Eva Goelden fertigt Mundschutze für Hospize und Altenheime in Warburg
Nähen gegen Corona

Warburg (WB). Wenn die Nadel durch den Stoff sticht, ist Eva Goelden hoch konzentriert. Ratzfatz sind vier Teile miteinander verbunden, hinzu kommt ein Gummiband. In der Corona-Krise näht die 29-Jährige ehrenamtlich Masken für Hospize sowie Altenheime in Warburg. Nach 15 Minuten ist ein Mundschutz fertig. Hunderte werden noch folgen.

Mittwoch, 01.04.2020, 09:00 Uhr
Quietschbunt, mit Streifen oder Lamas: Eva Goelden (29) näht in der Corona-Krise massenhaft Mundschutze. Ihre Mutter Inge, sie lebt in Warburg-Bonenburg, macht mit. Gemeinsam statten die Frauen unter anderem Altenheime in Warburg aus. Foto: Daniel Lüns

Als Diabetikerin gehört sie zu einer Risikogruppe

„Nähen war schon immer mein Hobby. Meine Mutter Inge hat mir das beigebracht", erklärt die Paderbornerin. Als Diabetikerin versuche sie zurzeit, ihre sozialen Kontakte möglichst klein zu halten. "Ich gehöre zu einer Risikogruppe. Aber ich weiß, wie wichtig es ist, dass jetzt zum Beispiel Pflegepersonal gut ausgestattet ist", erklärt sie. So sei die Idee entstanden, wiederverwendbare Mundschutze zu nähen. "Das Verrückte ist: Meine Mutter hatte in derselben Nacht dieselbe Idee."

Lehrerin am Gymnasium Marianum

Seit Donnerstag setzen die Frauen die Idee in die Tat um. Goeldens Beruf macht das möglich. Sie arbeitet als Lehrerin am Gymnasium Marianum in Warburg. Ihre Fächer – Deutsch, Deutsch als Fremdsprache und Geschichte – unterrichtet sie zurzeit im Home-Office. In ruhigen Minuten – zwischen Online-Schüler-Sprechstunden und dem Erstellen von Aufgabenzetteln – surrt die Nähmaschine. Ihre Mutter tut es ihr gleich. „Ich nähe zu Hause in Paderborn, sie zu Hause in Warburg-Bonenburg", erklärt die 29-Jährige.

Zunächst galt es, das passende Maskenmuster zu finden. Im Internet zum Beispiel finden sich hunderte Ideen und Anleitungen, wie ein Mundschutz genäht werden sollte. Die beiden Frauen entwarfen kurzerhand ihr eigenes Schnittmuster. Mit Draht oder ohne? Zum Schnüren oder mit Gummizug? Durch Tüfteln entstand das Muster. „Wir haben die Masken auch Probe getragen", erklärt Eva Goelden. Probegewaschen wurden die Mundschutze auch – bei 60 bis 90 Grad. "Wir mussten ja gucken, dass der Stoff das auch aushält."

Quietschbunt, mit Streifen oder Lamas

Über das Wochenende entstanden so etwa 100 Mundschutze. Die ersten Exemplare gingen an den Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst Paderborn-Höxter. Ein anderes Paket ging an einen Hospizdienst nach Kassel.

Nun sollen zwei Altenheime in Warburg beliefert werden. Das Altenheim St. Vincentius in Scherfede und das Haus Phöbe in Rimbeck sollen jeweils etwa 100 Masken bekommen. So viele Menschen lebten dort zwar nicht, „aber wenn die eine Maske in der Wäsche ist, dann brauchen sie ja einen Ersatz".

Bei der Gestaltung der Masken greift die Lehrerin auf ihren Stoff-Fundus zurück. „Näher sind Jäger und Sammler. Sie haben oft viele Stoffe zuhause. Ich auch", sagt Goelden. So hüpfen auf einer Maske hellblaue Flamingos oder niedliche Lamas, eine andere zieren bunte Blumen. Auch klassische Masken, mit Streifen oder Punkten, werden genäht. "Aber alle sind farbenfroh", sagt die 29-Jährige. So soll jeder Träger, ob klein oder groß, alt oder jung, Freude an seinem Mundschutz haben. Gerade in der aktuellen Zeit.

Füreinander da sein und sich solidarisch zeigen

"Füreinander da zu sein und sich solidarisch zu zeigen, das ist nun wichtiger denn je", betont die 29-Jährige. Viele Näherinnen in Deutschland täten es ihr gleich. "Da ist schon eine große Gemeinschaft entstanden." Da der Bedarf an Mundschutzen groß sei, stünden die Nähmaschinen kaum noch still. Eine Belastung, die an den kleinen Haushaltshelfern nicht spurlos vorbeigeht – und für Aufsehen sorgt.

„Mir ist nun die Glühbirne an der Nähmaschine kaputt gegangen", erklärt die Lehrerin. „Die kann ich wechseln. Zurzeit bekommt man die aber nicht zu kaufen." Das Geschäft „Die Nähmaschinenprofis" aus Paderborn half aus. Als die Fachleute hörten, warum die kleine Nähmaschine schnell wieder laufen muss, legten sie zehn 500-Meter-Rollen Garn und 20 Meter Gummiband bereit. Die Birne gab's gratis dazu. Jetzt läuft Goeldens Maschine wieder. Alle 15 Minuten fertigt sie einen Mundschutz. Hunderte werden noch folgen.

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