Riesige Nachfrage nach Kunststoffverpackungen für die Lebensmittelindustrie Coveris produziert unter Hochdruck

Warburg (WB). Die etwas über 300 Mitarbeiter der Firma Coveris arbeiten derzeit nonstop. Während viele andere Unternehmen durch die Corona-Krise ums Überleben kämpfen, sind die Auftragsbücher von Coveris voll. Am Standort in Warburg werden vor allem Kunststoffverpackungen für die Lebensmittelindustrie produziert. Die werden momentan mehr als sonst gebraucht. Welche Maßnahmen die Unternehmensspitze getroffen hat, um auch in den nächsten Wochen handlungsfähig zu bleiben, hat Geschäftsführer Jürgen Taut im Interview mit WESTFALEN-BLATT-Redakteurin Silvia Schonheim verraten.

Die 300 Mitarbeiter von Coveris produzieren derzeit unter Hochdruck und maximalen Sicherheitsvorkehrungen.
Die 300 Mitarbeiter von Coveris produzieren derzeit unter Hochdruck und maximalen Sicherheitsvorkehrungen. Foto: Coveris Extrusion

Ihre Mitarbeiter produzieren in Warburg zum Beispiel Kunststoffverpackungen für Nudeln, Aufbackbrötchen und im Non-Food-Bereich auch für Feuchttücher. Wie sieht die Auftragslage derzeit aus?

Jürgen Taut: In den letzten beiden Wochen liegt der Auftragseingang mehr als 50 Prozent über dem Durchschnitt. Unsere 250 Mitarbeiter in der Produktion arbeiten im Schichtbetrieb, 24 Stunden, sieben Tage die Woche. Mehr geht nicht.

Gibt es einen Urlaubsstopp, um sicherzustellen, dass alle Aufträge erledigt werden können?

Jürgen Taut: Nein. Wir wissen, was wir an unseren Mitarbeitern haben und können uns auch ohne Urlaubsstopp auf sie verlassen. Die Mitarbeiter machen alle toll mit. Für dieses großartige Team sind wir sehr dankbar.

Ist geplant, neue Fachkräfte einzustellen, um der Flut an Aufträgen gerecht werden zu können?

Jürgen Taut: Wir werben auf jeden Fall um Fachkräfte und Auszubildende. Es gibt offene Stellen. In der momentanen Situation – Stichwort zwei Meter Abstand – wird allerdings die Einarbeitung neuer Kollegen eine Herausforderung werden.

Als Hersteller von Lebensmittelverpackungen gelten für das Unternehmen bereits hohe Hygienestandards. Reichen die aus?

Jürgen Taut: Wir haben noch einmal eine Schippe draufgepackt. So werden beispielsweise Bedienpults jetzt mit Flächendesinfektionsmittel behandelt. Die Mobiltelefone, die von Schichtführer zu Schichtführer wechseln, werden jeweils in Folie verpackt.

Welche Maßnahmen haben Sie schon ergriffen, um Ihre Mitarbeiter vor einer möglichen Ansteckung mit dem neuartigen Coronavirus zu schützen?

Jürgen Taut: Seit dem 16. März trifft sich täglich ein Krisenstab, um die aktuelle Situation und neue Sicherheitsmaßnahmen zu besprechen. Gemeinsam mit Betriebsleiter Reinhard Steffens, dem Betriebsratsvorsitzenden Andreas Rekow, Personalleiter Friedrich Thiemann und dem technischen Leiter Torsten Arendes bespreche ich mich täglich – natürlich in einem großen Konferenzraum mit Abstand. Zurzeit arbeiten die mehr als 50 Verwaltungsmitarbeiter zu 98 Prozent im Homeoffice. Die Mitarbeiter in der Produktion sehen sich beim Schichtwechsel nur noch von Weitem. Es gibt jetzt separate Ein- und Ausgänge. Die Umkleiden und Duschen sind geschlossen. Unsere Mitarbeiter ziehen ihre Berufsbekleidung zuhause an. Auch die verschiedenen Abteilungen haben wir voneinander getrennt. Für eine Abteilung haben wir sogar einen Container bestellt, um einen eigenen Aufenthaltsraum und WCs zur Verfügung stellen zu können. Für die LKW-Fahrer stellen wir mobile Toiletten zur Verfügung, sie dürfen das Unternehmen derzeit nicht betreten. Toi, toi, toi – bislang haben wir keine Infektionen.

Jürgen Traut ist Geschäftsführer bei Coveris. Foto: Coveris

Wenn es trotz aller Bemühungen, den Virus einzudämmen, zu Problemen in den Lieferketten kommen sollte: Wie lange kann Coveris in Warburg weiter produzieren?

Jürgen Taut: Auch auf solche Probleme bereiten wir uns vor und lagern jetzt mehr Rohmaterial wie Kunststoffgranulat oder Farben ein. Bislang hatten wir eine Reichweite von zwei Wochen, jetzt sind es vier Wochen.

Gab es vor dem Ausbruch der weltweiten Pandemie im Konzern Coveris einen Notfallplan?

Jürgen Taut: Für andere Fälle schon, aber einen Pandemieplan gab es nicht. Die letzten beiden Wochen waren anstrengend. Das Team macht viele Überstunden. Coveris hat in Deutschland weit über 500 Mitarbeiter und europaweit 27 Standorte. Auch mit den Kollegen im Ausland tauschen wir uns jeden Tag über die jeweilige Situation und Sicherheitsmaßnahmen vor Ort aus.

Können Sie der Corona-Krise etwas Positives abgewinnen?

Jürgen Taut: Für unser Unternehmen ja. Wir waren in den vergangenen Monaten einem unglaublichen Plastik-Bashing ausgesetzt. Die Krise zeigt, dass wir und Kunststoffverpackungen systemrelevant sind. Es gibt kaum eine Ressourcen schonendere Art, Lebensmittel haltbar zu machen. Und noch etwas: Wir haben eine tolle internationale Solidarisierung festgestellt.

Sollen die Mitarbeiter in Warburg mit Mundschutz ausgestattet werden?

Jürgen Taut: Ja, wir beraten über das Thema derzeit, aber wir wollen dem medizinischen Personal nichts wegnehmen. Wir gucken uns jetzt zunächst genähte, waschbare Mundschutze aus Frankreich an, die würden das Infektionsrisiko untereinander zumindest senken. Ansonsten müssen wir bis nach Ostern warten. Die Firma Trigema rüstet von T-Shirts auf Mundschutze um, aber das dauert halt.

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