autos mit ihrem hohen Einstieg, dem Automatikgetriebe und dem sehr großzügigen Platzangebot auch der Bequemlichkeit der Beamten entgegen.

„Schließlich ist das unser Arbeitsplatz, an dem wir viele Stunden am Tag verbringen“, stellt Dienstgruppenleiter Böning klar.

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